Torfabbau im Günnemoor Sander-Brief sorgt für Irritationen

Landkreis Osterholz. Wie steht Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander zum weiteren Torfabbau im Günnemoor? Ein Schreiben des Ministers an die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Behrens sorgt im Landkreis Osterholz für Irritationen.
20.01.2011, 05:00
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Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Wie steht Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander zum weiteren Torfabbau im Günnemoor? Ein Schreiben des Ministers an die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Behrens sorgt im Landkreis Osterholz für Irritationen. Ein klares Bekenntnis gegen den Torfabbau, wie es Sander vorige Woche bei seinem Besuch in der Kreisstadt abgegeben hatte, sucht man in dem Brief vergeblich. Behrens findet die Antwort des Ministers "nicht befriedigend".

Wie berichtet, hatte Sander sich im Besein von Landrat Dr. Jörg Mielke dafür ausgesprochen, dass die beiden Vorranggebiete für die Torfgewinnung aus dem Entwurf des Landesraumordnungsprogramms gestrichen werden - so wie dies unter anderem vom Kreistag und der betroffenen Samtgemeinde Hambergen gefordert worden war. In dem Schreiben, das Sander zwei Tage vor seinem Besuch an Behrens verfasste, fehlt eine solche klare Ansage. Eher kann man beim Lesen zu dem Schluss kommen, dass Sander dem geplanten Torfabbau im Günnemoor und der anschließenden Renaturierung durchaus etwas abgewinnen kann.

Hans-Heinrich Sander teilte der SPD-Politikerin Behrens unter anderem mit, dass sich Gebiete wie das Günnemoor in den ehemaligen Hochmoorgebieten befinden, die seit geraumer Zeit kultiviert und entwässert sind. Ökologisch intakte Moore würden durch den Torfabbau primär nicht beeinträchtigt. "Vielmehr eröffnet eine Rekultivierung abgetorfter Flächen regelmäßig die Voraussetzungen für eine Neuentwicklung von Mooren mit Gewinn für den Klimaschutz und den Naturschutz", schreibt Sander. Durch eine Moorregenerierung könne langfristig eine positive Klimabilanz erreicht werden, wenn Kohlendioxid in neu wachsenden Mooren dauerhaft gebunden werde.

Der Minister weist auch darauf hin, dass die ehemaligen Hochmoorflächen heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Auf diesen Flächen sei zu beobachten, dass Bodensubstrate in ausgeprägter Weise sacken und zersetzt werden, was wiederum zur Freisetzung von Kohlendioxid führt. Auf lange Sicht komme es auf den abgesackten Weiden oftmals zu einer Vernässung der Flächen, die die landwirtschaftliche Nutzung in Frage stellten, so Sander.

Sander kündigt an, dass das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung die Stellungnahmen auswerten wird, "um für alle vorgeschlagenen Vorranggebiete tragfähige Lösungen zu erarbeiten". Dabei werde für das Günnemoor auch das Entwicklungskonzept "Vision Teufelsmoor" zu berücksichtigen sein, das unter der Regie des Landkreises Osterholz erstellt worden sei.

Im Frühjahr wird sich laut Sander der Landtag mit dem Entwurf des Landesraumordnungsprogramms befassen, die endgültige Entscheidung wird die Landesregierung voraussichtlich im Sommer 2011 treffen. "Ich bin überzeugt davon, dass es gelingen wird, mit dem Landesraumordnungsprogramm eine zukunftsgerichtete Konzeption zu entwickeln, die den Belangen von Rohstoffsicherung, Klimaschutz, Naturschutz und Landwirtschaft gerecht wird und Planungssicherheit bietet", schreibt Sander abschließend.

Daniela Behrens kündigt an, dass die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag die weitere Entwicklung des Landesraumordnungsprogramms für das Günnemoor wachsam und kritisch begleiten werde. Laut Behrens widersprechen die Planungen allen naturschutzfachlichen Regelungen und gefährden ein ökologisch wertvolles Gebiet.

Hambergens Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen reagiert enttäuscht auf das Schreiben aus Hannover. "Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes", sagt er gegenüber der Redaktion. Man müsse doch die Entwicklung, die das Günnemoor in den vergangenen zehn Jahren vollzogen hat, sehen. Die Fläche sei zum Rastplatz von Tausenden von Kranichen geworden. "Wenn der Torfabbau genehmigt wird, wird diese Entwicklung mit einem Federstrich vernichtet", so Lütjen: "Von unserem Umweltminister hatte ich mir daher eine deutliche Positionierung gewünscht."

So wie die Samtgemeinde und die betroffene Mitgliedsgemeinde Vollersode in ihrer Stellungnahme an die Landesregierung: Beide lehnen die Ausweisung dieser Torfabbauflächen kategorisch ab.

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