Lilienthal Schneeschieber und Schlitten werden knapp

Lilienthal·Grasberg.Momentan sieht man viele Kinder mit Plastiktüten unter dem Hintern von schneebedeckten Abhängen fahren. Denn Schlitten gibt es nicht mehr. Aufgrund des frühen Winters sind in den Läden aktuell kaum noch Schlitten zu finden - aber auch Schneeschieber und Streusalz sind Mangelware.
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Von Mona Stephan

Lilienthal·Grasberg. Einfach die Plastiktüte unter den Hintern klemmen und ab geht die Post: So sieht man momentan viele Kinder von schneebedeckten Abhängen fahren. Denn Schlitten gibt es nicht. Nicht mehr. Aufgrund des frühen und frostigen Winters sind in den Läden aktuell kaum noch Schlitten zu finden - aber auch Schneeschieber und Streusalz sind Mangelware. Das Szenario aus dem vergangenen Jahr scheint sich zu wiederholen. Nachschub soll frühstens Mitte bis Ende Januar wieder kommen.

Sabine von Salzen vom Eisenwarenladen Schmidt in Grasberg stöhnt. Die anhaltende Kälte und der viele Schnee sorgen auch bei Schmidts für Engpässe und Lücken in den Regalen. "Wir haben nichts dergleichen mehr", sagt sie. Schneeschieber sind schon seit einer Woche aus, und Schlitten haben sie dieses Jahr trotz Bestellung gar nicht bekommen. Das letzte Streusalz-Paket ging vor fünf Tagen über den Verkaufstresen. Auf allen Wegen versuchte das Unternehmen noch Lieferanten aufzutreiben, die Nachschub bringen. Nichts. Die Telefone laufen seitdem heiß, Kunden stürmen den Laden. "Manche vergleichen die Situation mit dem Alltag in der DDR", erzählt von Salzen. Es sei ärgerlich und schade, die Kunden mit traurigen Gesichtern wegschicken zu müssen.

Feste Zusagen für Nachschub gebe es nicht. Mitte bis Ende Januar könne vielleicht nochmal was kommen. "Teilweise produzieren die ja nicht mehr nach." Sabine von Salzen ärgert sich über die Industrie, die ihre Produktionspläne nach den Erfahrungen des vergangenen kalten Winters und mit auftretenden Engpässen besonders bei Schneeschiebern nicht angepasst habe. Produziert wurde wieder nur für einen Durchschnittswinter. Allerdings kann sich von Salzen die große Nachfrage auch nicht so recht erklären, eigentlich müssten die meisten Bürger ja seit 2009 gut eingedeckt sein: "Bei dem festgefrorenen Schnee sind vielleicht einige Kunststoffschneeschieber aufgeplatzt."

Andreas Laubig, Sprecher des Regionalverbundes von Edeka Minden-Hannover, erklärt den schon sehr frühzeitigen Schneeschieber-Engpass: "Der Stiel-Lieferant ist abgebrannt." Deshalb sei die Lieferung eingeschränkt. Das betreffe auch die Aktiv-Märkte in Lilienthal und Worpswede. "Derzeit gibt es in beiden Märkten keine Schneeschieber", sagt Laubig. An der Streusalz-Front jedoch sei es momentan entspannter. "Gerade gibt es einige Eimer voll Streusalz in unseren Märkten."

Auf den Straßen, Rad- und Fußwegen türmt sich der Schnee. Die Bevölkerung ist aufgerufen für sichere Gehwege vor ihren Häusern zu sorgen. Doch vielen fehlt der Schneeschieber - weil er in den Geschäften nicht zu kaufen ist. Auch nicht bei Sopora Sonderposten in Grasberg: "Leider sind unsere Schieber schon alle weg", sagt eine Verkäuferin. Jetzt hoffe man auf schnellen Nachschub.

Und auch Heinz H. Rohdenburg vom Werkmarkt Rohdenburg bestätigt: "Wir haben keine Schneeschieber - und auch kein Streusalz mehr. So gefragt wie dieses Jahr waren die Produkte wirklich noch nie", sagt Rohdenburg, der t nun auf Lieferanten aus Rumänien setzt.

Normalerweise türmen sich im Spielwarenladen Haar viele klassische Holzschlitten. Als beliebte Geschenke werden sie zur Weihnachtszeit und an schneereichen Tagen gekauft. Doch auch hier heißt es derzeit: Fehlanzeige. Dabei war das Unternehmen so gut vorbereitet: "Wir haben die Schlitten schon im Mai bestellt", sagt Günter Haar vom Spielwarenladen in Lilienthal. Der Frühbezug des Unternehmers brachte seinen Kunden zumindest vorübergehend Rodel-Ware. Doch der Winter, diesmal auch fix zur Stelle, sorgte sehr schnell für leere Regale. "Viele Kunden müssen wir jetzt enttäuschen", sagt Haar. Als Alternative bietet er Schneebobs an. "Die sind handlich und gut lenkbar - ich habe sie selbst getestet."

Auch im Spielwarenhandel Dietrich Kück sind Schlitten seit rund einer Woche ausverkauft. "In diesem Jahr bekommen wir keine mehr nach", bedauert Gabi Hohn. Sie erinnert sich noch gut an das vergangene Jahr: "Da hatten wir das gleiche Problem: Es gab keine Schlitten." Als Alternative rät sie zu einer Ufo-Scheibe, auf der man den Berg runterrutschen kann. "Die haben wir noch vorrätig."

Kai Falk vom Handelsverband Deutschland spricht von einer bundesweiten Rodel-Flaute. Schlitten und Schneeschieber seien derzeit in ganz Deutschland nur sehr begrenzt verfügbar, so Falk, und fügt an: "Wir haben nicht in jedem Jahr einen Winter wie diesen." Die Verbraucher richteten sich derzeit auf eine lange Wintersaison ein, die Einzelhändler hingegen orientierten sich beim Bestellen der Winterware immer nach den Bedürfnissen eines Durchschnittswinters. Weil es auch nicht üblich sei, viele Artikel in Lagern zu horten, würden die Bestände halt knapp. Mit Schlittenherstellern seien die Händler aber bereits im Gespräch - damit der Engpass schnell beseitigt werde.

In Internetforen werden derzeit die besten Alternativen zur Überbrückung der Schlitten-Knappheit diskutiert. Die Plastiktüte als Klassiker hat bei Schülern schon seit Jahrzehnten Tradition. Andere Optionen sind das Backblech oder das Bobbycar. Einfach draufsetzen und runter geht?s, heißt es. Auch die Klobrille als Ersatz-Schlitten wird hoch gehandelt.

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