Endoskopische Prüfung ergibt: Fünf Elemente der Hohlkammerdecke im Medienhaus müssen verstärkt werden

Schäden geringer als befürchtet

Jetzt wird wieder gearbeitet am Medienhaus auf dem künftigen "Campus für lebenslanges Lernen" Am Barkhof. Die Zwangspause ist vorbei, die Bohr-Schäden an der Hohlkammerdecke des Gebäudes sind geringer ausgefallen, als zunächst befürchtet worden war und sollen zügig behoben werden. Im Rathaus ist man optimistisch, dass das Medienhaus bis September fertiggestellt werden kann.
15.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Schäden geringer als befürchtet
Von Michael Rabba
Schäden geringer als befürchtet

Die Zwangspause auf der Medienhaus-Baustelle ist vorüber. Die Schäden an der Decke sollen jetzt zügig beseitigt werden

. Christin Krakow

Jetzt wird wieder gearbeitet am Medienhaus auf dem künftigen "Campus für lebenslanges Lernen" Am Barkhof. Die Zwangspause ist vorbei, die Bohr-Schäden an der Hohlkammerdecke des Gebäudes sind geringer ausgefallen, als zunächst befürchtet worden war und sollen zügig behoben werden. Im Rathaus ist man optimistisch, dass das Medienhaus bis September fertiggestellt werden kann.

Osterholz-Scharmbeck. Der Leiter der Campus-Stabsstelle in der Verwaltung, Heinz-Dieter Gransee, und Stadtbaurat Jörg Fanelli-Falcke stellten gestern Nachmittag die Endergebnisse der in den vergangenen Monaten erfolgten umfangreichen Untersuchungen an der beschädigten Decke im rund 5,2 Millionen Euro teuren Medienhaus auf dem Campus vor.

Die von der Kreisstadt beauftragte Bremer Materialprüfanstalt (MPA) hatte – wie bereits berichtet – festgestellt, dass 139 der insgesamt 195 Deckenelemente im Medienhaus Fehlbohrungen aufweisen. Daraufhin sei der Hersteller der Hohlkammerdecken, das Unternehmen Betonson, mit statischen Berechnungen beauftragt worden, so Gransee. Betonson sei zu dem Schluss gekommen, dass 16 der beschädigten Spannbetonhohldielen, so die fachliche Bezeichnung, nicht mehr voll tragfähig sind.

Die Stadt ließ daraufhin noch einmal die Experten von der Bremer Materialprüfanstalt aktiv werden und diese 16 Deckenelemente endoskopisch analysieren. Eine aufwändige Sache. Die Stadt sei in einem solchen Fall wie dem Medienhaus verpflichtet, alles zu tun, um den Schaden zu minimieren, betonte Fanelli-Falcke. Sonst liefe die Stadt Gefahr, dass die Versicherung den Schaden nicht anerkennt.

So guckten die Experten der Materialprüfanstalt aus der Hansestadt also per Endoskop in jedes einzelne Bohrloch in diesen 16 Elementen und konnten so genau feststellen, in welchem Umfang der armierende Stahl in den Deckendielen beschädigt worden ist, was endgültig und genauer als statische Berechnungen Aufschluss über die Tragfähigkeit gab.

Heraus kam ein Ergebnis, das Gransee und Fanelli-Falcke aufatmen ließ: Danach brauchen nur fünf Deckenplatten eine "Ertüchtigung", sprich eine zusätzliche Stabilisierung. Zwei dieser jeweils 5,70 mal 1,20 Meter messenden Deckenelemente befinden sich im Bereich des hinteren Fahrstuhles, die weiteren im Mensa-, Eingangs- und Küchenbereich des Gebäudes, erläuterte Gransee. Auf einer Zeichnung des x-förmigen Gebäudes, die der Stabsstellenleiter gestern im Rathaus an die Wand pinnte, sind die betroffenen Platten rot markiert.

Die nicht mehr tragfähigen Platten sollen mit Stahlträgern "ertüchtigt" werden. Mehrere Kostenvoranschläge seien bei Firmen bereits eingeholt worden, die Auftragsvergabe werde jetzt zeitnah erfolgen, so Fanelli-Falcke. Eine optische Beeinträchtigung gebe es nicht: "Die Stahlträger werden später nicht sichtbar sein, weil sie sich oberhalb der abgehängten Decken befinden." Voraussichtliche Kosten der "Ertüchtigung": Rund 30000 Euro.

Insgesamt ist der am Medienhaus entstandene Schaden sehr viel höher, er liegt laut Gransee im sechsstelligen Bereich. Allein der für die Untersuchung der Decke erforderliche Aus- und Wiedereinbau der Mensaküche habe Kosten in Höhe von rund 15000 Euro verursacht.

Nun gehe es darum, die Schadensregulierung mit den Versicherungen der betroffenen Firmen zu klären. Verantwortlich für die Fehlbohrungen seien vermutlich fünf bis acht Unternehmen, so der Stabsstellenleiter. Erster Ansprechpartner für die Stadt sei aber zunächst nur eine Versicherung – die des Trockenbau-Unternehmens.

Gransee und Fanelli-Falcke hoffen, dass diese Versicherung sich beim Schadensersatz mit den Versicherungen der weiter betroffenen Firmen ins Benehmen setzt und die Verteilung der finanziellen Last sozusagen "intern regelt".

Bislang "haben wir noch keine grundsätzliche Schadensanerkennung der Versicherung schriftlich vorliegen", informierte Gransee gestern. Er gehe aber davon aus, dass diese Anerkennung nach Vorlage des Abschlussberichtes der Materialprüfanstalt zeitnah erfolgen werde. Die Stadt gehe mit allen Mehrkosten in Vorleistung, dafür stünden im Haushalt 200000 Euro bereit.

"Es geht weiter", betonte Fanelli-Falcke sichtlich erleichtert mit Blick auf den Endausbau im Obergeschoss des Medienhauses, der jetzt angegangen wird. Die vorbereitenden Arbeiten für den Einbau der Stahlträger unter die nicht mehr tragfähigen Deckenplatten seien bereits erfolgt.

Wenn alles gutgehe, könnte die Mensa im Medienhaus nach den Herbstferien in Betrieb gehen, so Gransee. Die Bibliothek und das Kreisarchiv werden voraussichtliche schon vorher in ihr neues Domizil einziehen können.

Ja, sie seien erleichtert, dass der Schaden an der Decke geringer ausgefallen ist, als befürchtet, sagten Gransee und Fanelli-Falcke gestern. Man habe bei allem Unglück "Glück gehabt".

Trotzdem: Die Verzögerung bei der Fertigstellung von einem Dreivierteljahr sei sehr schmerzlich. Und, so Fanelli-Falcke, die Sache habe für "erheblichen Stress bei allen Beteiligten" gesorgt.

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