Sparkasse Rotenburg Osterholz Bezahlen per Handy auf dem Vormarsch

Die Corona-Pandemie treibt bei der Sparkasse Rotenburg Osterholz die Digitalisierung voran. kontaktloses Bezahlen mit dem Handy boomt. Der Umbau der Filiale Lilienthal ist bald beendet.
26.02.2021, 05:23
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Landkreise Osterholz/Rotenburg. Die Corona-Pandemie hat der Sparkasse Rotenburg Osterholz einen enormen Zuwachs beim kontaktlosen Bezahlen beschert. Als „innovative Payment-Lösung“, so Vorstandschef Stefan Kalt, biete sein Geldinstitut das Bezahlen per Smartphone an. Auf diese Weise seien 2020 etwa neun Millionen Transaktionen ausgeführt worden – fast doppelt so viele wie im Vorjahr mit einem um 100 auf 177 Millionen Euro gesteigerten Umsatz. Dies entspreche einem Anteil an den Kartenzahlungen von fast 70 Prozent.

28.622 Kunden (Vorjahr: 22.753) hätten die kostenlose S-App genutzt. Mit deren Hilfe könnten sie unterwegs Überweisungen tätigen und Kontoumsätze einsehen sowie alle vorhandenen Konten – auch von anderen Kreditinstituten – verwalten, Daueraufträge einrichten oder ändern oder auch Kleinbeträge per SMS bezahlen. Auch sonst gehe die Sparkasse neue Wege, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thorben Prenntzell. Gerade in der Pandemie sei es wichtig, dass die, wie er sagt, „Multikanalsparkasse“ über digitale Kanäle, wie zum Beispiel das Kunden-Service-Center, die Chatfunktion oder das Online-Banking sowie die Videoberatung uneingeschränkt zu erreichen sei. Die Pandemie habe die Digitalisierung und damit auch manche Abläufe für den Kunden beschleunigt.

Prenntzell erklärt das anhand eines Prozesses, den sie bei der Sparkasse „Baufi neo“ nennen. Der Kunde bereite damit zu Hause auf seinem Rechner eine Baufinanzierungsanfrage vor, die er digital an seinen Berater bei der Sparkasse weiterleitet. Die Durchlaufzeit vom ersten Kundengespräch bis zur Auszahlung könne dadurch auf wenige Tage verkürzt werden. So etwas mache im Geschäftsgebiet und auch weit darüber hinaus bisher niemand sonst. Möglich, dass „Baufi neo“ dazu beigetragen hat, dass 2020 neue Kreditzusagen zum Bauen, Modernisieren oder Investieren von 505 Millionen Euro rausgegangen sind. Das sind 64 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Nicht so gut lief Bausparen, die Bausparsumme ging von über 100 auf 77 Millionen Euro zurück. Noch schlechter lief es mit den Konsumentenkrediten, hier sei pandemiebedingt „Kaufzurückhaltung und Konsumverzicht deutlich zu spüren“ gewesen, so Prenntzell. Für Konsumgüter und Kraftfahrzeuge seien 2000 Verträge (Vorjahr: 2500) mit einem Volumen von fast 30 Millionen Euro neu vermittelt worden. Das gesamte Kreditvolumen beträgt per Jahres­ende 2020 mehr als 2,4 Milliarden Euro.

Keine weiteren Automatenbanken

Obwohl kein Ende der Nullzinsphase abzusehen sei, stieg der Wert der Kundeneinlagen um über 22 Millionen auf fast 2,8 Milliarden Euro an. Da die Sparkasse für fast jeden Euro, den sie auf ihrem Bundesbank-Konto hält, einen Minuszins von 0,5 Prozent bezahlen müsse, kassiere sie jetzt ein Verwahrentgelt auf große Guthaben: Betroffen seien Privatleute mit mehr als einer Million Euro auf dem Konto und Geschäftskonten, auf denen mehr als 500.000 Euro liegen. Der auf 50,9 Millionen Euro zurückgegangene Zinsüberschuss trug zu einem Jahresüberschuss bei, der leicht über dem Niveau des Vorjahres liege.

