Worpsweder Feuerwehren Schnupperdienst ohne Brandgeruch

Einen akuten Notstand gibt es in der Gemeinde Worpswede nicht, aber die Freiwillige Feuerwehr arbeitet auch bei der Mitgliederwerbung lieber präventiv und startet ungewöhnliche Aktionen.
30.03.2018, 17:41
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken

Worpswede. Geboten werden: keine Bezahlung, ungünstige Arbeitszeiten und viel Einsatz. Die andere Seite der Waagschale aber kann die Freiwillige Feuerwehr mit Super-Kameradschaft, Teamgeist, vielseitiger Einsatz- und Aufgabenstellung im Bereich Technik, Kommunikation oder Verwaltung und dem guten Gefühl, helfen zu können, mehr als reichlich befüllen. So formulieren Gemeindebrandmeister Timo Kück und Andreas Warnken, Mitglied der Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung bei der Freiwilligen Feuerwehr Worpswede, ihren Benefit, den sie von ihrer ehrenamtlich geleisteten Arbeit mitnehmen. „Es ist ein gutes Gefühl aufgrund unserer Ausbildung zu wissen, das Richtige tun zu können“, darin sind sie sich einig. Und dieses Gefühl stellt sich bei Kück nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Einsatz immer wieder aufs Neue ein.

Einen akuten Notstand gibt es in der Gemeinde Worpswede nicht, aber die Freiwillige Feuerwehr arbeitet auch bei der Mitgliederwerbung lieber präventiv, das machen Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke und die beiden Mitglieder der Feuerwehr Worpswede deutlich. Um auch in Zukunft Brandschutz und Hilfeleistungen in der Gemeinde garantieren zu können, wollen sie mit gezielten Aktionen jetzt auf sich aufmerksam machen und um neue Mitglieder werben. Am Sonnabend, 14. April, ab 11 Uhr und am Mittwoch, 18. April, ab 19 Uhr veranstalten zeitgleich alle sieben Worpsweder Ortswehren „Schnupperdienste“ für Männer und Frauen ab 16 Jahren. Eine Anmeldung, so Timo Kück und Andreas Warnken, sei nicht nötig. Schnuppern bedeutet hier aber nicht nur trockene Theorie, sondern auch mit Hand anzulegen. Der demographische Wandel, das Berufspendlertum, vielfältige Freizeitangebote, aber auch Unverständnis für das Ehrenamt machen der Freiwilligen Feuerwehr zu schaffen. Die Aktionen wenden sich daher im Besonderen an Quereinsteiger, die nicht über Kinder- und Jugendfeuerwehr in der Wehr groß wurden.

Sehr anschaulich, darum auch sehr eindrucksvoll ist die am Mittwoch, 4. April, ab 19 Uhr auf dem Parkplatz des Worpsweder Edeka-Markts geplante öffentliche Einsatzübung „Verkehrsunfall“. Auch hier haben Interessierte Gelegenheit, anzufassen. Am Sonnabend, 7. April, ab 11 Uhr folgt bei der Feuerwehr in Neu St. Jürgen mit einem „Wohnungsbrand“ eine weitere öffentliche Einsatzübung, die die Brandschutzaufgaben der Freiwilligen Feuerwehren thematisiert. „Pack dein Handy weg und pack mit an“, kann es auch hier heißen.

„Zu Berufswehren besteht eigentlich kein Unterschied“, sagt Stefan Schwenke. Denn Ausstattung und Ausbildung sind so gut wie identisch. „Einziger Unterschied ist, dass wir alles freiwillig machen“, entgegnet Gemeindebrandmeister Timo Kück. Freiwillig nehmen die Kameraden an Sanitätsausbildungen, Lehrgängen für Atemschutzbeauftragte oder Sprechfunklehrgängen teil. Freiwillig opfern 230 Mitglieder der sieben Worpsweder Ortswehren ihre Freizeit, um zu retten, löschen, bergen und zu schützen. Denn Brandschutz in Deutschland wird überwiegend durch freiwillige Feuerwehren geleistet. Nur 100 von 2.000 bundesdeutschen Städten besitzen eine Berufsfeuerwehr. Auch Worpswedes Brandschutz liegt ausschließlich in den Händen der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. „Die Kameraden leiden alle am Helfersyndrom“, sagt Bürgermeister Schwenke augenzwinkernd.

Besondere Voraussetzungen für den Dienst in Feuerwehr müsse man nicht mitbringen, so Andreas Warnken. Nur fit müsse man sein: „Die Feuerwehr braucht alle.“ Jedem sei es freigestellt, in welchem Bereich er arbeiten möchte, sagt Gemeindebrandmeister Kück. Immer sei es aber ein Gewinn für den Einzelnen, könnten junge Leute hier doch erste Qualifikationen für ihre berufliche Zukunft erwerben und sich in Gemeinschaft und Teamgeist üben. Die Anforderung in der Freiwilligen Feuerwehr seien sehr vielfältig und reichen von Demokratieverständnis bis hin zum Erwerb technischer Fähigkeiten. „Ich kann auf den ersten Blick feststellen, wer ehrenamtlich arbeitet“, sagt Kück. Sie seien weiter als ihre Altersgenossen, so seine Erfahrung. Denn Mitarbeiten, Mitdenken, Führungsqualitäten entwickeln und Verantwortung übernehmen sind wichtige Kriterien im Feuerwehralltag. Dazu gehört die Erkenntnis „Ohne Team geht nichts“, fügt Andreas Warnken hinzu. Und es gäbe ein wahnsinnig buntes Aufgabenfeld innerhalb der Feuerwehr, so Warnken. „Mir fällt kein anderes Hobby ein, das das alles bietet.“

Ab Ostern verteilen alle Ortswehren 500 feuerrote „Haushaltslöschkübel“ mit Spaßanleitung zum Löschen von Bränden, um mit den Worpswedern ins Gespräch zu kommen. Trotz des ernsten Hintergrunds wollen sie auf diese Weise sympathisch auf sich aufmerksam machen.

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