Kniependamm-Bebauung in Worpswede Politiker feilschen um jeden Meter Abstand

Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Infrastruktur des Worpsweder Rates hat den Weg für den Bau von Einfamilienhäusern südlich der Straße Am Kniependamm in Mevenstedt geebnet.
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Von Michael Schön

Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Infrastruktur des Worpsweder Rates hat den Weg für den Bau von Einfamilienhäusern südlich der Straße Am Kniependamm in Mevenstedt geebnet.

Auf einem Flurstück südlich der Straße Am Kniependamm in Mevenstedt sollen Einfamilienhäuser entstehen. Die dafür notwendige Eröffnung eines bebauungsplanerischen Verfahrens wurde jetzt vom Ausschuss für Umwelt, Planung und Infrastruktur einstimmig befürwortet. Von einem schnellen Durchwinken des Antrags konnte am vergangenen Montag in der Worpsweder Ratsdiele freilich keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: Der vom Planungsbüro Instara erarbeitete Entwurf wurde gründlich zerpflückt, wobei die Einwände je nach Fraktion in unterschiedliche Richtungen zielten. Nach langem Hin und Her hatte der Ausschussvorsitzende Wolfgang Wedelich (CDU) genug und veranlasste eine kurze Unterbrechung der Sitzung, damit die Kontrahenten Gelegenheit finden würden, sich im kleinen Kreis zusammenzuraufen.

Das geschah dann auch: Der Ausschuss votierte – einstimmig – für die Aufstellung des Bebauungsplans und schließlich auch für die förmliche Öffentlichkeitsbeteiligung. Letzteren Schritt ging freilich Hans Ganten von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) nicht mit. Für ihn warf die Vorlage des Planungsbüros zu viele Fragen auf. Er hatte daher empfohlen, die Aufstellung des Plans zwar zu beschließen, die Öffentlichkeit aber zunächst außen vor zu lassen, um das Thema noch einmal in den Fraktionen beraten zu können.

Südlich des Kniependamms sollen auf einer Fläche von 1,4 Hektar Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften errichtet werden. Sie dürfen höchsten 17 Meter lang und neun Meter hoch sein. Bauträger gibt es nicht, eine Parzellierung der Fläche ist nicht vorgesehen. Die Planung erfolgt individuell, allerdings unter stengen Regeln.

Der Instara-Entwurf rief indes jede Menge Zweifel und Klärungsbedürfnisse hervor. Heiko Pankoke (CDU) bemängelte den geringen Abstand von nur fünf Metern zwischen Eingangsbereich und Straße. „Der Entwurf beinhaltet zu viele Restriktionen bis hin zum Maschendrahtzaunverbot.“ Auch das Fassadengestaltungsgebot könnte möglichen Interessenten das Bauen vermiesen.

Ute Jung (fraktionslos) fand die vorgesehene Art der Reihenhausbebauung in der ländlichen Umgebung einfach nur „widerlich“ und warnte eindringlich, dass bei entsprechender Dachneigung die zur Auswahl gestellten Ziegel allesamt herunterpurzeln würden. Hans Ganten wiederum bezog sich auf die Stellungnahme der EVB Elbe-Weser GmbH, die vorsorglich auf die unangenehmen Nebenwirkungen des in der Nähe – vom westlichen Rand des Plangebietes beträgt der Abstand 500 Meter – betriebenen Schienenverkehrs hin. Wenn irgendwann einmal das Problem der „Lärmschutzbedürftigkeit“ festgestellt werde – wer müsste dann zahlen? Die EVB, die Gemeinde oder die Anlieger?

Andreas Uphoff (SPD) wollte keine drei Garagen nebeneinander sehen, Pankoke nicht, dass der eine Nachbar dem anderen „ins Badezimmerfenster guckt“. Also verständigte man sich auf Vorschlag von Herrmann Backhaus, im Worpsweder Rathaus zuständig fürs Bauwesen, darauf, den bebaubaren Bereich nach hinten von 20 auf 28 Meter zu erweitern, um den Käufern gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, den Abstand zur Straße variabel zu gestalten. Blieb noch der einzuhaltende Mindestabstand zur Grundstücksgrenze. Pankoke, der ausgerechnet hatte, dass bei drei Metern auf jeder Seite von 20 Frontmetern nur noch 14 übrig bleiben würden, und Uphoff feilschten um jeden Meter. Zwei Meter auf jeder Seite, so lautete der schließlich ausgehandelte Kompromiss, der sich nicht nur auf die Hauptgebäude, sondern auch auf Nebengebäude wie Garagen bezog. Außerdem einigte man sich, für die Doppelhaushälften eine Mindestfront von je 15 Metern zu veranschlagen, was einer Grundstücksfläche von 750 Quadratmetern entspricht. Der Entwurf sah 500 vor, entsprechend 1000 Quadratmetern fürs Einfamilienhaus, die als ausreichend erachtet wurden.

Wesentlich einheitlicher stellten sich die Meinungsbilder bei den übrigen Tagesordnungspunkten dar. Das galt für die Änderung des Bebauungsplans „Neu Helgoland“, vor allem aber für die nach Stellungnahme des Landkreises noch einmal überarbeiteten Entwürfe der Außenbereichssatzung für Überhamm, wenn auch Hans Ganten empfahl, das Problem der verdichteten Besiedlung in der Worpsweder Peripherie im Auge zu behalten. Und: „Die Stärkung der Innenbereiche wird auf diese Weise relativiert.“ Wolfgang Wedelich verwies darauf, dass „hier überhaupt keine Bebauung möglich war“, als es die Außenbereichssatzungen noch nicht gab.

Der Ausschuss sprach schließlich auch noch über den großen Parkplatz an der Bergstraße. Der Architekt hatte dort drei Busparkplätze vorgesehen, die schräg angeordnet werden sollten. Tatsächlich gestalten die Busfahrer die noch unmarkierten Parkflächen gelegentlich nach eigenem Gusto: Sie parken parallel zur Bergstraße, wohl auch um in den Genuss einer Schatten spendenden Randbegrünung zu kommen.

Ganten war dafür, den „Wildwuchs von Parkallianzen“ zu beschneiden, votierte aber wie die Sprecher der anderen Fraktionen dafür, die Parkplätze in der von den Busfahrern bevorzugten Parallelanordnung zu markieren. Dabei war an eine provisorische Markierung mit Klebeband gedacht, die auch für den Behindertenparkplatz empfohlen wurde. Der erhält einen neuen Standort, weil er mit den Interessen des Wochenmarktes kollidiert. Werner Schlüter (UWG) insistierte dahin gehend, dass man bisher vergeblich auf die angemahnte umfassende Parkleitsystem-Lösung warte, die regeln soll, wer wann und wo fahren und parken darf.

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