Die rund eine Million Euro teure Modernisierung der Filiale an der Klosterstraße in Lilienthal solle Anfang Mai abgeschlossen sein. Derzeit sei nicht geplant, weitere der derzeit 18 mit Personal besetzten Zweigstellen in Automatenbanken umzuwandeln. 33 SB-Filialen gebe es im Moment, außer für die in Axstedt gebe es aktuell keine Schließungspläne. „Wir reagieren auf das Kundenverhalten. Das hat sich gerade durch die Pandemie drastisch verändert“, so Stefan Kalt.

20 Prozent weniger Personal

Seit der Fusion 2018 hat die Sparkasse Rotenburg Osterholz rund 20 Prozent ihrer Belegschaft abgebaut. Die Zahl der Mitarbeiter sei um 120 auf derzeit 635 reduziert worden, so Vorstandschef Stefan Kalt. „Alles sozialverträglich“, betont er, „ohne Kündigungen.“ Und über die nächsten drei bis vier Jahre verteilt würden weitere 100 Beschäftigte im Zuge von Altersteilzeitlösungen das Institut verlassen. Gleichzeitig, so Kalt, würden aber jedes Jahr bis zu 15 junge Menschen ihre Ausbildung bei der Sparkasse beginnen.

Wie angekündigt, sei auch der Vorstand verkleinert worden – auf die Mindestzahl von zwei Köpfen: Stefan Kalt und sein Stellvertreter Thorben Prenntzell. Frauen sind auch in der von 16 auf zwölf Stellen reduzierten Leitungsebene darunter nicht zu finden: Alle zwölf Bereichsleiter sind Männer, sagt Kalt, der dies nach eigenem Bekunden sehr bedauert. Die Sparkasse habe mehrere Stellen bundesweit ausgeschrieben, doch es habe sich keine Frau beworben. Eine Stufe darunter ist es mit der Diversität besser bestellt, von den 45 Abteilungen würden 13 von Frauen geleitet.

Zur Verknüpfung von Beruf und Familie sagt Kalt: „Wir sind als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert. Die Teilzeitquote ist mit 42 Prozent hoch.“ Im vergangenen Jahr hätten bis zu 20 Prozent der Beschäftigten ganz oder teilweise im Homeoffice gearbeitet.

Geld fürs Gemeinwohl

Mit Hilfe von „Wir Wunder“ will die Sparkasse Rotenburg Osterholz das soziale Engagement in der Region stärken. „Wir Wunder“ ist die Plattform der Sparkassen-Finanzgruppe für das Gemeinwohl in Deutschland, die in Kooperation mit betterplace.org das Ziel habe, neue Unterstützer für soziale Projekte zu gewinnen, so der Vorstandsvorsitzende Stefan Kalt. „Vereine und Institutionen, die auf Wir Wunder ein Projekt veröffentlichen, erhalten in der Startphase von uns eine Begrüßungsspende von 250 Euro“, so Kalt. Infos: www.wirwunder.de/rotenburg-osterholz.

Zudem habe die Sparkasse 2020 nahezu 260 Einzelmaßnahmen mit einem Volumen von fast 400.000 Euro unterstützt. Das Engagement reiche dabei von sozialen und kulturellen Themen über Sport bis hin zum Umwelt- und Naturschutz. Damit sei die Sparkasse eine der größten nicht kommunalen Förderer von Kultur, Kunst, Sport, Jugend und Bildung in der Region. Bereits zum vierten Mal würden 20.000 Euro bereitgestellt, um damit besondere Projektideen zu unterstützen. Das aktuelle Motto heißt „Digitalisierung“. Wie in den beiden vorigen Jahren werde der Gesamtbetrag von 20.000 Euro auf vier Siegerprojekte aufgeteilt. Neben der Siegerprämie von 2.500 Euro werden weitere 10.000 Euro bei einem Facebook-Voting an die Gewinner vergeben. Für sehr Kurz-Entschlossene ist die Teilnahme noch möglich: Einsendeschluss ist der 28. Februar.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+