Landkreis OHZ Rettungshunde legen Prüfung ab

Osterholz-Scharmbeck. Wenn Antje Oeting ihrem Sparky die Kenndecke umlegt, weiß der Rüde, dass es ernst wird. Auf ein Zeichen von ihr nimmt er die Suche auf. Denn Sparky, wie der Schriftzug auf seiner Decke verrät, ist ein Rettungshund.
06.04.2010, 05:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Rettungshunde legen Prüfung ab
Von Brigitte Lange

Osterholz-Scharmbeck. Wenn Antje Oeting ihrem Sparky die Kenndecke umlegt, weiß der Rüde, dass es ernst wird. Auf ein Zeichen von ihr nimmt er die Suche auf und schnuppert im Wind nach dem - für ihn - unverkennbaren Geruch eines Menschen in Not. Denn Sparky, wie der Schriftzug auf seiner Decke verrät, ist ein Rettungshund. Seit diesem Wochenende darf sich auch seine Halterin 'Rettungshundeführerin' nennen. Bei einem Treffen von Rettungshundestaffeln aus dem ganzen Bundesgebiet bestand sie mit Sparky in Schwanewede die entsprechende Prüfung.

'29 Teilnehmer mit über 30 Hunden sind zu dem Frühjahrsworkshop des Bundesverbandes zertifizierter Rettungshundestaffeln angereist', berichtet Edgar Schumacher. Er ist der Vorsitzende der ausrichtenden Rettungshundestaffel im Kreis Osterholz, zu der auch Oeting gehört. Staffel-Mitglieder aus Starnberg, Ostbayern, Werra-Meißner, Bentheim, Cuxhaven und dem hiesigen Landkreis nutzen die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und Neues zu lernen. Eine Nachtsuche steht ebenso auf dem Programm wie die Einführung ins Man-Trailing. Einige Teilnehmer wollen die erste Prüfung über 50000 Quadratmeter beziehungsweise die Zweite über 100000 Quadratmeter Suchfläche ablegen. Mit Oeting sind es zwölf Kandidaten, die sich mit ihren Hunden dem Test stellen. 'Vier haben sich für die zweite und acht für die erste Prüfung angemeldet', berichtet Birgit Nentwig. Sie ist Ausbilderin bei der Osterholzer Rettungshundestaffel.

Während Sparky - noch ohne Kenndecke - ganz ruhig auf seinen Einsatz wartet, ist seine Besitzerin längst im Prüfungsstress. Der Test soll der Realität so nah wie möglich kommen. 'Mein Hund ist ein Verbeller', informiert sie daher Prüfer Dieter Steinfurth und fragt die Eckdaten des Einsatzes ab. Wie viele Personen werden vermisst? Brauchen sie Medikamente? Sind Förster und Jäger über den Einsatz der freilaufenden Hunde informiert? 'Es ist schließlich Brutzeit. Da wollen wir nicht, dass unsere Hunde irrtümlicherweise von Jägern abgeschossen werden', erklärt Nentwig. Auch die Frage nach Gefahren für das Suchteam muss gestellt werden, bevor es ins Gelände geht.

'Wir sind keine Hobby-Hundestaffel', sagt die Ausbilderin. Alle 14 Mitglieder der vor drei Jahren gegründeten Osterholzer Rettungshundestaffel hätten von Anfang an gewusst, dass sie jedes Wochenende mit ihren 16 Hunden für den Ernstfall trainieren. Haben sie und ihre Tiere die notwendigen Prüfungen bestanden, können sie in den Hilfseinsatz geschickt werden. Nach diesem Wochenende könnten die Osterholzer vier ehrenamtliche Teams entsenden.

Der orange Ball ist Belohnung genug

Nachdem Oeting mit einem Blick auf die Karte die Beschaffenheit des Suchgebiets erfasst hat, kontrolliert sie die Windrichtung, legt Sparky die Kenndecke samt Schelle um und bestimmt den besten Ausgangspunkt für die Suche. Der Wind trägt dem Hund alle Informationen zu. Folglich muss er gegen den Wind das Gelände absuchen. Auf ein Zeichen von Oeting legt er los. 'Der Hund arbeitet selbstständig', bemerkt Nentwig. Sie folgt in einigem Abstand dem Suchteam - das aus Oeting, Sparky und der Helferin Silke Legenhausen besteht. Letztere kümmert sich um Sparky. Sie belohnt ihn, wenn das Opfer gefunden worden ist und Oeting dessen Rettung einleitet. Jeder Hund, sagt Nentwig, habe sein eigenes Suchsystem, lege sein eigenes Tempo vor. Herauszufinden, welches das ist und es zu unterstützen, sei Aufgabe des Hundeführers.

Nicht nur auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Schwanewede, auch im Gasthaus Schamaika, das ihnen mit allen Hunden Unterkunft gewährt hat, tauschen die Teilnehmer Ratschläge aus. Warum etwa bellt das Tier nicht, bis der Hundeführer es erreicht hat? Warum entfernt es sich wieder vom Opfer? 'Der Fehler liegt immer beim Menschen', sagt Nentwig. Der Hund würde nur das machen, was ihm beigebracht wurde.

In der Prüfung haben Oeting und Sparky eine halbe Stunde Zeit, um mindestens zwei Personen im Gelände zu finden. Für Minuten verschwindet Sparky dazu im Unterholz. Wäre nicht das Bimmeln der Schelle, könnte das Team leicht getrennt werden. So aber folgen Oeting und Legenhausen dem Hund problemlos. Nach 20 Minuten und einer Trinkpause für das Tier schlägt Sparky an. Er bellt bis die Frauen ihn erreichen und das Opfer, das in einer Senke liegt, gefunden ist. Auch den zweiten Vermissten stöbert Sparky auf. Er hat alles richtig gemacht und erhält die ersehnte Belohnung: Silke Legenhausen holt sein Lieblingsspielzeug, einen orangen Ball, heraus. Und Antje Oeting? Ihr gratuliert Dieter Steinfurth zur bestandenen Prüfung.

Im Herbst wollen es vier weitere Osterholzer Staffelmitglieder wissen. In Werra-Meißner werden sie mit ihren vierbeinigen Partnern zu ihrer ersten Rettungshunde-Prüfung antreten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+