Die Linke nimmt Kreissparkasse aufs Korn, doch die sieht die Kritik ins Leere laufen Sind die Dispo-Zinsen zu hoch?

Die Kreissparkasse Osterholz steht wegen der von ihr erhobenen Zinssätze für Dispokredite in der Kritik. Die Kreistagsfraktion der Linken spricht von "Abzocke" und will erreichen, dass sich der Kreistag mit dem Thema befasst. Bei der Kreissparkasse sieht man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.
28.06.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lutz Rode

Die Kreissparkasse Osterholz steht wegen der von ihr erhobenen Zinssätze für Dispokredite in der Kritik. Die Kreistagsfraktion der Linken spricht von "Abzocke" und will erreichen, dass sich der Kreistag mit dem Thema befasst. Bei der Kreissparkasse sieht man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Landkreis Osterholz. Verbraucherzentralen und Finanztester monieren seit längerem, dass viele Banken und Sparkassen bei Dispositionskrediten überhöhte Zinsen von ihren Kunden verlangen. Im Landkreis Osterholz will jetzt die Fraktion die Linke dafür sorgen, dass das Thema auf Kreisebene auf die politische Agenda kommt. Sie spricht von "Abzocke", wenn sie auf die aktuellen Konditionen der Kreissparkasse Osterholz blickt. Dort bleibt man gelassen und verweist darauf, dass der durchschnittliche Zinssatz für die Privatgirokonten nur minimal über dem Bundesdurchschnitt liege, wie ihn die Linke als Maßstab für die Zinsfestsetzung einfordere. Die Kritik laufe somit ins Leere.

Laut aktuellem Preisaushang verlangt die Kreissparkasse Osterholz von Kunden, die auf ihrem Privatgirokonto den Dispositionskredit in Anspruch nehmen, einen Zinssatz von 13,75 Prozent. Wer die vereinbarte Dispo-Kreditlinie überschreitet, muss noch sechs Prozent mehr zahlen. Die Linke findet das unanständig hoch, vor allem mit Blick auf die anhaltend niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank. "Die Banken in Deutschland bekommen von der Europäischen Zentralbank billigen Kredit. Sie gaben die Leitzinssenkungen der vergangenen Jahre jedoch nicht an ihre Kunden weiter", kritisiert Bernd Rugen, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag.

Genauso sieht man das auch bei Stiftung Warentest, die im vergangenen Jahr die Konditionen für Dispokredite von 1600 Banken und Sparkassen unter die Lupe genommen hat. Mit ihren 13,75 Prozent stehe die Kreissparkasse Osterholz bundesweit an der "oberen Grenze", heißt es auf Nachfrage der Redaktion. "Von ,Abzocke’ will ich nicht sprechen, aber der Zinssatz steht in keinem Verhältnis zum Marktzins", sagt Stefanie Pallasch, die für Finanztest die Untersuchung geleitet hat. Für die Banken sei dieser Unterschied eine willkommene Einnahmequelle. "Für den einzelnen, der sein Konto mal für ein paar Tage überzieht, mag die Summe nicht groß sein. Aber für Banken macht die Masse das Geschäft", sagt die Finanzexpertin aus Berlin.

Die Linke nimmt speziell die Kreissparkasse aufs Korn, weil sie als öffentlich-rechtliche Einrichtung aus ihrer Sicht in besonderer Weise dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Geht es nach ihren Vorstellungen, soll der Verwaltungsrat, in den der Kreistag mehrere Abgeordnete entsendet und dessen Vorsitzender der SPD-Mann Professor Tim Jesgarzewski ist, seinen Einfluss zur deutlichen Absenkung der Zinssätze geltend machen. Ein entsprechender Antrag ist vor einigen Tagen bei Landrat Dr. Jörg Mielke auf dem Tisch gelandet. Ob und inwieweit darüber politisch debattiert wird, steht noch nicht fest. "Wir prüfen den Antrag in alle Richtungen", heißt es auf Anfrage bei der Kreisverwaltung.

