Der Bau- und Möbeltischler Harald Prien konstruiert in seiner Werkstatt in Ostertimke Mini-Wohnwagen

Schneckenhäuser auf Rädern

Sie wirken winzig, doch bieten sie innen Platz für Zwei-Meter-Menschen: In Ostertimke baut Harald Prien kleine Wohnwagen, die von kleinen und PS-schwachen Autos gezogen werden können.
08.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Schneckenhäuser auf Rädern

Ulrike Mende-Prien an einem der Mini-Wohnwagen, die sie und ihr Mann Harald unter der Bezeichnung „Schneckenhäuser“ vermarkten. Die äußerst kompakten Fahrzeuge werden in Ostertimke produziert.

Heeg

Sie wirken winzig, doch bieten sie innen Platz für Zwei-Meter-Menschen: In Ostertimke baut Harald Prien kleine Wohnwagen, die von kleinen und PS-schwachen Autos gezogen werden können.

Wenn Harald Prien über Schneckenhäuser spricht, geht es in der Regel nicht um tierische Behausungen. Sondern um die Wohnwagen, die der gelernte Bau- und Möbeltischler in seiner Werkstatt in Ostertimke konstruiert und unter diesem Namen vermarktet. Spezielle Wohnwagen sind das, so klein und leicht, dass sie von ebenfalls kleinen und leichten sowie PS-schwachen Oldtimerautos gut gezogen werden können. „Die Schneckenhaus-Wohnwagen sind gut geeignet für Ente, Fiat 500, Käfer, Isetta, Goggo und Trabi“, sagt Prien.

„20 PS genügen“, betont der Schneckenhaus-Bauer. Er selbst besitzt einige Fiat 500 jener Generation, die von 1957 bis 1975 gebaut wurden, darunter einen Kombi. Die Wägelchen haben Motoren zwischen 13,5 und 18 PS und bringen gerade mal 500 Kilogramm auf die Waage. Diese Leidenschaft für Oldtimer-Kleinwagen verbindet ihn mit seiner Frau. „Über diese Schiene haben wir uns bei einem gemeinsamen Fiat-Freund kennengelernt“, sagt Ulrike Mende-Prien.

Sie ist im Familienbetrieb für die Oberflächenbehandlung der Wohnwagen zuständig. Genauer gesagt, für alle Oberflächen im Inneren, denn die Außenhaut besteht aus wasserfest verleimten Multiplexplatten mit Kunststoffbeschichtung, das Dach aus einer Alu-Verbund-Platte. „Das Ganze wird mehrfach verleimt und verschraubt und ist unkaputtbar und total dicht“, behauptet Harald Prien.

Zu seinen Kunden zählen zudem Smart-Fahrer sowie Eigner von Quads, Trikes und Motorradgespannen. Sie alle schätzen das geringe Gewicht von gerade mal 200 bis 250 Kilogramm und das winzige Außenmaß, schießlich sind die Prienschen Schneckenhäuser keine drei Meter lang und höchstens 1,50 Meter breit. Trotzdem sind sie innen so geräumig, dass selbst Zwei-Meter-Menschen genug Platz auf der Matratze haben und mit ausgestreckten Beinen bequem schlafen können.

Hauptklientel seien eingeschworene Camper, die als Rentner nicht mehr zelten wollten und nach ein wenig mehr Komfort strebten. Stromanschluss und fließend Wasser seien als Sonderausstattung lieferbar. Auch eine Kochnische sei machbar, jedoch rät Prien davon ab. „Kochen in so einem kleinen Raum widerspricht der Vernunft“, meint er. Er rät Interessenten, „lieber draußen in der Sonne zu kochen und zu essen“. Allerdings überlegt er bereits, das runde Modell des Wohnwagens auf Wunsch abzuwandeln: „Ich könnte es so machen, dass man das hintere Ende aufklappen kann. Darunter könnte ich eine Arbeitsplatte mit Kochplatten und Waschbecken anordnen.“

Auf die Idee mit dem Wohnwagenbau gekommen ist Prien durch zweierlei Umstände. Erstens musste er sich nach einer neuen Einkommensquelle umsehen, nachdem der Tarmstedter Verkaufswagenhersteller, bei dem er etliche Jahre gearbeitet hatte, den Betrieb einstellte. Zweitens erwies sich der Piccolino Mini-Wohnwagen, den sich ein Freund für 2700 Euro gekauft hatte, bei Regen als nicht ganz wasserdicht. „Außerdem war die Schlaffläche nur 1,20 mal 1,80 Meter klein“, so Prien. „Ich hab’ mir gesagt: Für das Geld kann ich das besser machen.“ Also fing er an zu tüfteln und zu bauen, und schließlich hatte er 2006 seinen ersten eigenen Mini-Wohnwagen fertig, den er für 3000 Euro verkaufte. Heute kostet das runde Schneckenhaus in der Grundausstattung 4400 Euro und 4600 Euro in der eckigen Variante.

25 Stück hat Prien mittlerweile produziert, macht zwei bis drei pro Jahr. „Im Januar liefere ich wieder einen aus“, sagt er. Hinzu kommen neuerdings Wohnwagen-Kastenaufbauten für den Ape-Kleintransporter des Vespa-Herstellers Piaggio. Bisher gibt es allerdings erst zwei dieser umgebauten „Arbeits-Bienen“, so die deutsche Übersetzung von Ape. Eine ist seine eigene, die andere hat der findige Handwerker nach Nordnorwegen überführt, wo er für den selben Kunden neulich einen Stall für Lamas gebaut hat.

Wenn er nicht gerade Ställe oder Wohnwagen baut, tummelt sich der Ostertimker beim Fernsehen. Übers Bremer Theater, für das er Kulissen gebaut hat, kam er zu Radio Bremen, wo er als Mädchen für alles unter anderem bei den Tatort-Drehs mit Sabine Postel und Oliver Mommsen mitwirkt. Auch bei der Talkshow „3 nach 9“ wirkt er hinter den Kulissen mit – beim Auf- und Abbau im Event-Studio an der Weser.

Und wenn er tatsächlich mal Feierabend hat und abschalten könnte, fängt er an zu träumen. Von einer Ape beispielsweise, die er mit einem Sattelauflieger ausstatten könnte. Vorteil: „Der Aufbau könnte viel größer sein als bei einem fest montierten Kasten.“ Und einen weiteren Traum hat Prien: „Ich hätte gerne eine Vignale Gamine, ein Cabrio auf Fiat 500 Basis.“ Ein sehr seltenes Auto, weiß Prien, „aber erst neulich habe ich so ein Ding gesehen“.

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