Der letzte grüne Gürtel ist weg / Erste Flocken bringen die Profis nicht aus der Ruhe / Schneeschieber werden knapp

Landkreis Osterholz. Keine Panik, der Winter ist da: Bei den Räumdiensten und in den Krankenhäusern herrschte nach den Schneefällen vorgestern und gestern konzentrierte Gelassenheit. Das OSTERHOLZER KREISBLATT hörte sich um - und erfuhr nur von einem größeren Problem: Schneeschieber scheinen zu einer ähnlichen Mangelware zu werden wie zuletzt die Winterreifen.
04.12.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Brigitte Lange und Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. Keine Panik, der Winter ist da: Bei den Räumdiensten und in den Krankenhäusern herrschte nach den Schneefällen vorgestern und gestern konzentrierte Gelassenheit. Das OSTERHOLZER KREISBLATT hörte sich um - und erfuhr nur von einem größeren Problem: Schneeschieber scheinen zu einer ähnlichen Mangelware zu werden wie zuletzt die Winterreifen.

Den Mitarbeitern der Straßenmeisterei Hagen blieb wenig Zeit zum Verschnaufen: Nachdem sie Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr von ihrer Räum- und Streutour zurückgekommen waren, mussten sie um 20.30 Uhr wieder hinter die Lenkräder ihrer Spezialfahrzeuge und raus auf Landes- und Bundesstraßen, darunter die B74. Es galt, 240 Straßenkilometer vom frisch gefallenen Schnee zu befreien. "Bis 24 Uhr waren wir im Einsatz", berichtet Karlheinz Kleen, Leiter der Straßenmeisterei. Kurze Pause, Streubehälter nachfüllen und um 2 Uhr ging es wieder in die Kälte - Richtung Hambergen, Osterholz-Scharmbeck, Ritterhude, Schwanewede und den südlichen Landkreis Cuxhaven. Gegen 6.30 Uhr waren die Fahrzeuge zurück in der Halle, warteten auf ihre nächste Tour. Gefahren werden sie im Wechsel. Zwei Teams schultern die Arbeitsbelastung.

"Wir sind mit sechs großen Fahrzeugen im Einsatz", sagt Kleen. Zwei davon gehören zum Hagener Fuhrpark, die vier anderen Firmen, die im Auftrag der Straßenmeisterei unterwegs sind. Dabei sind die Streufahrzeuge der Straßenmeisterei mit je einer Person besetzt. "Solange alles normal ist", so Kleen. Bei sehr viel Schnee oder extremen Witterungsbedingungen säßen zwei Mitarbeiter im Wagen. Noch handele es sich um normale Winterbedingungen.

"Bei uns stehen die Mitarbeiter des Bauhofs in Rufbereitschaft", berichtet Herbert Brünjes von der Samtgemeinde Hambergen. Damit die Schulbusse gestern Morgen sicher ihre Ziele erreichen konnten, rückte der Kommunaltraktor samt Salzstreuer um 5 Uhr aus. Bis gegen 11 Uhr waren er sowie alle Bauhofmitarbeiter im Einsatz. Sie sorgten für saubere Fußwege an den Bahnhöfen, vor Schulen, Kindergärten und kommunalen Einrichtungen.

Für die übrigen Wege sind laut Gemeindesatzung die Bürger selbst zuständig. "Unser Hauptaugenmerk muss auf der Räumung der Schulbusstrecken liegen", betont Brünjes. Und dass sie da in diesen Tagen gefordert sein würden, habe sich schon seit Dienstag abgezeichnet: "Wir waren ja quasi der letzte grüne Gürtel in Norddeutschland", sagt er. Bereits Mittwoch liefen deshalb die letzten Vorbereitungen.

Der Bahnverkehr zwischen Bremen und Bremerhaven läuft derweil trotz der ersten Schneefälle dieses Winters weitgehend störungsfrei. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis hat die Protokolle eingesehen und spricht von Verspätungen unter fünf Minuten. Einzige Ausnahme: Ein Frühzug nach Bremerhaven-Lehe musste gestern seine Fahrt schon am Hauptbahnhof Bremerhaven beenden. "Da waren wir in Sachsen oder Schleswig-Holstein ganz anders gefordert", so Meyer-Lovis. Ein Ausblick gleiche Blick in die Kristallkugel. Sicherheitshalber ist Mitte der Woche eine kostenlose Service-Hotline eingerichtet worden, unter der sich insbesondere auch Fernreisende über die winterliche Betriebslage bei der Bahn informieren können: Telefon 08000/996633.

Im Osterholzer Kreiskrankenhaus sind unterdessen am Donnerstag die ersten witterungsbedingten Unfallopfer dieses Winters behandelt worden. "In der Notaufnahme hatten wir bislang zwei gestürzte Fußgänger mit Knochenbrüchen, dazu am Freitagmorgen einen Leichtverletzten nach einem Verkehrsunfall", schildert Krankenhausleiter Klaus Vagt. "Insgesamt nichts Außergewöhliches."

Nach den Beobachtungen des Spital-Managers verhielten sich die Verkehrsteilnehmer sehr umsichtig. Sorge bereite aber der Blick in die Zukunft, denn eigentlich sei Blitzeis die größte Gefahr: Wenn Regen auf tiefgefrorenen Boden trifft und es buchstäblich kein Halten mehr gibt. "Vor ein paar Jahren hatten wir zu Weihnachten eine ganze Station voll", erinnert sich Vagt.

Günter Liebig aus Bargten, der im öffentlichen Auftrag die Bundes- und Landesstraßen räumt, war am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr erstmals mit seinem Fahrzeug unterwegs, von 20 bis 0.30 Uhr erneut und dann von 2.30 Uhr bis gestern Mittag. "Ganz normale Schneeglätte", so die Beobachtung auf den rund 100 Straßen- und 60 Radweg-Kilometern zwischen Blumenthal/Ihlpohl/Nordseite und Pennigbüttel/Neu Sankt Jürgen. "Mal sehen, was am Abend noch kommt; Sonnabendfrüh müssen wir bestimmt wieder los", blickt Liebig voraus.

Währenddessen hat Filialleiter Hartwig Jacobs im Raiffeisen-Markt am Kleinbahnhof ein Problem: Die Schneeschieber sind alle. Jacobs: "Salz und Besen sind noch vorrätig, aber Schieber sind ausverkauft." Eine größere Nachlieferung sei so bald leider auch nicht zu erwarten. Der Grund: Hamsterkäufe. Viele Kunden hätten wohl unter dem Eindruck des vergangenen Winters beizeiten vorgesorgt.

"Wenn es früher im Winter mal kaum Schnee gab, haben wir keine 20 Schieber pro Saison verkauft; zuletzt war es mehr als das Zehnfache", erläutert der Marktleiter. Bei allem Verständnis für den Frust der Kunden, die nun leer ausgehen: Eine derartige Nachfrage-Explosion bringe auch gut sortierte Großhändler in Schwierigkeiten.

Über die Räumpflicht bei Schnee und Eis informiert das Ordnungsamt der Kreisstadt im Internet unter www.osterholz-scharmbeck.de, Menüpunkt Service, Unterrubrik Satzungen. Demnach gilt als Faustregel: Grundstücksanlieger haben die Gehwege vor ihrer Haustür auf einer Breite von 1,50 Metern passierbar zu halten, und zwar werktags von 7 bis 20 Uhr sowie sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr. Bei Glätte ist Sand zu verwenden, Streusalz nur ausnahmsweise. Verstöße können mit bis zu 5000 Euro Geldbuße geahndet werden.

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