Besuch beim Staatssekretär Enak Ferlemann

'Seitenwechsel' ohne Probleme absolviert

Berlin·Landkreis. Enak Ferlemann, viele Jahre als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Osterholz/Cuxhaven zuständig, fühlt sich in seiner neuen Rolle als Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung anscheinend äußerst wohl.
29.05.2010, 07:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus-Dieter Pfaff
'Seitenwechsel' ohne Probleme absolviert

Ein Staatssekretär und sein persönlicher Referent: Enak Ferlemann (l) und Dr. Wolf-Rüdiger Biernert

Klaus-Dieter Pfaff

Berlin·Landkreis. Es ist Mittwoch. Die Uhr im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zeigt 13 Uhr. Auf der Tagesordnung steht nach einer heftigen Finanzdebatte am Vormittag eine Aktuelle Stunde. Anton Hofreiter von Bündnis 90/Die Grüne möchte etwas über die Haftung des Bundes in einer Aufsichtsratsfrage wissen. Wenig später verlangt sein Fraktionskollege Friedrich Ostendorf Auskunft über die gesetzliche Auslegung des Baugesetzbuches zum Thema Biomasse im Außenbereich, und um 14.22 Uhr dreht sich die parlamentarische Neugier eines Abgeordneten um das noch aktuelle Thema Flugasche.

Die Antworten sind relativ kurz, dafür aber präzise. Es ist Enak Ferlemann, der seinen Kollegen im Plenum von den Regierungsbänken aus ruhig, sachlich und kompetent Auskunft gibt. Bis zur jüngsten Bundestagswahl gehörte auch er noch zu den Fragestellern, doch das ist Vergangenheit. Er hat inzwischen die Seiten gewechselt: Der Mann aus Cuxhaven, der viele Jahre als Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Osterholz/Cuxhaven zuständig war, ist die politische Karriereleiter nach der jüngsten Bundestagswahl ein gutes Stück nach oben geklettert. Peter Ramsauer hat Enak Ferlemann, bisher bereits Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, zum parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gemacht.

Und genau dort fühlt sich der 46 Jahre alte Christdemokrat ausgesprochen wohl, wie er uns bei unserem Besuch im Bundestag und im Ministerium an der Berliner Invalidenstraße 44 durchaus glaubhaft versichert. Sein Aufgabenbereich hat sich mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Wasserstraßen, Eisenbahnen sowie Bau- und Planungsrecht erheblich erweitert allerdings - seine tägliche Arbeitszeit auch. 'Wissen Sie, wenn ich früher zu einer Veranstaltung in Berlin oder anderswo gegangen bin, dann konnte ich mich ausschließlich aufs Zuhören beschränken - wenn ich heute für 20 Uhr oder später irgendwo eingeladen bin, dann erwartet man von mir eine geschliffene Rede', erzählt er bei einer Tasse Kaffee in seinem geräumigen Bürotrakt. Und schmunzelnd fügt er hinzu: 'Sobald ich etwas Unbedachtes von mir gebe, steht das am nächsten Tag garantiert in den Zeitungen und wird natürlich auch entsprechend kommentiert.'

Auf die Frage, was sich für Ferlemann mit dem parlamentarischen 'Seitenwechsel' verändert hat, muss der Staatssekretär nicht lange überlegen: 'Als Mitglied der Regierung kann man sehr viel mehr gestalten, entscheiden und bewegen. Allerdings, und das sollte nicht unterschätzt werden, hat man auch sehr viel mehr Verantwortung, denn wenn ich in meiner Funktion etwas sage und entscheide, dann hat das Gewicht. Das wird dann auch umgesetzt. Und da kommt man manchmal schon ins Grübeln.' So sind es inzwischen lange Tage geworden, die Ferlemann in Berlin absolviert. 'Ich bin morgens sehr zeitig im Büro, und das verlasse ich abends meistens erst sehr spät. Es sei dann, ich bin unterwegs', skizziert der Ministervertreter, der im Ministerium auch über ein eigenes Schlaf- und Badezimmer verfügt. 'Da ich in Berlin aber immer schon eine Wohnung hatte, nutze ich diese Übernachtungsmöglichkeit nicht.' An den dienstfreien Wochenenden bemüht sich der Cuxhavener dann um die Probleme und Themen in seinem

Wahlkreis, der die Bereiche Cuxhaven und Stade umfasst. Und natürlich ist da auch seine Familie, der er sich eigentlich sehr viel mehr widmen möchte. Ferlemann ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Vertreter des Ministers

Doch zurück nach Berlin, wo er seit 2002 über ein Mandat verfügt. Für Minister Ramsauer arbeiten insgesamt fünf Staatssekretäre. Neben Ferlemann gibt es mit Andreas Scheuer und Jan Mücke zwei weitere parlamentarische Staatssekretäre. Und dann sind da noch Klaus-Dieter Scheurle und Rainer Bomba als beamtete Staatssekretäre, die im Ministerium ihre Arbeit leisten. Zu den Aufgaben eines Staatssekretärs gehört auch seine Präsenz im jeweiligen Ausschuss des Deutschen Bundestages, denn dort erscheint der Minister höchst selten. 'Hier vertreten meine Kollegen und ich den Chef eigentlich regelmäßig. Das gilt selbstverständlich auch für zahlreiche andere Termine, die es in der Republik so gibt', sagt Ferlemann, der im Übrigen auch noch ein Büro in Bonn hat, weil das Ministerium mit einer Filiale in der ehemaligen Hauptstadt geblieben ist. 'Um möglichst effektiv zu arbeiten, haben wir die einzelnen Aufgabenbereiche unter uns aufgeteilt.' Er ist für die Bereiche Schifffahrt, Wasserstraßen, Eisenbahnen und Bau- und Planungsrecht zuständig.

Sein Terminkalender ist voll - auch an diesem Mittwoch. Doch obwohl sein persönlicher Referent Wolf-Rüdiger Biernert, der für Ferlemann nach eigener Aussage 'ein Glücksfall' ist, immer häufiger auf seine Armbanduhr sieht, nimmt sich Enak Ferlemann Zeit, um die Fragen umfassend zu beantworten. 'Mein Persönlicher ist nicht nur ein erstklassiger und versierter Jurist, sondern er kommt aus dem Stader Bereich und kennt somit natürlich auch Land und Leute in meinem Wahlkreis. Das ist eine Klasse-Voraussetzung', freut sich der Bundespolitiker, auf den im angrenzenden Konferenzraum bereits seit geraumer Zeit eine Delegation aus Wittingen wartet. Der Grund: Wittingen soll eine Entlastungsstraße bekommen, und dabei hofft man auf die maßgebliche Unterstützung Ferlemanns. Dieser hatte sich gut vorbereitet und verweist darauf, dass es im Juni eine Abstimmung mit dem Land Niedersachsen gebe. 'Dann müssen wir weitersehen', gibt er den Besuchern mit auf den Weg.

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