Entscheidung liegt bei Landrat Mielke

Schneefrei oder doch Unterricht?

Lilienthal·Landkreis. Nach den Frühnachrichten wird es für Schüler und Eltern spannend. Die Radiostationen zählten in den vergangenen Tagen lange Listen mit Schulausfällen in Niedersachsen auf. Ganze Landkreise schlossen aufgrund des Winterwetters ihre allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, gestern etwa in Oldenburg, Emsland, Diepholz oder Delmenhorst. Der Landkreis Osterholz war nicht dabei. Hier gab es zum letzten Mal Anfang des Jahres für die Schüler zusätzliche freie Tage. Morgens um 4 Uhr klingelt bei Landrat Jörg Mielke das Telefon, wenn der Wetterbericht wieder starke Schneefälle oder Glatteis ankündigt. Bei derartigen Prognosen schläft er unruhiger, wartet schon auf den Anruf. Dann erhält Mielke "gebündelte Informationen" von der Verkehrsleitstelle der Kreisstraßenmeisterei und den Busunternehmen, die für die Schülerbeförderung zuständig sind. Diese signalisieren, ob der Schulweg am Morgen sicher oder zu gefährlich wird. Laufend aktualisierte Meldungen des
21.12.2010, 05:00
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Schneefrei oder doch Unterricht?
Von Undine Zeidler

Lilienthal·Landkreis. Nach den Frühnachrichten wird es für Schüler und Eltern spannend. Die Radiostationen zählten in den vergangenen Tagen lange Listen mit Schulausfällen in Niedersachsen auf. Ganze Landkreise schlossen aufgrund des Winterwetters ihre allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, gestern etwa in Oldenburg, Emsland, Diepholz oder Delmenhorst. Der Landkreis Osterholz war nicht dabei. Hier gab es zum letzten Mal Anfang des Jahres für die Schüler zusätzliche freie Tage. Morgens um 4 Uhr klingelt bei Landrat Jörg Mielke das Telefon, wenn der Wetterbericht wieder starke Schneefälle oder Glatteis ankündigt. Bei derartigen Prognosen schläft er unruhiger, wartet schon auf den Anruf. Dann erhält Mielke "gebündelte Informationen" von der Verkehrsleitstelle der Kreisstraßenmeisterei und den Busunternehmen, die für die Schülerbeförderung zuständig sind. Diese signalisieren, ob der Schulweg am Morgen sicher oder zu gefährlich wird. Laufend aktualisierte Meldungen des

Deutschen Wetterdienstes und die kreisweite Einschätzung der Polizei sind darin laut Mielke enthalten. "Wenn ich nicht selber einen ganz anderen Eindruck habe", schließt sich Mielke diesem Expertenrat an und bestimmt offiziell darüber, ob sich die Schüler des Landkreises auf den Schulweg begeben sollen. Die Informationen der Fachleute machen Mielke den Entschluss nach eigenen Worten leicht, aber so betont er: "Es ist keine leichtfertige Entscheidung". Auf der Sicherheit der Kinder liegt das Hauptaugenmerk. Dies müsse er gerecht gegen den Wunsch der Eltern nach möglichst wenig Schulausfall abwägen. Mielke: "Eine Entscheidung von der sie wissen müssen, dass sie es nicht allen recht machen". Wenn es Schneefrei gibt, heißt das nicht, dass die Kinder von berufstätigen Eltern vor verschlossenen Türen stehen. Für eine Betreuung ist in allen Schulen gesorgt. Lehrer haben Anwesenheitspflicht, unabhängig vom Wetter, so der Schulleiter der Ganztagsschule Lilienthal, Jörg Fitzer. "Bei uns bricht

keine Panik aus, es ist hier gut geregelt." Und was versäumten Stoff anlangt, ist für ihn klar: "Die Schüler haben immer Aufgaben für zu Hause." Trotzdem klingle morgens bei wetterbedingtem Schulausfall das Telefon in der Ganztagsschule ununterbrochen. "Viele Eltern sind sich nicht sicher". Die Leiterin der Grundschule Falkenberg, Marthe Blanck, sagt: "Die Eltern wissen, dass jemand da ist." In ihrer Schule erwarten an solch einem Tag ein bis zwei Lehrkräfte die Schüler. Und wenn eine Lehrerin fürs eigene Kind keine Betreuung findet, könne sie es mitbringen. "Da sind wir sehr offen und flexibel." Auf seiner Internetseite schreibt der Landkreis, "dass grundsätzlich die Eltern die letzte Entscheidungshoheit darüber haben, ob sie ihre Kinder bei extremen Witterungsverhältnissen zur Schule schicken", so der Hinweis der Niedersächsischen Landesschulbehörde. "Viel Spaß beim Diskutieren", sagt Fitzer und stimmt dem Gesetzgeber trotzdem zu. "Es muss möglich sein, dass die Eltern entscheiden."

Als Informationsquelle nennt der Kreis die eigene Internetseite (www.landkreis-osterholz.de), die Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen (www.vmz-niedersachsen.de) oder Radiosender.

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