Wasserverband hält Verbot aufrecht

Rasensprengen im Kreis Osterholz bleibt tabu

Im Kreis Osterholz bleibt das Rasensprengen verboten. Zwar ist der Trinkwasserverbrauch nach dem Verbot gesunken, doch fürchtet der Wasserverband, dass er in den kommenden Hitzetagen wieder steigt.
06.06.2018, 05:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Rasensprengen im Kreis Osterholz bleibt tabu

Die wochenlange Trockenheit setzt den Pflanzen zu. Grundsätzlich ist das Sprengen und Gießen in Gärten im Landkreis Osterholz noch verboten. Doch setzt der Wasser- und Abwasserverband Osterholz (WAV) auf den gesunden Menschenverstand der Kreisbewohner. Gießkanne und kleine Flächen ja, Rasensprenger nein, so lautet die Devise.

Dittrich

Die Hitzeperiode ist noch nicht vorbei, die Sonne hat nur ein paar Tage Pause gemacht hinter grauen Wolken ohne Regen. An diesem Mittwoch sollen die Temperaturen wieder auf 28 Grad steigen, auch für den Rest der Woche ist Hitze angesagt. Nach dem Verbot des Wasser- und Abwasserverbandes Osterholz (WAV), Gärten und Wege, Spiel- und Sportplätze zu sprengen, ist der Wasserverbrauch von extrem hohen Werten wieder auf das normale Maß gesunken. Doch das ist für Stefan Giese, technischer Leiter des Verbandes, noch kein Grund zur Entwarnung.

„Wir sind jetzt weg von den Spitzenwerten“, sagt Stefan Giese auf Nachfrage unserer Redaktion. „Schon am Freitag nahm das etwas ab. Seit dem Wochenende sind wir wieder bei normalen Werten.“ Ob die Entwicklung auf das Verbot zurückzuführen ist, weiß er nicht. „Es war dann ja auch nicht mehr so heiß.“

Trinkwasserverbrauch auf Rekord im heißen Mai

Wie berichtet, schoss der Trinkwasserverbrauch an den heißen Tagen im Mai auf Rekordhöhen. Morgens und abends pressten die Pumpen im Wasserwerk Wallhöfen, das auch die Gemeinde Worpswede mit Trinkwasser versorgt, 400 bis 460 Kubikmeter Wasser ins Leitungsnetz, normal sind 200 bis 230. Das lag daran, dass Tausende von Kreisbewohnern in Spitzenzeiten die Hähne aufdrehten, um Rasenflächen, Blumen- und Gemüsebeete zu wässern. Der Tagesverbrauch erhöhte sich nach Beobachtungen des Wasser- und Abwasserverbandes Osterholz von 4000 auf 6000 Kubikmeter, also um ein Drittel.

Die gewaltigen Wassermengen überforderten die Filtersysteme, so dass der Verband um die Qualität des Trinkwassers fürchtete. So könnte hier und da braunes Wasser in Badewannen und Waschbecken strömen, weil sich wegen des hohen Drucks und der hohen Strömungsgeschwindigkeiten Eisenablagerungen im Leitungsnetz lösen. Das will der Wasser- und Abwasserverband unbedingt verhindern.

„Unsere Sorge ist, dass die Werte in Spitzenabnahmezeiten wieder hochgehen, wenn es heiß wird“, erklärt der technische Leiter des Wasserverbandes. Daher bleibt das Verbot so lange bestehen wie die Dürreperiode anhält. „Es soll die Leute wachrütteln und sie zum maßvollen Umgang mit dem Trinkwasser anhalten“, betont Stefan Giese. Es gehe um den sparsamen Umgang mit dem Wasser aus der Leitung. „Ein bisschen Blumengießen ja, dagegen hat kein Mensch was. Wenn jemand sein kleines Gemüsebeet wässert, ist das auch okay. Aber Rasenflächen, die gelb sind, werden von selbst wieder grün, wenn der nächste Regen kommt. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Wir sind hier in Norddeutschland, da kommt der Regen bestimmt.“

Und was macht der Friedhofsgärtner?

Wenn jemand ein nagelneues Stück Rollrasen bekommt, das zum Anwachsen gewässert werden muss, dann hat der technische Leiter des WAV auch dafür Verständnis. Giese berichtet vom Anruf eines Friedhofsgärtners: Er habe gerade ein neues Grab bepflanzt und die Pflanzen wässern wollen, doch der Pastor habe das Wasser abgestellt. „Klar kann er das Grab bewässern“, sagt Giese. Wasser ja, aber nur in kleinen Mengen, mit Maß und Ziel, so lautet die Devise. Wie berichtet, gilt das Verbot, Gärten und Wege zu wässern, Autos zu waschen und Planschbecken oder Swimmingpools zu füllen nur für Privathaushalte. Landwirte dürfen ihre Kühe tränken, Tankstellen weiter Autos waschen.

Durchschnittlich 275 Sonnenstunden im Mai, das gab es in Deutschland nach Angaben von tagesschau.de seit 1889 nicht mehr. Im Norden und Osten fiel extrem wenig Regen, teilweise waren es nur fünf Liter pro Quadratmeter. Normal sind 71 Liter. Dazu kommt, dass schon der April überdurchschnittlich warm und regenarm war. Er war der wärmste April seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

Im nassen Elbe-Weser-Dreieck ist die monatelange Trockenheit beim Übergang vom Frühjahr zum Sommer ein gänzlich neues Phänomen. „Im Landkreis Osterholz hat es so eine Situation noch nicht gegeben“, sagt die Sprecherin der Kreisbehörde, Jana Lindemann. Jürgen Möller, Sprecher der Osterholzer Stadtwerke, schätzt die Lage genauso ein: „Sowas haben wir hier noch nicht erlebt.“

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