Waakhauser klagen über Lärm durch neuen Belag / Kreisdezernent: Splitt wird eingefahren – Lautstärke sinkt „Schlimmer als eine Autobahn“

Der Lärm der Kreisstraße 11 sei nicht auszuhalten, klagt Hans-Georg Thölken. "Schlimmer als eine Autobahn." Ende August hat der Kreis die K 11 zwischen Worpswede und Moorhausen sanieren lassen – mit neuen Methoden. An zwei Tagen streuten Baufahrzeuge 550 Tonnen Natursteinsplitt auf die sechs Kilometer lange Strecke. Das Gewicht der Fahrzeuge presst den Splitt peu-à-peu in die Fahrbahn. Damit schwinde der Lärm, sagt der Kreisdezernent Richard Eckermann. "Nach ein paar Monaten redet kein Mensch mehr davon." Der Waakhauser Thölken und einige Nachbarn glauben kein Wort.
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Von Michael Wilke

Der Lärm der Kreisstraße 11 sei nicht auszuhalten, klagt Hans-Georg Thölken. "Schlimmer als eine Autobahn." Ende August hat der Kreis die K 11 zwischen Worpswede und Moorhausen sanieren lassen – mit neuen Methoden. An zwei Tagen streuten Baufahrzeuge 550 Tonnen Natursteinsplitt auf die sechs Kilometer lange Strecke. Das Gewicht der Fahrzeuge presst den Splitt peu-à-peu in die Fahrbahn. Damit schwinde der Lärm, sagt der Kreisdezernent Richard Eckermann. "Nach ein paar Monaten redet kein Mensch mehr davon." Der Waakhauser Thölken und einige Nachbarn glauben kein Wort.

Worpswede. "Extrem laut" findet Hans-Georg Thölken den neuen Belag der K 11. Seit der Sanierung der Kreisstraße im Spätsommer habe der Lärm um mindestens 50 Prozent zugenommen. "Das rauscht bis ins Haus, morgens geht das um viertel vor fünf los." Dann rollt der Berufsverkehr über die breit ausgebaute und über weite Strecken schnurgerade Straße. "Wir haben hier ein unheimlich hohes Verkehrsaufkommen", schimpft der Waakhauser. Täglich sausten Autos und Lkw mit hohen Geschwindigkeiten vorbei. Er könne kein Fenster mehr öffnen, obwohl 100 Meter zwischen seinem Haus und der Fahrbahn lägen. Thölken und andere Waakhauser beschwerten sich beim Landkreis und bei der Kreisstraßenmeisterei, bei Waakhausens Ortsvorsteher Wolfgang Wedelich und Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke.

"Das ist korrekt, dass es da momentan lauter ist", räumt der Kreisdezernent Richard Eckermann ein. "Wir haben eine Oberflächenbehandlung gemacht. Dabei wird Natursplitt aufgebracht, der durch das Befahren in die Fahrbahn reingedrückt wird, durch den Pkw- und Lkw-Verkehr. Es ist ein europaweit anerkanntes Verfahren, das bundesweit angewandt wird." Aus der Sicht des Landkreises hat das neue Verfahren etliche Vorteile. Es reduziert die Sanierungskosten auf ein Viertel und die Baustellen- und Straßensperrungs-Intervalle von Wochen auf Tage.

In Waakhausen haben die Arbeiten zwei Tage gedauert. Alternativ hätten die rissigen Asphaltschichten abgefräst und durch eine neue Straßendecke ersetzt werden müssen – das hätte zwei Wochen gedauert. Statt 160 Lkw-Ladungen waren nach Eckermanns Angaben 24 Lkw-Ladungen erforderlich. Als weiteren Vorteil nennt der Bau- und Verkehrsdezernent im Osterholzer Kreishaus die bessere Griffigkeit durch die rauhere Oberfläche der Straße.

Dass die Lärmzunahme Anwohner nervt, versteht Richard Eckermann. "In einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten ist es tatsächlich so, dass die Geräusche lauter sind", sagt er. "Subjektiv ist das natürlich belastend. Es gibt einige, die sehr verärgert sind. Aber es wird immer leiser."

In Brundorf, auf der Strecke zwischen Osterholz-Scharmbeck und Schwanewede, hat der Landkreis ebenfalls Edelsplitt aus Naturstein auftragen lassen. Auch da seien genervte Bürger auf die Barrikaden gegangen, doch ein halbes Jahr später habe sich die Aufregung gelegt, sagt Eckermann. Der Lärmpegel sei stetig gesunken. "Heute spricht in Brundorf kein Mensch mehr davon", versichert der Kreisdezernent. "Das ist jetzt die Durststrecke in Waakhausen. Da müssen wir durch."

Die Vorteile des neuen Verfahrens für den hoch verschuldeten Landkreis liegen auf der Hand: Mit dem gleichen Geldbetrag kann er viermal so lange Strecken sanieren lassen. Eckermann weiß, dass viele Kreispisten marode sind: "Mit unseren Moorstraßen haben wir große Probleme."

Auch bei Autofahrern stößt die Straßensanierung mit Splitt nicht auf Begeisterung. Sie fürchten um den Lack. In den ersten Wochen ist die Gefahr besonders hoch. Wer das Tempo nicht radikal drosselt, hört die Steinchen ans Blech klicken, Kratzer und Spuren sind sichtbar. Wegen der Steinschlaggefahr begrenzt der Landkreis das Tempo in den ersten zwei Wochen auf 40 Kilometer pro Stunde. So lange dauert es, bis der Edelsplitt festgefahren ist.

Thölken schaltet Rechtsanwalt ein

Hans-Georg Thölken interessiert das nicht. Ihn nervt der Verkehrslärm. Inzwischen hat er einen Rechtsanwalt eingeschaltet und fordert Lärmmessungen. "Wir werden uns mit ihm und seinem Anwalt zusammensetzen", kündigt Eckermann an. Lärmmessungen reichten nicht aus. Die Lärmwerte schwankten ständig, da spielten viele Faktoren eine Rolle, auch die Windrichtung. Daher schreibe der Gesetzgeber standardisierte Berechnungsverfahren durch Sachverständige vor. Das Ergebnis sind teure Schallschutzgutachten. Die will der Landkreis vermeiden.

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