Bundestagsabgeordneter Behrens argumentiert bei Radtour gegen Bau der geplanten Umgehungsstraße „B 74 neu“

Radeln für den Schutz der Natur

Osterholz-Scharmbeck. Politiker haben es oft nicht leicht. Bei manchen ihrer Entscheidungen ist im Vorfeld klar, dass sie eine Interessengruppe enttäuschen müssen.
21.09.2015, 00:00
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Von Peter von Döllen
Radeln für den Schutz der Natur

Die Bürgerinitiative „B74-Nein-danke“, Herbert Behrens und Jutta Kemmer radelten die geplante Streckenführung ab. VDO·

Peter von Döllen

Politiker haben es oft nicht leicht. Bei manchen ihrer Entscheidungen ist im Vorfeld klar, dass sie eine Interessengruppe enttäuschen müssen. Und politische Zwänge machen es auch nicht einfacher. Das ist beim Thema Ortsumgehung Scharmbeckstotel und Ritterhude (B 74 neu) nicht anders. Während direkte Anwohner der Bundesstraße 74 seit weit mehr als zwei Jahrzehnten eine Entlastung der Ortsdurchfahrten fordern, wehren sich andere Anwohner gegen eine Ortsumgehung. Sie sorgen sich unter anderem um die Natur, Verlagerung der Lärmbelästigung und unnötige Investitionen. „Man muss manchen Leuten auch unbequeme Dinge sagen“, findet der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (Linke).

Freitag radelte Behrens mit Mitgliedern der Bürgerinitiative „B 74 Nein Danke!“ und Jutta Kemmer von der biologischen Station (Bios) abseits der heutigen Bundesstraße durch die Natur, um „ein Bewusstsein für die Problematik bei der Bevölkerung zu wecken“. Die Bürger mögen sich mit der Frage befassen, welche Natur für die Umgehungsstraße leiden müsste. Behrens will auch die beiden anderen Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises davon überzeugen, dass die Umgehungsstraße aus unterschiedlichen Gründen keinen Sinn mache. „Seid ehrlich zu den Menschen und sagt ihnen, dass es hier in Scharmbeckstotel keine Priorität für einen Neubau gibt“, fordert Behrens. Der Appell richtet sich an Andreas Mattfeldt (CDU) und Christina Jantz (SPD), die sich für eine Umgehung einsetzen. Sie hoffen darauf, dass die Planung in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird.

Behrens sieht die Sache anders als Mattfeldt und Jantz. „Es wäre für die Anwohner wünschenswert, wenn sie entlastet würden und das Verkehrsaufkommen verringert werden könnte. Es gibt bundesweit aber ähnliche Situationen, deren Belastung deutlich höher sind“, so Behrens, der Mitglied des Bundesverkehrsausschusses ist. Er findet, das vorhandene Geld sollte entsprechend eingesetzt werden.

Licht bringt große Probleme

28 Millionen Euro werden für die Realisierung angesetzt. Achim Gelessus von der Bürgerinitiative bezweifelt, dass die Summe ausreicht. 4,6 Kilometer Straße, fünf Brücken und ein Eisenbahntunnel seien geplant. Dabei habe allein die neue Wümmebrücke in Ritterhude 14 Millionen Euro gekostet. Gelessus stellte auch die Verkehrszählungen infrage. Eine neuere Zählung besage, dass der Verkehr auf der B 74 seit 1995 stagniere.

In erster Linie sollte die Radtour aber die ökologischen Aspekte beleuchten. Der Streckenverlauf folgte dem ungefähren Verlauf der jüngst festgelegten Führung der Umgehung. Jutta Kemmer äußerte Zweifel, ob das „zwingende“ öffentliche Interesse, das die notwendige Beeinträchtigung von Landschaft und Natur rechtfertigen würde, tatsächlich gegeben sei. „Im Verfahren wurden schon erhebliche Eingriffe in die Natur festgestellt“, erinnerte sie. Die geplante Trasse berühre sensible Bereiche und quere drei Gewässer und mehrere Gräben. „Der Einfluss auf Fischotter wurde noch nicht überlegt“, sagte Kemmer. Auch der Seeadler und Fledermäuse seien vom Bau betroffen. Und: „Das Licht würde große Probleme bereiten.“

Ganz nebenbei würde aber auch der Naherholungseffekt zerstört, glauben die Mitglieder der Bürgerinitiative. Sie fragen sich, ob das den Befürwortern bewusst sei.

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