Landkreis Osterholz Schienenbruch beendet Zugfahrten

Landkreis Osterholz. Mittwochnachmittag ging gar nichts mehr: Schienenbruch zwischen den Bahnhöfen Lübberstedt und Stubben. Die Pläne vieler Bahnreisender warf der Frost über den Haufen. Für alle Waggons und Triebwagen war in Osterholz-Scharmbeck bzw. in Bremerhaven Endstation.
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Schienenbruch beendet Zugfahrten
Von Michael Rabba

Landkreis Osterholz. Ab 15 Uhr ging am Mittwoch gar nichts mehr: Schienenbruch zwischen den Bahnhöfen Lübberstedt und Stubben. Die Pläne von Hunderten Bahnreisenden warf der Frost damit völlig über den Haufen. Ob Regionalzug der Deutschen Bahn oder Regio-S-Zug der Nordwestbahn - für alle Waggons und Triebwagen war in Osterholz-Scharmbeck beziehungsweise in Bremerhaven Endstation.

Für ihre Passagiere organisierten die beiden Verkehrsbetriebe Ersatzbusse. Die Deutsche Bahn, Eigentümerin des Schienennetzes, teilte gestern Nachmittag mit, dass sie nicht vor den späten Abendstunden mit einer Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der Strecke Bremen-Bremerhaven rechne.

Für die in Osterholz-Scharmbeck gestrandeten Zugreisenden wurde die Stadthalle unweit des Bahnhofs zum Wartesaal. "Das haben wir in fünf Sekunden entschieden", sagte Stadthallenmanager Matthias Renken, der sich am Nachmittag mit dem Organisatorischen Rettungsdienstleiter des DRK-Kreisverbands, Tim Schwarzrock, in der Stadthalle über den Bühnenaufbau für das "Burning Christmas"-Konzert der Gruppe "Afterburner" am ersten Weihnachtstag informiert hatte. Als Schwarzrock von der Lage erfuhr, "haben wir innerhalb einer Viertelstunde mit unseren Helfern 250 Stühle aufgestellt", so Renken.

Fahrgast informierte Leitstelle

Rund 30 Kräfte der Schnellen Einsatzgruppen des Deutschen Roten Kreuzes aus Osterholz-Scharmbeck, Grasberg, Wörpedorf, Worpswede und Hambergen versorgten die Wartenden mit Getränken und heißen Würstchen. "Modul 3 wurde ausgelöst; dann kommt alles, was beim DRK fahren kann", sagte der stellvertretende Organisatorische Leiter, Torben Breden.

Ein Fahrgast hatte die Rettungsleitstelle informiert - Martin Stebner, Hauptfeuerwehrmann aus Leer, saß im Nordwestbahn-Zug 83216, der um 13.35 Uhr am Bremer Hauptbahnhof Richtung Bremerhaven abfuhr. "In Bremen-Burg hieß es, wir sollen alle aussteigen." Mit dem Regional-Express der Bahn landete Stebner dann in der Kreisstadt. Der Mitarbeiter der Fahrkartenverkaufsstelle im Bahnhof habe sich geweigert, die Polizei zu verständigen, berichtete Stebner - obwohl mehrere hundert Zugreisende auf dem Bahnsteig froren. So wurde der Feuerwehrmann selbst aktiv und informierte die Rettungsleitstelle.

Die setzte sich mit der Stadtverwaltung in Verbindung und schlug vor, das DRK in den Einsatz zu schicken. "Das habe ich auch als die sinnvollste Lösung angesehen", sagte Ordnungsamtsleiter Volker Pfeil, der sich am späten Nachmittag selbst ein Bild von der Situation in der Stadthalle machte. "Es war ein glücklicher Umstand, dass hier gerade für ein Konzert aufgebaut wird und deshalb jemand in der Halle war." Der Aufbau im Saal lief weiter, während im Foyer und auf der Empore mehrere hundert Menschen darauf warteten, ihre Reise mit Bussen fortsetzen zu können. Um 17.30 Uhr informierte der Leitende Notarzt des Landkreises, Uwe Böttjer, dass "zehn bis zwölf Busse unterwegs sind". Auf die Frage einer Reisenden, ob auch Ansprechpartner von der Deutschen Bahn da seien, antwortete Böttjer: "Die suche ich auch."

