Keramikerin Ingrid Ripke-Bolinius Spannende Minuten an der Drehscheibe

Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei, jetzt beginnt die Hauptarbeitszeit von Ingrid Ripke-Bolinius. Jetzt zieht sich die Keramikerin in ihre Werkstatt zurück, um Neues zu kreieren. Wir waren zu Gast in ihrem Reich.
14.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Donata Holz

Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei, jetzt beginnt die Hauptarbeitszeit von Ingrid Ripke-Bolinius. Jetzt zieht sich die Keramikerin in ihre Werkstatt zurück, um Neues zu kreieren. Wir waren zu Gast in ihrem Reich.

Der Ofen ist noch warm. Die weißen Schalen warten darauf, entnommen zu werden. Ingrid Ripke-Bolinius klopft einmal vorsichtig an die Wand des Gefäßes und befindet: „Das klingt gut. Alles in Ordnung.“ Die Regale in der Werkstatt sind bei unserem Besuch leer.

Zahlreiche Reisen zu Märkten von Norddeutschland bis nach Österreich liegen hinter der Keramikerin. Das Weihnachtsgeschäft liegt hinter ihr. Jetzt beginnt die Hauptarbeitszeit, in der wieder Neues an der Scheibe entsteht. Die Keramikerin mag diesen Wechsel zwischen der Reisezeit mit den vielen Kontakten und dem konzentrierten Rückzug in die Werkstatt.

Die großen Säcke mit der Porzellanmasse aus dem französischen Limoges liegen dort schon bereit. Auch wenn hier im Moment keine fertigen Objekte zu sehen sind, im Eingangsbereich des Ateliers im Albert-Schiestl-Weg gibt es stets eine kleine Ausstellung mit charakteristischen Arbeiten. Zum Teil korrespondieren sie mit den Bildern ihres Mannes, des Malers Lutz Bolinus. Seit über 20 Jahren lebt und arbeitet das Paar nun schon in Worpswede. Da kommt es natürlich zu gegenseitigen Anregungen und Inspirationen.

Das wesentliche Merkmal der Arbeit von Ingrid Ripke-Bilonius ist die Reduzierung auf Form und Material. Von jeher hatte die Keramikerin, die als sechstes Kind auf einem Bauernhof in Vechta geboren wurde, Freude an kreativem Schaffen. Ihre Talente konnte sie zunächst während ihrer Ausbildung zur Schaufenstergestalterin umsetzen. Es folgte der Besuch der Fachoberschule für Gestaltung in Bremen. In dieser Zeit kam es zu einer ersten Begegnung mit der Drehscheibe. Die Arbeit mit dem Ton faszinierte sie so sehr, dass sie zunächst bei Lisa Jenneskens das Handwerk erlernte, bevor sie sich als Autodidaktin weiterentwickelte. Von 1984 bis 1988 lernte und wirkte sie in der Worpsweder Töpferei von Ursula Kohne, um sich dann schließlich 1989 selbstständig zu machen.

Mit Steinzeug und Ton begonnen

In den ersten Jahren arbeitet Ingrid Ripke-Bolinius mit Steinzeug und Ton. Um mehr Leichtigkeit und Offenheit im Ausdruck ihrer Gefäße erreichen zu können, wechselte sie das Material und entschied sich für Porzellan. „Die Feinheit, Eleganz und die handwerklich anspruchsvolle Verarbeitung des Porzellans fasziniert mich“, sagt die Kunsthandwerkerin.

Was später so fein und filigran wirkt, benötigt zu Beginn viel Kraft und Energie, denn das Material kommt in schweren Säcken an und muss entsprechend bearbeitet und durchgeknetet werden, bis es sich auf der Drehscheibe gestalten lässt. Porzellan ist schwieriger zu drehen als Ton, erfahren wir, da es einen kritischen Feuchtigkeitsbereich hat und schnell zu weich oder zu trocken wird. Doch den Moment des Formens an der Scheibe liebt Ingrid Ripke-Bolinius am meisten. Diese oft nur wenigen Minuten, in denen ein Objekt entsteht, erfordern höchste Konzentration und Ruhe. Damit die Gefäße später eine leichte Transparenz aufweisen, ist es wichtig, sehr dünne Wände zu schaffen. Auf diese Weise schafft die Keramikerin filigrane Teetassen,- schalen oder -kannen, die mit einer Transparenzglasur ausgelegt werden, damit man sie für den täglichen Gebrauch nutzen kann.

Neben dem Geschirr gibt es Gefäßobjekte, gestaltet mit feinen Farbfriesen und Bildern. Dazu zeichnet die Kunsthandwerkerin ihre Motive in die noch ungebrannte Porzellanoberfläche, ritzt sie mit einer Modelliernadel ein und bemalt sie mit eingefärbter Porzellanengobe. Die Motive entwickelt sie in der Auseinandersetzung mit japanischen Holzschnitten, die eine harmonische Einheit mit dem feinen Porzellan bilden. „Ebenso liebe ich es, schlichte und klare Farbflächen in eigenen Spannungsverhältnissen auf meine Formen zu bringen“, sagt Ingrid Ripke-Bolinius, die nicht nur in der eigenen Werkstatt arbeitet, sondern sich auch um die Darstellung des Kunsthandwerks in der Öffentlichkeit bemüht. So hat sie vor einigen Jahren den schon zur Tradition gewordenen Kunsthandwerkermarkt, der alljährlich im November stattfindet, mitbegründet. Ganz jung sind noch die „Tage des Kunsthandwerks“, die in diesem Jahr vom 9. April bis zum 22. Mai zum dritten Mal stattfinden.

Hierbei handelt es sich um Themenausstellungen, zu denen alle Gewerke eingeladen werden. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Motto „Metamorphosen“. Mit diesem Format soll eine größere Vielfalt präsentiert werden, die Aufmerksamkeit jüngerer Kollegen auf Worpswede gelenkt werden, erklärt Ingrid Ripke-Bolinius, denn der Nachwuchs fehlt am Ort. Mit dem Frühjahr beginnt auch für sie die Markt- und damit auch die Reisezeit erneut. Bis dahin werden die Regale in ihrer Werkstatt längst wieder gefüllt sein.

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