Hausausstellung beim Künstlerehepaar Ingrid Ripke-Bolinius und Lutz Bolinius an diesem Wochenende Porzellan und Papier im Dialog miteinander

Worpswede. Schon an der Eingangstür ihres Hauses wird der Besucher die künstlerische Atmosphäre gewahr. In Vitrinen stehen feine, schlichte Porzellangefäße von Ingrid Ripke-Bolinius, sie werden ergänzt durch kleine Papierarbeiten an den Wänden. Die stammen aus der Hand ihres Ehemannes Lutz Bolinius. Der Übergang vom kleinen Ausstellungsbereich in die privaten Räume ist fließend. Leben und kreatives Schaffen bilden eine Einheit. Am diesem Wochenende zeigt das Ehepaar in einer Hausausstellung neue Arbeiten.
06.04.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Cornelia Hagenah

Worpswede. Schon an der Eingangstür ihres Hauses wird der Besucher die künstlerische Atmosphäre gewahr. In Vitrinen stehen feine, schlichte Porzellangefäße von Ingrid Ripke-Bolinius, sie werden ergänzt durch kleine Papierarbeiten an den Wänden. Die stammen aus der Hand ihres Ehemannes Lutz Bolinius. Der Übergang vom kleinen Ausstellungsbereich in die privaten Räume ist fließend. Leben und kreatives Schaffen bilden eine Einheit. Am diesem Wochenende zeigt das Ehepaar in einer Hausausstellung neue Arbeiten.

Die Keramikerin Ingrid Ripke-Bolinius ist bekannt für ihre klaren und schlichten Formen. Ihre filigranen Gefäße fertigt sie aus weißem Limoges-Porzellan, das sie nach dem ersten Brand mit Engoben bemalt. "Die Feinheit des Porzellans hat mich schon immer fasziniert", betont Ripke-Bolinius und erklärt die handwerklich anspruchsvolle Arbeit mit dem Material.

Eigentlich werde Porzellan gegossen, so die Keramikerin. Es lässt sich nicht so einfach formen und kann sehr schnell brechen, berichtet sie aus Erfahrung. So zeigt sich ihr handwerkliches Können besonders in den filigranen Formen ihrer dünnwandigen Gefäße. Doch hat Ripke-Bolinius, die fast 25 Jahre als freischaffende Keramikerin arbeitet, jetzt mit einer neuen Werkserie begonnen, die sie ausschließlich aus Flächen aufbaut. So kann sie mit ihren Objekten mehr in die Höhe gehen.

Anregungen für die Malerei auf ihren Porzellangefäßen erhält sie aus ihrer direkten Umgebung. Seit Jahren hat sie Kraniche beobachtet, die sie auch auf ihre Arbeiten malt. Fein ritzt sie zunächst Konturen ein, um dann nach dem ersten Brand die Engobe aufzutragen, die in den kleinen Vertiefungen haften bleibt und so einen zarten Strich zulässt. "Ohne die Einkerbungen würde ich so eine feine Linie nicht ziehen können", verrät Ripke-Bolinius über ihre Technik. Die Farbe stellt sie selbst aus Farbkörpern her. Erst beim zweiten Brand bei über 1200 Grad brennt sie sich in die Keramik. Ihre Vorliebe zu klaren und schlichten Formen hat sie jüngst zu neuen Arbeiten inspiriert. Neu sind Gefäße mit geradlinig gesetzten Farbflächen in warmem Rot- und Grautönen. Die rechteckigen Flächen harmonieren mit der schlichten Form der weißen Keramik und treten gleichsam in Dialog mit den Werken ihres Mannes.

Auch bei den Arbeiten auf Papier von Lutz Bolinius steckt der Reiz in einer reduzierten Formensprache. "Die Zeichnung ist meine Leidenschaft", erzählt er und verweist auf figürliche Arbeiten, die mit unterschiedlichen Techniken wie Bleistift, Kreide, Rötel oder Tusche mit spontanem Strich ausgeführt sind. Bolinius, der als Künstler und Kunsttherapeut tätig ist, sieht seine Arbeiten aber auch immer im Dialog mit denen seiner Frau. "Wir tauschen uns aus, wir leben hier mit unserer Kunst", meint er. Und so ist auch er zu Veränderungen in seiner künstlerischen Ausrichtung gekommen. Die Farbe Rot ist ein neuer Aspekt in seinem abstrakten Werk. Auch wenn die Ausstellung schon lange geplant war, ist die Idee der kleinformatigen Papierarbeiten erst vor kurzem geboren. In kleinen Bilderrahmen sind jeweils zwei auf festem Papier gemalte abstrakte Arbeiten miteinander kombiniert. Die Formensprache ist reduziert, doch beziehen sich seine Werke auf das Alltagsleben des Künstlers.

Die horizontal und vertikal ausgelegten Bildchen bilden ein Pendant zu den neuen Arbeiten von Ingrid Ripke-Bolinius. Doch während sie sich für die Herstellung ihrer keramischen Arbeiten mit der Materialbeschaffenheit des Porzellans auseinandersetzen muss, genießt Lutz Bolinius das Prozesshafte an der Entstehung seiner Werke. Er malt und zeichnet, lässt es auf sich wirken, überklebt und verwirft, bevor er ein Werk als vollendet und gelungen empfindet.

Die Hausausstellung bei Ripke-Bolinius ist heute und morgen von 11 bis 18 Uhr im Albert-Schiestl-Weg 12 in Worpswede zu sehen.

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