„Risikoabhängige Personalbemessung“

Als in Bremerhaven die integrierte Leitstelle für die Seestadt und die Landkreise Cuxhaven und Osterholz 2013 ihren Betrieb aufnahm, hatte sie gleich eine Starkregen-Bewährungsprobe zu absolvieren. Die sei zu „einem ganz tollen Erfolg“ geworden, hatte Leitstellenchef Oliver Harrie seinerzeit stolz festgestellt.
27.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Als in Bremerhaven die integrierte Leitstelle für die Seestadt und die Landkreise Cuxhaven und Osterholz 2013 ihren Betrieb aufnahm, hatte sie gleich eine Starkregen-Bewährungsprobe zu absolvieren. Die sei zu „einem ganz tollen Erfolg“ geworden, hatte Leitstellenchef Oliver Harrie seinerzeit stolz festgestellt. Mit neun Mann an den Telefonen und Monitoren wurde ein belastbares System bereitgestellt, das binnen einer Stunde 54 Einsätze allein aus dem Landkreis Osterholz koordinierte. „So viel Manpower geht nur in einer Großleitstelle“, zeigte sich Kreisdezernent Richard Eckermann zufrieden.

Alle Notrufe unter 112 aus dem Kreis Osterholz landen seit 2013 nicht mehr in Pennigbüttel, sondern in Bremerhaven, von wo aus die Einsätze für Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert werden. Die Computer der neuen Rettungsleitstelle in der Seestadt sind so mit Daten gespickt worden, dass die Einsatzfahrzeuge im Notfall zuverlässig stets den kürzesten Weg zum Unglücksort einschlagen. Der Bezirk der neuen Leitstelle in der städtischen Feuerwache umfasst immerhin 2800 Quadratkilometer. Etwaige Straßensperrungen, Baustellen und Neubauten werden kontinuierlich eingepflegt; es gibt EDV-Back-ups und eine hauseigene Notstromversorgung.

Auch bei unvollständigen oder unrichtigen Ortsangaben arbeiten die digitalen Heinzelmännchen den Disponenten zu. Wenn der Einsatzkoordinator für den Campingplatz „Viehspecken“ beispielsweise die Bezeichnung „Fischbecken“ eingibt, macht der Computer einen entsprechenden Verbesserungsvorschlag. Volksmund-Namen wie „Jan im Düstern“ (zwischen Falkenberg und Worphausen) oder das „Tal der Liebe“ (zwischen Hambergen und Wallhöfen) haben die Männer von der Leitstelle ebenfalls ins Kartenmaterial eingepflegt.

Je nach „Schadensereignis“ macht die Software dem Mitarbeiter obendrein sogenannte Einsatzmittelvorschläge bezüglich Mindeststärke von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt. Zuständigkeiten und Alarmierungspläne von den Ortsfeuerwehren mit ihren 900 Fahrzeugen sind ebenso gespeichert wie die Standorte von Notarztfahrzeugen und Rettungswagen.

Wichtiger Baustein auf der Anzeigetafel in der Schaltzentrale ist die fortwährend aktualisierte Übersicht der freien Betten in den Krankenhäusern der Region – aufgeschlüsselt danach, ob es sich um eine Intensivstation handelt oder ein anderes Spezialgebiet. Je nach Art der Verletzung kann der Disponent den Rettungswagen so gleich in die beste Klinik schicken. Die Leitstellenmitarbeiter sind nicht nur feuerwehrtechnisch geschult, sondern auch ausgebildete Rettungsassistenten oder -sanitäter.

Alle Beteiligten sind sich einig darin, dass in der hochgradig digitalisierten Leitstelle noch Potenzial steckt, das nach und nach ausgeschöpft werden sollte. Das gilt auch für den Faktor Mensch. So gab es auch schon reichlich Kritik an der Arbeit der Koordinatoren, die etliche Male Ortsfeuerwehren zu Einsätzen rausschickte, für die eigentlich die Brandbekämpfer in der jeweiligen Nachbarschaft zuständig gewesen wären. Das daraufhin eingerichtete Beschwerdemanagement soll solche Fehler aufspüren, darüber hinaus eine Nachschulung der Disponenten zur Vermeidung ähnlicher „Irrläufer“ beitragen.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Für den Betrieb der gemeinsamen Leitstelle mit dem Landkreis Cuxhaven und der Stadt Bremerhaven hat die Kreisverwaltung im Haushaltsplan 2016 nicht weniger als 757 000 Euro ansetzen müssen. Da das Anrufaufkommen in der Leitstelle kontinuierlich gestiegen ist, gibt es eine „risikoabhängige Personalbemessung“, so Eckermann. Durch den Bedarf weiterer Mitarbeiter, Sachkostensteigerungen und EDV-Investitionen ist der Osterholzer Beitrag zur Leitstelle allein in diesem Jahr um 190 000 Euro erhöht worden. Die Krankenkassen als Kostenträger für den Rettungsdienst erstatten dem Landkreis 60 Prozent seiner Aufwendungen für die Leitstelle.

MSÖ

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