Gemeinsame Veranstaltung der Landfrauen und Gemeinde Gnarrenburg zum Thema „Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter“ Schläge am Küchentisch und in der Öffentlichkeit

Gnarrenburg. Gewalt gegen Frauen, sie passiert täglich und in allen Formen. Am Arbeitsplatz, im Internet, in der Öffentlichkeit und zu Hause im privaten Umfeld.
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Von MARLIS KLEEMANN

Gewalt gegen Frauen, sie passiert täglich und in allen Formen. Am Arbeitsplatz, im Internet, in der Öffentlichkeit und zu Hause im privaten Umfeld. Diese Gewalt hat viele Gesichter. Jede vierte Frau in Deutschland erlebt Gewalt. Zu diesem Thema haben die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Gnarrenburg, Heike Rimkus, und die Landfrauen die Mitarbeiterin Marlies Schaklewski von der Beratungsstelle BISS (Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt im Landkreis Rotenburg) ins Hotel Matthias in Gnarrenburg eingeladen.

Laut Marlies Schaklewski sind die Ursachen zum Teil historisch bedingt aufgrund ungleicher Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau. Misshandlungen geschehen nicht aufgrund eines einmaligen Kontrollverlustes, sondern dienen dazu, Macht und Kontrolle über das Opfer auszuüben. Gewalt fängt in der Regel nicht gleich mit körperlicher oder seelischer Gewalt an, der Prozess ist meist schleichend. „Männer tasten sich vorsichtig vor, um zu testen, wie weit sie gehen können“, betonte Marlies Schaklewski. Beim ersten Mal kann es sein, dass er entschuldigt und verspricht, dass es nie wieder vorkommt, beim zweiten Mal waren die Kinder zu laut, beim dritten Mal gab es Stress auf der Arbeit, beim nächsten Mal gibt es Streitigkeiten ums Geld, und so weiter und so weiter. Alkoholisierung kann die Gewaltausübung beeinflussen, ist aber meist nicht der Grund für die Misshandlung.

Wie Marlies Schaklewski ausführte, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Gewalt an Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit bezeichnet. Lange Zeit wurde dieses Thema vollständig tabuisiert. Viele der betroffenen Frauen fühlen sich immer noch hilflos, Scham und Angst vor Gerede oder weiteren Übergriffen hemmen sie, ihre Rechte einzufordern und Hilfe zu suchen. Viele sprechen mit Niemanden über die erlebte Gewalt. Es dauert in der Regel oft sehr lange, bis die Frauen sich trauen, entsprechende Hilfe einzufordern. Schließlich haben sie ihren Partner ja auch geliebt oder lieben ihn immer noch. Marlies Schaklewski: „Die Frauen halten ganz lange aus, bis sie sich zum Beispiel an ein Frauenhaus wenden, oftmals haben sie schon vier bis fünf Trennungsversuche hinter sich“. Die Folgekosten von Männergewalt werden in Deutschland jährlich auf etwa 14,5 Milliarden Euro geschätzt. Hierin enthalten sind die Kosten für Justiz und Polizei, aber auch Krankenhausaufenthalte, ärztliche Behandlungen sowie Ausfallzeiten am Arbeitsplatz. Lange Zeit galt Gewalt gegen die eigene Partnerin als Privatsache. Seit 2002 hat sich die Situation jedoch geändert, es gilt jetzt das Gewaltschutzgesetz, das heißt: „Wer schlägt, der geht“. Hier gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, so dass die Frauen und Kinder sofort und gut geschützt werden können.

Marlies Schaklewski erzählte den zum Teil erschütterten Zuhörerinnen vom Frauenhaus in Zeven, wo die hiesigen Frauen Schutz und Hilfe erhalten. Das Frauenhaus verfügt über sechs Zimmer. In der Regel bleiben die Geschädigten zwei bis drei Wochen vor Ort. 63 Prozent der Frauen kommen aus akuter Notlage. Im Jahr 2013 wurden im hiesigen Frauenhaus 763 Frauen und 756 Kinder aufgenommen. Der durchschnittliche Aufenthalt betrug 31 Tage. 72 Prozent der Frauen waren deutsche Mitbürgerinnen. 66 Prozent der Frauen hatten bereits mehrere Versuche hinter sich, einen Neuanfang zu starten. Getragen wird das Frauenhaus Zeven vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Rotenburg. Im Frauenhaus erhalten betroffene Frauen die Gelegenheit, die akute Krisensituation zu bewältigen und zu stabilisieren. Marlies Schaklewski betonte ausdrücklich: „Wir sagen den Frauen nicht, was sie tun müssen, wie bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Die Beratung ist selbstverständlich vertraulich“.

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