Raus aus dem Klassenzimmer

Siebtklässler entkusseln das Moor

Birken und Kiefern sind durstige Gesellen. Machen sie sich in Mooren breit, drohen sie sie auszutrocknen. In Hambergens Mooren rücken Nabu und Siebtklässler diesen Bäumen regelmäßig zu Leibe.
24.01.2018, 18:04
Lesedauer: 2 Min
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Von Monika Fricke
Siebtklässler entkusseln das Moor

Griffiger Lernstoff: Leane-Joline (links) und Aline packten genau wie ihre Mitschüler von der KGS Hambergen bei der Entkusselungsaktion im Heilsmoor kräftig mit an.

Christian Kosak

Hambergen. Früh morgens, pünktlich zum Schulbeginn, marschierten rund 80 Schülerinnen und Schüler des siebten Jahrgangs der Kooperativen Gesamtschule „Am Wällenberg“ ins Heilsmoor. Treffpunkt für die Schüler der Klassen 7.2, 7.3 und 7.4 war das Wallhöfener Wasserwerk. Von dort führte ein stark aufgeweichter Waldweg ins Moor. Mit Gummistiefeln ausgerüstet, bereitete das den Schülern keine Probleme. In Handkarren transportierten sie Arbeitsgeräte, wie Sägen, Astscheren und weitere Utensilien zum Einsatzort. Einige Lehrer, darunter Projektleiter Thomas Köhring, begleiteten die 13- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen.

Gemeinsam mit Mitgliedern der NABU-Ortsgruppe Hambergen und einem Team der Biologischen Station Osterholz packten die Mädchen und Jungen beim Entfernen des unerwünschten Bewuchses an: junge Kiefern und Birken. Mit Astscheren und Sägen gingen die Akteure gegen die durstigen Pflanzen vor. Höhere Birken sägten sie in einem Meter Höhe ab und spalteten die Schnittfläche, „so haben die Birken keine Chance, weiter zu wachsen“, erklärte Köhring.

„Wenn wir nicht entkusseln, trocknet das Moor schnell aus, und wir haben in wenigen Jahren hier ein Waldgebiet“, erklärte Dietmar Wonneberger (Nabu). Die Naturschützer wiesen auf die wichtige Klimaschutzfunktion der Moore hin, die riesige Mengen schädlichen Kohlendioxids speichern.

An zwei Tagen tauschten die Siebtklässler das Klassenzimmer mit dem Einsatz im Moor. Am zweiten Tag übernahmen die übrigen drei Klassen des Jahrgangs den Entkusselungsjob. Allerdings kümmerten sie sich ums Spring-, nicht ums Heilsmoor.

In kleinen Gruppen oder einzeln begann die Arbeit im Heilsmoor auf den teils stark bewachsenen Flächen. Die Jungen fällten am liebsten größere Bäume. „Einige geben hier richtig Gas, anders als im Unterricht in der Schule“, bemerkte die Klassenlehrerin Christine Pakulat. Ihre Kollegin Andrea Freudenfeld fügte hinzu: „Der Mooreinsatz stärkt die Klassengemeinschaft“. Bei schwierigen Aktionen würden sich die Schüler gegenseitig helfen. Einige Schüler zeigten bei diesen Aufgaben viele positive Eigenschaften, die im Unterricht nicht erkennbar seien.

„Naturschutz ist eine wichtige Aufgabe“, das hatte der 13-jährige Timm in der Vorbereitung im Unterricht erfahren. Die Arbeit im Moor machte ihm Spaß. „Ich habe richtig dicke Bäume abgesägt“.

Einige Mädchen bildeten mehrfach Arbeitsgruppen: Eine sägt, eine schneidet mit der Schere und eine trägt die Sträucher zum Sammelplatz. Auch ihnen machte die Arbeit im Moor viel Spaß. „Hier haben wir auch gute Gelegenheit zum Reden“, verrieten sie. Große schwere Äste zog auch Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock hinter sich her. „Ich habe gern das Büro im Rathaus für den Mooreinsatz verlassen“, bekannte der Verwaltungschef.

Zwischen der Kooperativen Gesamtschule „Am Wällenberg“ und der Nabu-Ortsgruppe Hambergen besteht eine langjährige Kooperation zum Erhalt des Heilsmoores und des Springmoors gehören dazu. Nabu-Mitglied Jürgen Röper ist der Ansprechpartner für die Moorprojekte. Für die beispielhaften Mooreinsätze der Schulklassen erhielt die Gesamtschule 2012 eine Auszeichnung zur UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

Mit dem Kennenlernen des Naturschutzgebietes begann auch diesmal das Projekt im September 2017. Im November wurde dem siebte Jahrgang offiziell mit einer Feierstunde die Patenschaft für das Moor übertragen. Nun setzten führen sie die Naturschutzarbeit fort und entkusseln das Moor.

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