drauf Landkreis stellt in Bürgerversammlung Ergebnisse der Messungen auf der K 11 vor

Schnellster hatte 185 Sachen

Waakhausen. Die meisten Fahrer halten sich auf der Kreisstraße 11 zwischen Worpswede und der Einmündung in die Kreisstraße 9, also dem Streckenzug Waakhauser Straße/Viehlander Straße, an die Geschwindigkeitsbeschränkung. Wer aber zu schnell fährt, rast meistens richtig. Dagegen, so die Meinung des Landkreises, würde auch Tempo 70 auf der ganzen Strecke nichts nützen.
15.10.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von johannes kessels

Waakhausen. Die meisten Fahrer halten sich auf der Kreisstraße 11 zwischen Worpswede und der Einmündung in die Kreisstraße 9, also dem Streckenzug Waakhauser Straße/Viehlander Straße, an die Geschwindigkeitsbeschränkung. Wer aber zu schnell fährt, rast meistens richtig. Dagegen, so die Meinung des Landkreises, würde auch Tempo 70 auf der ganzen Strecke nichts nützen.

Nach einigen schweren Unfällen Ende vorigen Jahres hatte Wolfgang Wedelich, der Ortstvorsteher von Waakhausen, in einer Bürgerversammlung gefordert, den ganzen Straßenzug auf 70 Kilometer pro Stunde zu beschränken, wie es jetzt schon auf einem Teilstück gilt. Das war damals von Landrat Jörg Mielke und dem zuständigen Dezernenten Richard Eckermann abgelehnt worden. Die Landkreisvertreter hatten aber zugesichert, auf der K 11 verstärkt die Geschwindigkeit zu kontrollieren.

Das ist inzwischen geschehen, wie Richard Eckermann in einer neuerlichen Bürgerversammlung berichtete, zu der sich ein gutes Dutzend Waakhauser in der Gaststätte Dreyer eingefunden hatte. Der Landkreis hat 18 Mal gemessen, die Polizei drei Mal. 15 Kontrollen fanden in dem Bereich statt, wo 100 gefahren werden darf, sechs im Tempo-70-Bereich. Auf dem Streckenstück, wo 100 Stundenkilometer erlaubt sind, fuhren an einem Mittwochvormittag im März acht Fahrzeuge zu schnell, davon das schnellste mit 143 Stundenkilometern. In einer Nacht vom Sonnabend auf Sonntag im Juni waren vier von 128 Fahrzeugen zu schnell, das schnellste hatte 157 Sachen drauf. Im Tempo-70-Bereich war der Anteil von Geschwindigkeitsüberschreitungen größer, er lag bei 9,5 Prozent. Eckermanns Fazit: 'Die Leute sehen anscheinend nicht ein, warum da Tempo 70 gilt.' Der Bereich, wo 100 gefahren werde, liege deutlich unter dem landkreisweiten Durchschnitt von Geschwindigkeitsüberschreitungen.

85 Prozent nicht schneller als 100

Bei Messungen mit einer Anzeigentafel an der Semkenfahrt kam heraus, dass 85 Prozent der Fahrzeuge nicht schneller als 100 fuhren. Der Rekordhalter kam auf 185 Sachen. Das, so vermutet Jürgen Maurans, der Leiter der Worpsweder Polizeistation, sei wohl als Mutprobe zu werten. Tempo 100 werde offenbar aber akzeptiert, meinte Richard Eckermann.

Die Unfallzahlen stiegen 2009 drastisch an. Hatte es in den Vorjahren einmal sechs, einmal sieben Unfälle gegeben, so waren es im vorigen Jahr 18. 2010 gab es bisher 13 Unfälle, davon sechs im Winter bei Glatteis. Deshalb, so Eckermann, könne man das Jahr 2009 wohl als Ausreißer betrachten. Die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit habe laut Polizei als Unfallursache keine Rolle gespielt, wohl aber in einigen Fällen nicht angepasste Geschwindigkeit. Dieter Grohs, der Vorsitzende der Worpsweder Verkehrswacht, hat an zwei Sonntagen im Mai von neun bis 18 Uhr gezählt, wie viele Fahrradfahrer am Waakhauser Polder die Straße überquerten. Am ersten Sonntag waren es nur zwei, am anderen gleich 50. Das sei wohl eine Eintagsfliege gewesen, vermutet Grohs, da es sich um eine große Gruppe gehandelt habe. Inzwischen hat der Landkreis an der Stelle Hinweisschilder auf kreuzende Radfahrer aufgestellt. Eine generelle Beschränkung auf 70 Kilometer pro Stunde sei nicht zulässig, da sie

nicht zwingend erforderlich sei, so Eckermann. 'Wenn wir da Tempo 70 einführen und blitzen, würden die Autofahrer das als Abzocke empfinden.' Künftig werde auf der gesamten K 11 häufiger kontrolliert. 'Raser sollen wissen: Du bist hier nicht sicher, wenn du hier mit 150 entlangkachelst.'

Ein Problem ist für einen Anwohner, dass Autos, die nach links in die Grundstücke abbiegen wollen, oft im letzten Moment noch überholt würden. Diese Beinahe-Unfälle tauchten in keiner Statistik auf. Jürgen Maurans riet dazu, möglichst früh den Blinker zu setzen und an die Mittellinie zu fahren. Für Fremde sei es nicht zu erkennen, dass Waakhausen bewohnt sei, meint Wolfgang Wedelich, da die Häuser sehr weit von der Straße zurücklägen. Vielleicht sollten Warnschilder aufgestellt werden. Hans Thölken von der Jägerschaft hat beobachtet, dass vor allem Lastwagen zu schnell führen. Die dürften außerhalb geschlossener Ortschaften nur 60 fahren. Er sei mit seinem Wagen aber schon oft hinter großen Sattelzügen hergefahren, die 90 Sachen draufgehabt hätten. Darum wird der Landkreis sich kümmern, sicherte Landrat Jörg Mielke zu, und der Radarwagen werde künftig häufiger seinen Standort wechseln. Aber ganz im Geheimen wird auch künftig nicht geblitzt, erklärte Richard Eckermann: 'Die Leute

sollen wissen, dass wir auch den Tempo-100-Bereich auf dem Kieker haben.' Aber eine Reduzierung auf 70 Stundenkilometer würde das Linksabbiegen nicht vereinfachen.

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