Integrierte Gesamtschule in Grasberg erhält ersten Sozialpreis für Kennenlern-Projekt mit Willkommensklassen

„Sie haben den Nerv getroffen“

Grasberg. Anfangs hockten sie in den Pausen zusammen und überlegten. Dann wurde die „Interaction-AG“ daraus.
08.09.2016, 00:00
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„Sie haben den Nerv getroffen“
Von Undine Zeidler

Grasberg. Anfangs hockten sie in den Pausen zusammen und überlegten. Dann wurde die „Interaction-AG“ daraus. Später erhielten sechs Jugendliche von der IGS (Integrierten Gesamtschule) Lilienthal, Außenstelle Grasberg, den Sozialpreis der Schule. Der Schulförderverein hatte diesen im vergangenen Schuljahr erstmals ausgelobt, so Schulleiterin Karina Kögel-Renken, „um das soziale Miteinander in der Schule positiv zu befördern“. Das ist den jungen Leuten gelungen. An zwei Tagen pro Woche lernten sie mit Gleichaltrigen aus Syrien, Afghanistan oder Albanien gemeinsam in der Klasse. Allerdings blieb im Unterricht wenig Raum, um mit den jungen Flüchtlingen in Kontakt zu kommen. Also begannen sie zu planen, denn: „Wir wollten uns besser kennenlernen“, begründet Jette Voigt. Lehrer und Aktive des Alten Amtsgerichts Lilienthal halfen ihnen. Daraus folgten Spiele-Treffen und gemeinsames Kochen.

„In der Stunde kann man nicht persönlich reden und in den Pausen sind sie lieber bei jemanden, der ihre Sprache spricht“, beschreibt Jette Voigt das Nebeneinander der Kulturen und kann es verstehen. Schließlich ist eine normale Unterrichtsstunden für jemanden, der wenig Deutsch spricht, sehr anstrengend. Aber sie wollten trotzdem mit den Gleichaltrigen reden. Also gingen sie mit Plakaten und vielen Bildern in den Händen in die drei Willkommensklassen der IGS. Rund 50 Schüler lernten derzeit dort Deutsch, sagt die Schulleiterin.

Ihnen stellten Jette Voigt, Menco Erkek, Sofie Bob, Thees Böttjer, Cedric Behrens und Joschua Helvogt ihre Arbeitsgemeinschaft und das Kennenlern-Projekt vor und luden sie zu einem ersten Treffen in das Alte Amtsgericht ein. Weil Jette Voigt den Jugendtreff selber gut kennt, hatte sie dort nachgefragt, ob sie die Räume nutzen dürfe. Es sollte ein anderer Rahmen als der der Schule sein, das war ihnen wichtig. Außerdem könne man im Alten Amtsgericht gut kochen.

Karina Kögel-Renken lobt ihre Schüler: „Sie waren wirklich sehr hartnäckig in der Umsetzung.“ Sie freut sich: „Sie haben den Nerv getroffen, alle wollten mitmachen.“ Mehr, als die sechs Jugendlichen gedacht hatten: Zehn Willkommens-Schüler hatten sie für das erste Treffen ausgewählt. „Damit wir uns auch gut kennenlernen konnten.“ Die sechs staunten nicht schlecht, als dann fast 30 Teenager ins Alte Amtsgericht kamen. Sie hatten Freunde und Geschwister mitgebracht. Jette Voigt sagt lächelnd: „Irgendwie waren wir aber auch ein bisschen glücklich.“

Drei Treffen organisierten sie so vor den Ferien. Ihr Fazit, die Lieblingsgerichte sind überall gleich. Pizza, Pfannkuchen und Waffeln kamen gut an. Und sie lernten, darauf Rücksicht zu nehmen, dass nicht alle ihrer Gäste während des Ramadans am Tag essen wollten. Aber einer der Jungen habe begeistert gemeint: „Heute mache ich mal eine Ausnahme“, erzählt Thees Böttjer.

Das preisgekrönte Projekt soll weitergehen. Doch jetzt besuchen sie die neunte Klasse, ihr Pensum ist mehr geworden und die Unterrichtstage sind länger. Sie suchen deshalb Nachfolger und haben bei der Dienstbesprechung der Lehrer aus den achten Klassen schon dafür geworben, erzählt Jette Voigt. Und natürlich wollen sie die Neuen anfangs unterstützen. Karina Kögel-Renken lobt die Sozialpreisträger. „Ich bin total stolz, dass ich solche engagierten Schüler habe.“ Und die Vernetzung mit dem Alten Amtsgericht sei das „i-Tüpfelchen“. Nicht nur die Schüler hatten da angefragt, die Schulleitung hatte es parallel getan.

„Alle wollten mitmachen.“ Karina Kögel-Renken, Schulleiterin
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