Konzertbesucher des Hamme-Forums genießen mit dem Ensemble Il Belcanto eine „italienische Nacht“ Sinnenfrohes Fest des schönen Gesangs

Landkreis Osterholz. Eine mondän-mediterrane Atmosphäre zu schaffen ist so einfach. Dazu bedarf es italienisch angehauchter Dekoration, passender Gäste und vor allem Künstler, die ihre Zuhörer in den Süden Europas entführen können.
12.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Landkreis Osterholz. Eine mondän-mediterrane Atmosphäre zu schaffen ist so einfach. Dazu bedarf es italienisch angehauchter Dekoration, passender Gäste und vor allem Künstler, die ihre Zuhörer in den Süden Europas entführen können. Besonders Letzteres schafften Irina Wischnizkaja, Ivo Berkenbusch und Olaf Wiegmann sozusagen spielend. Die drei Musiker touren als Ensemble „Il Belcanto“ durch die Lande und verzaubern ihr Publikum mit ihrem Programm „Die italienische Nacht“ – so auch im fast ausverkauften Hamme-Forum.

Zu einem echten italienischen Abend gehört natürlich nicht nur schöner Gesang, so die Übersetzung von Belcanto, sondern auch der große optische Auftritt. So sorgte Wischnizkaja mit ihren beiden festlichen Abendkleidern für ein anerkennendes Raunen insbesondere beim weiblichen Teil des Publikums. Im ersten Konzertteil trug die Sopranistin viel Tüll in Gelb mit schwarzem Oberteil und Blumenapplikationen. Im zweiten Teil betrat sie in einer lilafarbenen Robe mit blinkenden und glitzernden Accessoires die Bühne. Die Herren hielten es mit dem vergleichsweise schlichten, aber nicht weniger festlich wirkenden Frack.

Wischnizkaja, Berkenbusch und Wiegmann hatten ein Programm von großen Gefühlen, angefangen von dramatischen Musikstücken bis hin zu Gassenhauern zusammengestellt. Dazu führte Berkenbusch in ausgesprochen charmanter Art und Weise durch das knapp zweieinhalbstündige Programm. Sehr zum Gefallen des Publikums hatte der Bariton zu jedem Lied eine Anekdote, ein Zitat oder auch einen sehr gut pointierten Witz parat. Beispielsweise zitierte Berkenbusch eine von Goethes Erkenntnissen über Italien: „Die Männer regieren das Land, aber die Frauen regieren die Männer.“

Dass sich das Trio auf einem künstlerisch sehr hohen Niveau bewegt, bewies es mehr als einmal. Phrasierungen und Einsätze von Wischnizkaja und Berkenbusch waren äußerst präzise, und Wiegmann erwies sich an seinem Flügel als wahrer Zauberer. So etwa, als er die Nocturne in Des-Dur, Opus 27 Nummer 2 von Frédéric Chopin spielte. In der Romantik bezeichnete die Nocturne ein in der Regel langsames Klavierstück. Nicht weniger intensiv interpretierte Wiegmann die Arabesque Nummer 1 in E-Dur von Claude Debussy. Meistens jedoch hielt sich der Maestro diskret im Hintergrund.

Die große Bühne gehörte zweifelsohne der Sopranistin Irina Wischnizkaja. Sie glänzt in Hamburg und am oldenburgischen Staatstheater mit ihren Arien. Ganz große Oper ist beispielsweise ihre Arie der „Madame Butterfly“ aus der gleichnamigen Puccini-Oper. Wischnizkaja, geboren in Gomel in Weißrussland, fing ihr Publikum im Ganzen ein: mit ihrer glasklaren vielseitigen Stimme, ihrer Mimik und Bühnenpräsenz und einem unglaublichen Charme. Sie breitete ihre Arme aus, als wollte sie den Menschen vor sich sagen: „Kommt zu mir, hört mich an!“

Auch Berkenbusch ist mit einem solchen Talent gesegnet. Musikalisch genauso ein Meister seines Fachs, bestach er an diesem Abend aber vor allem durch seine überaus wunderbare Art der Moderation. Er war es, der den Zuhörern das Lager bereitete, auf dem sie sich ganz den schönen Künsten hingaben.

Berkenbusch verstand es zugleich sich zugunsten seiner Kollegin zurückzunehmen. Gleichwohl musste der kulturinteressierte Mensch seinem Wesen einfach erliegen. Beispielsweise dann, wenn er das berühmte Lied vom Chianti-Wein, die „Tarantella“ di Chianti, den 50er-Jahre-Schlager „Volare“ und das berühmte neapolitanische Volkslied „Funiculì-funiculà" intonierte. Berkenbusch ist ein Entertainer. Künstlerische Höhepunkte waren die Duette von Wischnizkaja und Berkenbusch. Wenn sie „La ci darem la mano“ („Reich mir die Hand, mein Leben“) aus Mozarts großem Werk „Don Giovanni“ und andere berühmte Arien und Duette erklingen ließen, knisterte es auf der Bühne und im ganzen Raum. Sie umgarnten sich musikalisch und körperlich, künstlerische Erotik in großer Robe.

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