Juniorwahl zur Bundestagswahl

Schüler geben ihre Stimme ab

Landkreis Osterholz. In Niedersachsen machen 447 weiterführende Schulen bei der Juniorwahl 2013 mit, darunter das Gymnasium Lilienthal, sieben weitere Schulen im Kreis Osterholz und die KGS Tarmstedt.
20.09.2013, 07:50
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Von SIEGFRIED DEISMANN, LUTZ RODE,
Schüler geben ihre Stimme ab

An der Kooperativen Gesamtschule Hambergen wurde gestern der Sozialraum zu einem Wahllokal umfunktioniert. 130 Schüler waren aufgerufen, auf klassische Art in Papierform ihre Stimme zur Juniorwahl abzugeben. Andere Schulen setzten den Computer ein. VDO·FOTOS: PETER VON DÖLLEN

Peter von Döllen

Mehr als 500.000 Schüler beteiligen sich bundesweit an der Juniorwahl 2013 zur Bundestagswahl am Sonntag, 22. September. In Niedersachsen machen 447 weiterführende Schulen mit, darunter das Gymnasium Lilienthal, sieben weitere Schulen im Kreis Osterholz und die KGS Tarmstedt. Wie sich die Schulen auf das Projekt zur politischen Bildung vorbereitet haben, wie Lehrer und Schüler das Angebot finden und was damit bezweckt wird, haben wir in den Schulen erkundet.

David Schlösser ist 19 Jahre alt und besucht den zwölften Jahrgang des Gymnasiums Lilienthal. Gestern hörte im Forum, wo die Juniorwahl stattfand, alles auf sein Kommando. Mit dem Wählen hat David schon Erfahrung, durfte er doch bereits bei der Landtagswahl im Januar zum ersten Mal an die Urne. Vielleicht war es ja dieser Erfahrungsvorsprung, der ihm jetzt das Vertrauen seiner Altersgenossen einbrachte.

Schlösser wurde zum Wahlleiter gewählt und führte gestern die Aufsicht über die fiktive Bundestagswahl, an der sich am Gymnasium rund 600 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge neun bis zwölf beteiligten. Ähnlich wie zeitgleich an Hunderten anderer niedersächsischer Schulen wie etwa an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Tarmstedt, wo circa 350 Schülerinnen und Schüler an die Urnen gerufen wurden.

Wie ist das mit der Erst- und Zweitstimme, welche Partei steht für welche Ziele – das sind nur einige der Fragen, um die es zuletzt auch im Unterricht immer wieder ging, so berichtet Lehrerin Antje Schloen, die die Juniorwahlen koordinierend für den Fachbereich Politik/Wirtschaft begleitet. Sie hat die Unterrichts- und Wahlunterlagen der Bundeszentrale für politische Bildung besorgt und darauf geachtet, dass alle beteiligten Lehrer eine Unterrichtseinheit zum Thema Wahl anboten. Auch wenn die Juniorwahl nicht in die offizielle Auszählung für das Berliner Endergebnis einfließt, soll sie doch so realitätsnah wie möglich sein.

Bei den Schülern scheint das anzukommen. Gestern Vormittag bildeten sich im zum Wahllokal umfunktionierten Forum zum Teil lange Schlangen vor dem Tisch, an dem die Wahlzettel ausgegeben wurden. Schichtweise saßen dort Schüler-Teams, um die drei Tage zuvor verteilten Wahlbenachrichtigungskarten ihrer Mitschüler entgegenzunehmen und mit den Einträgen im Wählerverzeichnis zu vergleichen. Mit dem hellblauen Wahlzettel ging es dann in eine der beiden auf der Bühne bereitstehenden Wahlkabinen. Während sich einige Schüler Zeit nahmen für die Kreuze auf dem Stimmzettel, füllten andere den Zettel sehr zielstrebig aus.

Eingehende Vorbereitung

Durch die eingehende Vorbereitung und vor allem die Wahl als Abschluss scheinen sich viele Schüler sehr viel intensiver mit den Wahlprogrammen der Parteien zu beschäftigen als sie es wohl getan hätten, wenn das Thema im Unterricht mehr oder weniger abstrakt behandelt worden wäre. Das bestätigen Antje Schloen und David Schlösser. An der KGS Tarmstedt, daran erinnert Politiklehrerin Deike Striez, hatte man vor Wochen zudem zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, bei der die Schüler den Direktkandidaten ganz persönlich auf den Zahn fühlen konnten. Auch dabei entstanden Eindrücke, die jetzt in der Wahlkabine noch einmal überdacht sein wollten. Der Wahlausgang bleibt für Außenstehende bis Sonntagabend geheim: Frühestens nach Schließung der Wahllokale, endgültig aber erst am Montag wird im Internet nachzulesen sein, wie die Schulen im Land abgestimmt haben.

Auch die Berufsbildenden Schulen Osterholz (BBS) beteiligen sich an der Juniorwahl. Neben der Kampagne „Erste Wahl“, deren Plakate es bis in die Osterholz-Scharmbecker Kinowerbung geschafft haben, hat Politiklehrer Jürgen Grimm 35 BBS-Klassen zur Juniorwahl angemeldet. Bis heute Mittag kann noch gewählt werden. Grimms zentrales Anliegen ist die Wahlmüdigkeit: „Im Januar hatten wir fast 700 Wähler; das wollen wir dieses Mal nach Möglichkeit noch toppen.“

Mit dabei ist auch das Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck. Rund 200 Schüler der Jahrgänge neun und elf machen mit. Sie haben sich im Politikunterricht mit dem Thema beschäftigt und die Juniorwahl realitätsnah vorbereitet, wie die Lehrerin Edeltraud Abeln berichtet. Die Jugendlichen bestimmten Wahlhelfer, legten Wählerverzeichnisse an und verschickten Wahlbenachrichtigungen – ganz so, wie es bei der echten Bundestagswahl abläuft. Auch an den Berufsbildenden Schulen kommt diese praxisnahe Art des Unterrichts bei den Schülern gut an: Durch den Bezug zu lokalen Kandidaten und Themen seien die Schüler motivierter, sich mit dem ansonsten als trocken oder langweilig empfundenen Thema auseinanderzusetzen, hat auch Abeln beobachtet.

Zwei Schüler aus dem Leistungskurs Politik leiten mit Edeltraud Abeln das Projekt „Juniorwahl“ am Gymnasium. Sie haben auch die Wahlleitung übernommen. Gestern wurden die Stimmen ausgezählt, am heutigen Freitag sollen die Ergebnisse in Diagrammen, Statistiken und mit Fotos aufbereitet werden. Wie die Schüler des Osterholzer Gymnasiums gewählt haben, wird entsprechend den Vorgaben erst am Montag in der Schule veröffentlicht, ebenso wie in Tarmstedt und Lilienthal.

Im Lilienthaler Gymnasium wird Wahlleiter David Schlösser am Montag das Ergebnis bekannt geben, das bis dahin nur er und seine Schriftführerin Neele Schulken kennen. Und dann wird sich auch zeigen, ob er mit seiner Prognose einer hohen Wahlbeteiligung richtig lag.

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