Mit Krawumm

"Das Schlimmste ist die mangelnde Kommunikation", kritisierte Herbert Klonus die Bahn. Klonus war in Hannover mit dem Regional-Express gestartet. Unterwegs nach Osterholz-Scharmbeck sei zwar durchgesagt worden, dass die Fahrt dort wegen eines Gleisbruchs ende. Nachdem er und rund 300 weitere Reisende gegen 15.45 Uhr in der Kreisstadt angekommen waren, habe man indes in der Kälte gestanden "und niemand erzählte einem was, bis dann die Leute vom DRK kamen und sagten, dass die Stadthalle geöffnet ist".

Michael Bohrer war unterwegs von Oldenburg nach Stubben: "In Bremen wurde durchgesagt, dass wir wohl schon in Osterholz-Scharmbeck aussteigen müssen. Aber dann gab es keine weitere Info mehr."

Gegen 18.15 Uhr trafen dann mehrere Schienenersatzbusse ein, doch nach wie vor seien weitere gestrandete Bahnreisende in der Stadthalle eingetroffen, berichtete Matthias Renken: "Egal, wie lange es dauert, wir lassen die Halle offen."

Zur Ursache des Schadens auf der Strecke erklärte Timo Kerßenfischer, Leiter Marketing und Kommunikation bei der Nordwestbahn, dass sich der Stahl der Schienen durch die Kälte zusammenziehe. Dabei sei die Stelle, an der zwei Schienenteilstücke miteinander verschweißt sind, mit Krawumm auseinander gebrochen: Schienenbruch. Der so entstandene Spalt könne zwischen fünf und zehn Zentimeter breit sein. Laut Nordwestbahn wurde der Schaden von einem Lokführer bemerkt. "Diese Bruchstelle muss nun wieder zusammengefügt werden", sagte Kerßenfischer. Dafür wurde zunächst das angrenzende Gleis erwärmt. Erst dann konnte geschweißt werden. Kerßenfischer: "Die Reparatur übernimmt die DB Netz."

Bruch war nicht das einzige Problem

Der Schienenbruch sei nicht das einzige Problem gewesen, mit dem sie gestern Nachmittag auf der Strecke zwischen Bremen und Bremerhaven zu kämpfen hatten, berichtete Sabine Brunkhorst. "Wir hatten außerdem vereiste Weichen auf der Strecke und eine Plane, die sich kurz vor Bremerhaven in der Oberleitung verfangen hatte", teilte die Pressesprecherin der Deutschen Bahn, Region Niedersachsen/Bremen, der Redaktion mit. Nachdem der komplette Zugverkehr zwischen der Kreisstadt und Bremerhaven gestoppt worden war, ging ein Turmtriebwagen auf die Strecke, um die Plane aus der Oberleitung zu holen. "Die hatten wir um 16.45 Uhr entfernt", so Brunkhorst. Nachdem dieser Turmtriebwagen wieder zurück im Bahnhof Oldenbüttel war, konnte der Schneeräumtrupp aufbrechen und die Weichen vom Schnee befreien und enteisen. Als das erledigt war, fuhr die Schweißtruppe zur Schienenbruchstelle zwischen Lübberstedt und Stubben. Wie lange die Reparaturarbeiten dauern würden, konnte Brunkhorst am

Nachmittag nicht sagen. Gegen 19 Uhr informierte die Bahn ihre Kunden via Internet, dass die Strecke noch bis Betriebsschluss - und damit bis mindestens 4 Uhr - gesperrt bleibe.

Für die in Osterholz-Scharmbeck beziehungsweise Bremerhaven gestrandeten Bahnfahrer hatte die Nordwestbahn ihrerseits zehn Ersatzbusse organisiert. "Sie halten an allen Bahnhöfen - genau wie unsere Regio-S-Züge", so Kerßenfischer. Die von der Deutschen Bahn organisierten Busse hielten ebenfalls dem Fahrplan entsprechend nur in Osterholz-Scharmbeck.

Es dauerte, bis sich der Ersatzfahrdienst der beiden Unternehmen eingependelt hatte. Zeitweise mussten die Fahrgäste bereits am Bahnhof Bremen-Burg vom Zug in den Bus wechseln. Gegen 19 Uhr hieß es bei der Nordwestbahn, die Züge würden wieder bis Osterholz-Scharmbeck fahren.

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