Kämmerer präsentiert im Finanzausschuss heute die Eröffnungsbilanz / Hamme-Gemeinde nicht überschuldet Ritterhude hat Inventur gemacht

Seit 2006 krempelt die Verwaltung der Gemeinde Ritterhude ihr Buchführungssystem von Kameralistik auf Doppik um. Nun liegt die Eröffnungsbilanz dazu vor.
01.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ritterhude hat Inventur gemacht
Von Brigitte Lange

Seit 2006 krempelt die Verwaltung der Gemeinde Ritterhude ihr Buchführungssystem von Kameralistik auf Doppik um. Nun liegt die Eröffnungsbilanz dazu vor.

Ritterhude ist nicht überschuldet. Selbst bei Abzug aller Verbindlichkeiten bleibt der Kommune an der Hamme noch eine Nettoposition – landläufig auch als Eigenkapital bezeichnet – von 56 040 926 Euro. Zu diesem Ergebnis sind Kämmerer Daniel Plikat und seine Kollegin Anja Grundmann aus der Abteilung Finanzservice in der Eröffnungsbilanz der Kommune gekommen. Diese Bilanz bildet die finanzielle Lage von Ritterhude zum Stichtag 1. Januar 2011 ab. Denn seit dem Tag gilt in der Hamme-Gemeinde das doppische Buchführungs-System (Doppik).

Gemeinsam mit den Mitarbeitern der übrigen Verwaltungsbereiche haben Plikat und Grundmann seit 2006 daran gearbeitet, die Buchführung der Gemeinde umzukrempeln. Das bereits im 18. Jahrhundert erstmals schriftlich dargelegte System der Kameralistik sollte abgeschafft, stattdessen das doppische System eingeführt werden. So hatte es das Land Niedersachsen 2005 für seine Kommunen entschieden. Als ein Grund dafür wird die Generationengerechtigkeit genannt: Die Kommunen sollen nicht mehr nur ihre Ausgaben im Haushalt abbilden, sondern auch das Geld für die Unterhaltung ihrer Werte und deren Neubeschaffung (Abschreibung) sowie die Pensionen ihrer Beamten vorhalten und somit all dies selbst erwirtschaften.

Das Land Niedersachsen hat für seinen eigenen Haushalt übrigens am alten System der Kameralistik festgehalten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Die Umstellung ist sehr arbeitsaufwendig. Die Ritterhuder Verwaltung sitzt seit acht Jahren daran. „Die Eröffnungsbilanz war ja nur ein Projekt“, bemerkt Anja Grundmann. Zu den anderen gehörten die Umstellung der Buchungsabläufe und die Schulung der Mitarbeiter. Schließlich haben die Ritterhuder die Umstellung mit „Bordmitteln“, also eigenen Leuten, realisiert. Externe Experten hätten sie nur einmal herangezogen, berichtet Plikat. Als sie den Wert und den Abschreibungszustand ihrer Brücken ermittelten, holten sie sich Hilfe von Ingenieuren eines Fachbüros.

Zwar ist der Haushalt 2015, über den sich Ritterhudes Politiker gerade ihre Gedanken machen, bereits der fünfte im doppischen System. Die Bilanz aber, die Plikat und Kollegen nun präsentieren, ist die allererste ihrer Art. Quasi das Fundament auf dem die folgenden Haushalte und deren Abschlüsse aufbauen.

Am Anfang stand eine riesige Inventur. Allein bei der sogenannten körperlichen Inventur wurden alle beweglichen Gegenstände in den Räumen der Gemeinde bewertet und, sofern sie nicht durch das Raster der vom Land vorgegebenen Kriterien fielen, aufgenommen. Allerdings mussten sie auch für eine Aussortierung erst einmal bewertet werden. „Tische, Stühle, Unterrichtstafeln, Spielzeug in den Kindergärten, alle Fahrzeuge beim Baubetriebshof“, nennt Anja Grundmann Beispiele. Alle Gebrauchsgegenstände, die von längerem Nutzen sind, wie etwa Computer, seien in die Bilanz eingeflossen.

Auch ohne das Zählen von Stiften und Papier ein Berg von Arbeit – für dessen Bewältigung Plikat und Grundmann sich in die Tiefen des Gemeindearchivs graben mussten. „Seit dem Jahr 1930 haben wir sämtliche Kaufverträge und auch die Verkäufe bearbeitet“, erklärt der Kämmerer. Dabei ging es nicht nur um Gebäude, sondern auch um Grundstücke. Von Interesse waren dabei ebenso der Kaufpreis wie die Notar- und die Grundbuchgebühren. „Unser Archiv war ziemlich gut bestückt“, berichtet er. Anja Grundmann nickt: „Wäschekörbeweise hatten wir Unterlagen.“

Aber die waren nicht einfach so zu lesen, sondern bedurften der Einarbeitung. „Die Flurstückbezeichnungen hatten sich teilweise geändert“, erinnert sich Plikat. Dann galt es die Währungen umzurechnen. Handschriften waren zum Teil noch in Sütterlin verfasst. Spannend sei das gewesen: „Jede Bilanzposition hatte ihre speziellen Reize“, so Grundmann. „Ganz egal ob es die Grundstücke oder die Fahrzeuge waren“, ergänzt Daniel Plikat.

Nun endlich sind die Werte ermittelt, die Bilanz liegt vor: Sie weist ein Gesamtvermögen von 106 751 023,31 Euro und Verpflichtungen in Höhe von 45 983 642,07 Euro aus. Laut Rechnungsprüfungsamt des Landkreises ist alles korrekt. Heute wird das Papier ab 17 Uhr im Rathaus dem Finanzausschuss in öffentlicher Sitzung vorgestellt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+