Bauhöfe wässern Bäume und Sträucher

Rund um die Uhr mit Fässern unterwegs

Landkreis Osterholz. Sonne satt und wenn die Meteorologen recht behalten, wird es auch in den kommenden Wochen kaum regnen. Eine Tortur für die Pflanzen und das öffentliche Grün. Die Mitarbeiter der Bauhöfe sind im Dauereinsatz und wässern Büsche, Sträucher und Bäume.
16.07.2010, 18:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Wilke und Ulrike Prange

Landkreis Osterholz. Sonne satt und wenn die Meteorologen recht behalten, wird es auch in den kommenden Wochen kaum regnen. Eine Tortur für die Pflanzen und das öffentliche Grün. Die Mitarbeiter der Bauhöfe sind im Dauereinsatz und wässern Büsche, Sträucher und Bäume. Gelingt es ihnen, die Pflanzen vor großem Schaden zu bewahren? Wir haben uns in den Gemeinden umgehört.

Hitze und kein Ende in Sicht. Die Sonne brennt dieser Tage unbarmherzig vom Himmel herab. Während den Menschen unter heißen Strahlen auch schon mal zum Stöhnen zumute ist, leiden Bäume und Pflanzen still. 'Den Bäumen geht es schlecht', sagt Gerhard Liedtke, stellvertretender Baubetriebshofleiter in Lilienthal. 'Wenn wir nicht nachhelfen würden, würde es ihnen noch schlechter gehen', sagt er. An manchen Bäumen verfärben sich seiner Beobachtung zufolge bereits die Blätter, neue würden gar nicht erst gebildet.

Rund um die Uhr seien drei Mitarbeiter des Baubetriebshofs während ihrer Arbeitszeit mit dem Bewässern der Bäume beschäftigt, sagt Liedtke. Drei Riesenfässer mit Wasser haben sie dabei, wenn sie durch die Gemeinde ziehen, um die Bäume und Büsche vor dem Austrocknen zu bewahren. 5000 und zweimal 1000 Liter Wasser haben in den Fässern Platz. 'Wir nehmen es aus den hiesigen Gräben, die noch genügend Wasser haben', erklärt Liedtke. Außerdem werde der Baubetriebshof von Lohnunternehmern unterstützt.

Neue Anpflanzungen wie zum Beispiel die an der Lilienthaler Entlastungsstraße fallen noch in die Obhut der Gärtnereien. Das berichtet Jens Heinemann, Landschaftsplaner der Gemeinde. Bislang 'müssen wir so gut wie keinen Baum abschreiben', sagt Heinemann. Ältere Bäume hätten inzwischen so lange Wurzeln, dass sie sich beim Grundwasser bedienen können.

Bei den Neuanpflanzungen rechnet Heinemann aber mit 'geringen Ausfällen'. Gerhard Liedtke bittet die Lilienthaler dennoch um Mithilfe. 'Ich appelliere an die Bürger, zum Eimer zu greifen und die Bäume und Sträucher vor ihrer Haustür zu versorgen.' Außerdem bitte die Gemeinde Verkehrsteilnehmer um Verständnis, wenn sie zuweilen nicht so zügig an den Bewässerungsfahrzeugen vorbeikommen.

Die Sonne brennt auch in Grasberg unvermindert vom Himmel und trocknet die Böden weiter aus. Axel Schönteich und seinen Kollegen vom Bauhof bleiben vergleichsweise gelassen. Ihr 1000-Liter-Wassertank bleibt die meiste Zeit auf dem Lagerplatz am Wörpedorfer Ring stehen. Dies ist kein Zeichen dafür, dass der Belegschaft das öffentliche Grün egal ist. Im Gegenteil: 'Wir sind täglich unterwegs und wässern insbesondere die Grünanlagen am Rathaus, an den Altenwohnungen und am Kindergarten', sagt Schönteich.

Dafür nutzen die Mitarbeiter allerdings vorhandene Wasseranschlüsse und Pumpen, so dass der Transport von Wasser überflüssig ist. Dazu stehen an Grasbergs weit verzweigtem Straßennetz überwiegend ältere Bäume, die sich mit ihren weitreichenden Wurzeln selbst helfen können, wie Schönteich betont.

Die jungen Bäume in den Grasberger Neubaugebieten hinter der Kirche und an der ausgebauten Birkenstraße stehen in diesen Wochen dagegen unter akutem Hitzestress. Die Bewässerung fällt aber nicht in den Aufgabenbereich des Bauhofs am Wörpedorfer Ring. Für die Pflege und Bewässerung wurden mit den Erschließungsfirmen entsprechende Verträge geschlossen. Erst nach zwei Jahren gehe die Zuständigkeit auf die Gemeinde über, klärt Schönteich auf.

Im Übrigen seien weitere Aufgaben verteilt. So kümmerten sich die Hausmeister um den Zustand des öffentliche Grüns an den Schulen. An den Dorfgemeinschaftsanlagen sorgten die Anwohner für ausreichend Feuchtigkeit auf den Beeten, Rabatten und im Wurzelbereich von Bäumen. Grundsätzlich geht der Mann vom Bauhof davon aus, dass die große Masse der Bäume die Hitzewelle unbeschadet übersteht.

In der Gemeinde Worpswede sind die Bauhof-Mitarbeiter mit der Pflege der Straßenbäume und Grünanlagen überfordert - die Arbeit ist für sie nicht zu schaffen. Das liegt an den vielen jungen Bäumen an den Straßenrändern. 'Vor zweieinhalb Jahren mussten wir im Seitenraum viele neue Bäume pflanzen', erklärt Torsten Damm, der die Hoch- und Tiefbauabteilung im Worpsweder Rathaus leitet. Das Gesetz schreibt den Gemeinden Ausgleichsmaßnahmen vor, wenn Flächen bebaut werden und dadurch ein Stück Natur verloren geht.

Mehr als 500 Bäume wurden in Worpswede gepflanzt. In der seit Wochen andauernden Hitzeperiode drohten sie zu vertrocknen. 'Teilweise sahen die Bäume schon kritisch aus', sagt Damm. 'Der Bauhof hätte es allein nicht geschafft, sie am Leben zu erhalten. Deshalb haben wir eine Firma beauftragt, die das macht.' Zwei Bewässerungsgänge sind absolviert; einmal pro Woche rücken die Mitarbeiter des Unternehmens mit großen Tanks und dicken Schläuchen an. 'Die wässern dann ordentlich', sagt Damm. 'Das sind große Schläuche, wie Feuerwehrschläuche.' Wenn die Trockenheit anhalte, werde die Firma die Grünanlagen weiter wöchentlich wässern.

In der Samtgemeinde Tarmstedt ist nach dem heißen Ausstellungswochenende Ruhe eingekehrt - und jetzt finden die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs auch wieder die Zeit, sich um das Grün in Tarmstedt zu kümmern. Vorher waren sie beinahe Tag und Nacht auf dem Ausstellungsgelände eingespannt, dementsprechend falle nun auch der Nachholbedarf aus, erklärt Heiner Rosenbrock, Bauingenieur der Samtgemeinde.

'Der Bauhof ist aktiv, um Schützenhilfe zu leisten', erklärt Rosenbrock, und die ist mancherorts auch nötig. Denn die kurzen Schauer hätten so gut wie keinen Effekt, das Wasser versickere sofort im trockenen Boden. 'Wir würden es natürlich begrüßen, wenn sich Anwohner beim Gießen beteiligen möchten', sagt Rosenbrock. Das gelte für Bäume und Sträucher vor der Haustür, sei aber keine Regel, betont Rosenbrock.

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