250 Jahre Ostersode Schuften für den Traum vom eigenen Land

Worpswede-Ostersode . Man schrieb das Jahr 1760. Die königlich-hannoversche Regierung tat ihren Untertanen kund, dass in der Einöde der Teufelsmoorniederung ein weiteres Dorf entstehen sollte: Ostersode. Eine Chronik zeichnet die Entwicklung des Dorfes nach.
26.08.2010, 18:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede-Ostersode . Man schrieb das Jahr 1760. Die königlich-hannoversche Regierung tat ihren Untertanen kund, dass in der Einöde der Teufelsmoorniederung ein weiteres Dorf entstehen sollte: Ostersode. 1753 waren die Moordörfer Wörpedorf und Neu Sankt Jürgen angelegt worden, seit 1756 rackerten sich in Heudorf die ersten Siedler ab. Ostersode war die nächste Ortschaft auf dem Plan des Königlichen Moorkommissars Jürgen Christian Findorff. 250 Jahre Ostersode - eine Chronik zeichnet die Entwicklung des Dorfes nach.

Drei Tage feiert das Dorf sein 250-jähriges Bestehen. Das beginnt heute, am Freitag, 27. August, um 19 Uhr mit einem Kommersabend mit Jürgen Ludwigs; am Sonnabend folgen der bunte Nachmittag und der Festball. Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst. Der Höhepunkt folgt zwei Stunden später: Um 12.30 Uhr formiert sich auf der Wiese an der Ostersoder Straße gegenüber vom Haus Nummer 24 ein malerischer Festumzug mit Männern und Frauen in alten Trachten und Pferdegespannen. Die Karawane zieht durch alle drei Ortsteile: Ostersode, Meinershagen und Nordsode.

Die ersten Siedler sahen trostlosere Bilder. Sie standen in der düsteren sumpfigen Weite der Niederung und mussten mit hölzernen Spaten Graben um Graben ausheben, damit das Wasser aus dem morastigen Grund abfloss. Sie hausten in Katen auf engstem Raum mit dem wenigen Vieh, das sie hatten. Die ersten Siedler waren fast alle Häuslinge aus den Geestdörfern Breddorf, Tarmstedt oder Hepstedt, Knechte und Tagelöhner ohne Besitz. Der Traum vom eigenen Stück Land trieb sie ins Moor.

Jeder Kolonist erhielt 45 Morgen

'Jeder Kolonist in Ostersode erhielt 45 Morgen zugeteilt. 25 solcher Plätze waren abgeteilt, Gräben trennten die benachbarten Grundstücke voneinander', notierte der erste Ostersoder Chronist, Dorflehrer Mansholt, 1906 in seiner Schulchronik. Torfstich und Ackerbau: Die Siedler schufteten für ihr karges täglich Brot. Den Torf transportierten sie mit schwarz geteerten Kähnen in neblig-nassen Herbstmonaten auf dem Wasserweg zum Verkauf nach Bremen. Handwerker oder Kaufleute gab es damals nicht in Ostersode. Jeder Moorbauer war sein eigener Handwerker, Zimmerer, Tischler und Maurer , wie der Dorflehrer konstatierte. Erst 1886 baute der Gastwirt Johann Rugen eine Schmiede.

Der Erste Weltkrieg änderte das harte, aber beschauliche Leben schlagartig. Die wehrfähigen Männer wurden an die Fronten beordert. Grab- und Gedenksteine erinnern an die Todesopfer des blutigen Krieges. Die Inflation der 20er Jahre führte zu dem absurden Ergebnis, dass auch inOstersode Billionenscheine fürs tägliche Brot zu zahlen waren. Im Frühjahr 1929 wurden die drei bis dahin selbstständigen Gemeinden Ostersode, Nordsode und Meinershagen auf behördliche Anordnung zur Gemeinde Ostersode vereint.

1937 wurden der Gemeinde Hamberger und Wallhöfener Flurstücke zugeschlagen - fortan gehörte die Mühle zum Dorf. Der Zweite Weltkrieg riss alle wehrfähigen Männer aus ihren Familien; mehr als 20 Väter und Söhne kehrten nie mehr zurück; sie gehören zu den Millionen Toten und Vermissten des großen Krieges. Das Naziregime richtete in der ehemaligen Molkerei ein Lager für 30 russische Kriegsgefangene ein. Sie leisteten beim Ausbau der heutigen Landesstraße 165 Schwerstarbeit. Als das Kriegsende nahte, strömten Flüchtlinge aus dem Osten nach Ostersode; der Gemeindevorsteher wies sie den Hofstellen zu; in fast jedem Haus und öffentlichen Gebäuden wurden die Heimatlosen einquartiert.

Die Ostersoder teilten die Not der Nachkriegsjahre; mit dem Moorexpress kamen Bremer, um zu hamstern; sie tauschten ihr Hab und Gut gegen Essbares ein. In den 50erJahren verlor der Torfabbau rapide an Bedeutung; die Landwirtschaft blieb Ostersodes Rückgrat. Das änderte sich in den Jahrzehnten danach. Die jüngeren Männer zog es in den Tiefbau und die Hafenwirtschaft, immer mehr Höfe gaben die Milchproduktion auf. Mühle und Molkerei schlossen. Mit der Schließung der Schule verlor der Ort 1979 wieder ein Stück Leben. Das ging Zug um Zug weiter. Die Lebensmittelhändler gaben auf, Bahnhof, Post, Gasthof und Bäckerei bedienten auch keine Kunden mehr. Erst das Dorferneuerungsprogramm brachte Impulse. Seit 2001 gehört Ostersode mit neun anderen Orten zum Dorferneuerungsverbund Teufelsmoor.

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