Kunst- und Filmbiennale bietet 60 Veranstaltungen an vier Tagen / Nina Hoger und Robert Stadlober rezitieren Rainer Maria Rilke

Polnischer Bildhauer bringt neun Eisenmänner nach Worpswede

Worpswede. Rostbraun war er, der breitschultrige stählerne Koloss, ein Muskelmann von der Statur eines Arnold Schwarzenegger. Jahrelang stand er in Worpswede vor der Galerie Kreutzinger in der Hembergstraße, schräg gegenüber der Music Hall. Bis die Skulptur eines Tages aus dem Straßenbild verschwand – verkauft. Bald kehrt ein Ebenbild des stählernen Hünen zurück. Es kommt aus Polen, und es kommt nicht allein. Sein Schöpfer, der polnische Bildhauer Zbigniew Fraczkiewicz, lässt neun 2,20 Meter hohe Eisenmänner nach Worpswede schaffen.
03.04.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede. Rostbraun war er, der breitschultrige stählerne Koloss, ein Muskelmann von der Statur eines Arnold Schwarzenegger. Jahrelang stand er in Worpswede vor der Galerie Kreutzinger in der Hembergstraße, schräg gegenüber der Music Hall. Bis die Skulptur eines Tages aus dem Straßenbild verschwand – verkauft. Bald kehrt ein Ebenbild des stählernen Hünen zurück. Es kommt aus Polen, und es kommt nicht allein. Sein Schöpfer, der polnische Bildhauer Zbigniew Fraczkiewicz, lässt neun 2,20 Meter hohe Eisenmänner nach Worpswede schaffen.

Fraczkiewiczs Skulpturen werden im Künstlerdorf unter freiem Himmel stehen – eine Attraktion der ersten Worpsweder Kunst- und Filmbiennale, die am Donnerstag, 25. April, beginnt und am Sonntag, 28. April, endet.

Polen ist das Gastland bei dieser Premiere, die vier polnische Künstlerkolonien in den Fokus rückt: Schreiberhau im Riesengebirge, das heute Szklarska Poreba heißt, Zakopane in der Hohen Tatra, Kazimierz Dolny an der Weichsel und Bronowice bei Krakau. Wie wichtig den Partnern die Biennale ist, dokumentiert die Tatsache, dass der polnische Kulturminister Bogdan Zdrojewski die Schirmherrschaft übernimmt.

Ende April wird den Film- und Kunstfreunden in Worpswede vier Tage lang ein volles Programm geboten, mit zirka 60 Veranstaltungen, darunter Filme zur Kunst und Zeitgeschichte der Jahrhundertwende, Ausstellungen und Künstlergespräche, Lesungen und Vorträge.

Paula Modersohn-Becker und Heinrich Vogeler, Otto Modersohn und Gustav Klimt, Gerhart Hauptmann, Caspar David Friedrich und Heinrich Zille begegnen dem Publikum in Dokumentarfilmen. Das Elendsdrama "Die Weber" und Hauptmanns Tragödie "Rose Bernd" flimmern als Stummfilme über die Leinwand. Ein Dokumentarfilm rückt die aktuelle polnische Kunstszene in den Blick, andere Filme stellen die Künstlerkolonie Schreiberhau vor. Es gibt eine "lange Teufelsmoornacht" und zahlreiche polnische Spielfilme; der Kunsthistoriker Florian Illies liest aus seinem Bestseller "1913: Der Sommer des Jahrhunderts".

Am Freitagabend kommt der Schauspieler und Schriftsteller, Maler und Musiker Armin Müller-Stahl nach Worpswede (wir berichteten). Er soll nach der filmischen Hommage in der Music Hall geehrt werden. Ein weiteres Highlight ist das Rilke-Projekt, eine Bühnen-Show mit bekannten Schauspielern, die Rilke rezitieren. In Worpswede gibt es zwei Vorstellungen mit Nina Hoger und Robert Stadlober, wie Daniel Hopkins, Sprecher der von Professor Jürgen Haase initiierten Biennale, betont.

Schauplätze dieser ersten Kunst- und Filmbiennale in Worpswede sind die Music Hall und das Theater in der Alten Molkerei, die Galerie Art 99 und die Galerie Altes Rathaus, die Kunsthalle Netzel, der Barkenhoff und das Museum am Modersohn-Haus. In der Galerie Altes Rathaus an der Bergstraße 1 und in der Galerie Art 99 in der Alten Molkerei wird zeitgenössische polnische Kunst gezeigt. Dagegen konzentriert sich das Museum am Modersohnhaus auf traditionelle polnische Kunst der Zeitspanne von 1890 bis 1920. Die Kunsthalle Netzel richtet den Fokus auf Worpsweder Kunst. Unterdessen bieten die Music Hall, das Theater Alte Molkerei und das Heinrich-Vogeler-Museum im Barkenhoff Filme zur Kunst und Geschichte der Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, Künstlergespräche, Lesungen und Musik an.

Das komplette Programm steht unter www.biennale-worpswede.de im Internet; Tageskarten und "Highlight-Tickets" können online bestellt oder in der Worpsweder Touristen-Information im Philiner-Vogeler-Haus in der Bergstraße 13, Telefon 04792/935820, gekauft werden.

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