Die Verantwortlichen der Kreissparkasse Osterholz betonen, dass der Verwaltungsrat zwar durchaus Anregungen geben kann, doch die Zinssätze letztlich allein vom Vorstand festgelegt werden. "Bei Edeka legt der Aufsichtsrat auch nicht die Preise für Kartoffeln fest", sagt Werner Hampel, Chef der Kreissparkasse Osterholz. Der Vorstand sieht sich zu Unrecht für die verlangten Dispo-Kreditzinsen von den Linken gegeißelt. Die genannten 13,75 Prozent seien lediglich der Maximalwert, den die Kreissparkasse ihren Kunden für einen Dispo-Kredit berechne. Hampel nennt das den "worst case", also den schlimmsten Fall, der einem Kunden bei vergleichsweise schlechter Bonität, geringen Sicherheiten und kleinen Beträgen passieren könne. Sofern die Voraussetzungen besser seien, könne dabei für den einzelnen auch ein niedrigerer Zinssatz herauskommen. Die untere Grenze liege bei fünf Prozent.

Die Kreissparkasse hat ausgerechnet, das der durchschnittliche Zinssatz für einen Dispokredit in ihrem Haus bei 10,4 Prozent liegt. Damit liege man nur knapp über dem aktuellen durchschnittlichen Marktzinssatz, den die Bundesbank ermittelt hat und der 10,1 Prozent beträgt. In der Summe macht dieser Unterschied bei der Kreissparkasse nach eigenen Angaben einen jährlichen Betrag von rund 30000 Euro zum "Nachteil" der Kunden aus.

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank spielten für die Kreissparkasse insofern keine Rolle, weil sich das Kreditinstitut dort anders als klamme Großbanken kein Geld besorge. Das Eigenkapital werde durch die Einlagen der Kunden gedeckt.

Beim Thema "Gemeinwohl" verweist Vorstandsmitglied Ulrich Messerschmidt unter anderem darauf, dass die Kreissparkasse allein 300000 Euro im Jahr an Spenden und Sponsoring in die Region gebe, außerdem zahle sie vier Millionen Euro an Steuern im Jahr. "Wir sind Land und Leuten verpflichtet, das ist in unserem täglichen Bewusstsein verankert", meint Messerschmidt.

Im Kreditgeschäft der Kreisssparkasse sind die Dispositionskredite laut Messerschmidt ein "völlig untergeordnetes Thema". Nach seinen Angaben geht es dort derzeit um ein Volumen von 11,1 Millionen Euro für Dispokredite und 400 000 Euro für Überziehungskredite. Zum Vergleich führt er an, dass die Kreissparkasse Wohnungsbaukredite in Höhe von insgesamt 631 Millionen Euro vergeben habe. Dort sei die Kreissparkasse günstiger als so manche Direktbank, was für die Kunden unterm Strich wesentlich bedeutsamer sei. "Die Musik spielt also nicht bei den Dispokrediten", versichert Messerschmidt.

Gleichwohl will die Kreissparkasse das Thema anfassen: Für neu eröffnete Girokonten gilt ab 1. August ein Zinssatz für Dispokredite von 8,75 Prozent – gedacht als zeitlich begrenzte "Sommeraktion". Auch bei der Volksbank Osterholz-Scharmbeck, die bislang 12,25 Prozent für Dispokredite berechnet hat, tut sich etwas: Sie senkt den Zinssatz ab dem 30. Juni auf 9,85 Prozent. Eine zeitliche Befristung wie bei der Kreissparkasse Osterholz ist nicht vorgesehen, sagt Volksbank-Sprecher Jens Themsen. Die Volksbank reagiere mit diesem Schritt auch auf die anhaltend niedrigen Zinsen auf dem internationalen Finanzmarkt.

Die ebenfalls in Osterholz-Scharmbeck ansässige Commerzbank verlangt von ihren Kunden derzeit einen Zinssatz von 13,24 Prozent bei Dispokrediten. Bei der Postbank liegt er je nach Kontomodell bei 12,69 oder 10,04 Prozent.

Sind die Dispo-Zinsen zu hoch?

Die Linke nimmt Kreissparkasse aufs Korn, doch die sieht die Kritik ins Leere laufen

Zitat:

"Dispositionskredite

sind ein völlig

untergeordnetes Thema."

Ulrich Messerschmidt, Kreissparkasse

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