In Garlstedt ließen sich Sportstudenten für den Kalender 'Semesterakte' nackt hoch zu Ross fotografieren 'Shooting' in Reithalle - ein besonderer Akt

Von Peter von Döllen
12.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Landkreis Osterholz. Dick und warm verpackt steht Sonja Stender in der Reithalle in Garlstedt. Die Finger umklammern einen Becher heißen Kaffee. Jeder Atemzug hinterlässt eine kleine Wolke, die sich vor dem Scheinwerferlicht aus dem Hintergrund abhebt. Wenige Minuten vorher saß die Sportstudentin noch auf einem Pferd - splitterfasernackt ließ sie sich fotografieren. 'Es war ein bisschen kalt', kommentiert die 21-Jährige das ungewöhnliche Fotoshooting. Aber für den guten Zweck hat Sonja Stender das gerne auf sich genommen.

Die Aufnahmen sind für den Kunstkalender 'Semesterakte' vorgesehen. Der Erlös sei wieder für ein Naturschutzprojekt bestimmt, sagt Fotografin Sonja Inselmann. Auch sollen Studenten davon profitieren. 'Beim ersten Kalender vor sechs Jahren wollten wir auf Bildungsmissstände aufmerksam machen', erinnert sich Nicolas Hussain, der sich nach einigen Jahren ein weiteres Mal ablichten lässt. Das Motto damals: 'Für gute Bildung geben wir unser letztes Hemd.' Laut Inselmann wurden mit den Geldern etwa die Bibliothek der Universität Bremen verbessert, ein Dozent an der Universität Kiel beschafft oder 27 Hektar Regenwald in Borneo aufgeforstet.

Während Hussain sich mit seinem Pferd vertraut macht, begutachtet Sonja Stender die Fotos. An die 30 Aufnahmen sind es geworden. Die Fotografin aus Grasberg nimmt es genau. Schon vor Jahren hat sie sich auf Aktfotografie spezialisiert.

Sie weiß, worauf es ankommt und achtet auf jeden kleinen Lichtreflex auf den Körpern der jungen Modelle. Alles soll perfekt sein. Das ist nicht so einfach. Gerade die Aufnahmen mit Pferden sind ein wenig unberechenbar. Die Fotokünstlerin muss exakt den richtigen Moment für die Auslösung erwischen. Bruchteile von Sekunden können da schon den Erfolg vereiteln.

Eine neue Erfahrung

Mit Schmuddelfotos hat die Sache nichts zu tun, betonen alle Beteiligten. Vielmehr geht es um eine ästhetische Darstellung schöner Körper. Die haben Sportstudenten allgemein, lobt Inselmann. 'Sie gehen auch sehr offen mit der Nacktheit um.' Die Fotografin kennt die anfängliche Scham von vielen Modellen und hat gelernt, diese abzubauen. 'Das geht hier sehr kumpelhaft zu', bestätigt Hussain. Sonja Stender pflichtet ihm bei: 'Es ist alles sehr entspannt.'

Beide hätten aber ohnehin kein Problem mit den Aufnahmen gehabt. 'Ich habe die Chance genutzt. Ich wollte das machen', sagt Stender. Wenn man jung und dynamisch ist, sei man später vermutlich froh, solche Fotos von sich zu haben.

Die Sportstudentin ist begeisterte Reiterin. Nackt auf einem Pferd zu sitzen sei eine neue Erfahrung, sagt sie. Auch für die wenigen Zuschauer in der Reithalle ist der Fototermin eine neue Erfahrung.

Sherazade Haban ist begeistert von den ersten Fotos. 'Ich würde als Modell aber nicht mitmachen', gesteht sie. Doch die Aktaufnahmen wecken Interesse, vermutet sie. Genau der richtige Impuls, um auf eine wichtige Sache aufmerksam zu machen. Die junge Westernreiterin aus Heilshorn hat ihr Pferd für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt und fungiert als Beraterin. Schließlich sollen die Fotos ja authentisch wirken. Nicolas Hussain sitzt inzwischen nackt im Sattel, ein zünftiger Hut ziert seinen Kopf. Immer wieder löst Fotografin Inselmann aus.

'Die Schulter müsste lockerer sein', wirft Haban ein. Kein Westernreiter würde sie so halten. Ein kleiner Konflikt. Der Fotografin gefällt die Lichtmodulation auf dem Oberkörper mit angespannter Muskulatur besser. Die Entscheidung wird erst am Computer fallen.

Mit dem 'Shooting' in Garlstedt sind die Aufnahmen abgeschlossen. Die übrigen Bilder entstanden in der neuen Sporthalle in Grasberg und im Schwimmbad in Worpswede. Der Kalender ist inzwischen ein beliebtes Sammlerobjekt, das bereits Aufmerksamkeit in den Medien fand.

Waren bisher immer Sportstudenten einer Universität beteiligt, ist es dieses Jahr ein 'Gemeinschaftsprojekt' aller. Für jeden Monat zeigt der Kalender jeweils einen weiblichen und einen männlichen Akt. Voraussichtlich ab 14. Dezember wird er erhältlich sein. Bis dahin können sich Interessierte im Internet (www.inselmann-kalender.de) einen Eindruck verschaffen und den Kalender dort gleich vorbestellen.

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