Worphausen und Seebergen könnten in Neubau der Trupermoorer Grundschule aufgehen / CDU und Querdenker für Erhalt aller sechs Schulen SPD will die Zahl der Schulstandorte senken

Die Inklusion zwingt die Gemeinde zum Handeln. Bis August 2018 müssen Lilienthals Grundschulen behindertengerecht sein. Der Umbau der drei alten Schulhäuser in Worphausen, Trupermoor und am Konventshof würde mehrere Millionen Euro kosten. Neubauten wären wohl doppelt so teuer. Und doch könnten sie auf lange Sicht günstiger sein – wenn mindestens zwei der sechs Grundschulen aufgegeben werden. Mögliche Varianten präsentierte die Verwaltung im Fachausschuss.
14.09.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Wilke

Die Inklusion zwingt die Gemeinde zum Handeln. Bis August 2018 müssen Lilienthals Grundschulen behindertengerecht sein. Der Umbau der drei alten Schulhäuser in Worphausen, Trupermoor und am Konventshof würde mehrere Millionen Euro kosten. Neubauten wären wohl doppelt so teuer. Und doch könnten sie auf lange Sicht günstiger sein – wenn mindestens zwei der sechs Grundschulen aufgegeben werden. Mögliche Varianten präsentierte die Verwaltung im Fachausschuss.

Noch ist nichts entschieden, doch die Zeit drängt. 2014 will die Gemeindeverwaltung wissen, welche Akzente die Politiker bei den Schulen setzen wollen. Im Haushalt müssen Planungskosten veranschlagt werden – für den Umbau und die Sanierung der drei alten Grundschulen oder für die Zusammenlegung von Schulen und Neubauten. Fest steht: Im Sommer 2018 müssen alle Schulgebäude in Niedersachsen barrierefrei sein. Das schreibt das Schulgesetz vor.

Die Schroeterschule am Konventshof, ein Altbau aus den 60er-Jahren, ist so verschachtelt, dass gleich mehrere Fahrstühle eingebaut werden müssten. Das gleiche gilt für die Grundschule Trupermoor, die sich aus der über 100 Jahre alten Dorfschule, einem Anbau aus den 30er-Jahren und einem aus den 70er-Jahren zusammensetzt. Drittes Sorgenkind der Gemeinde ist das Schulhaus in Worphausen, auch schon über 50 Jahre alt. Mit dem Einbau von Fahrstühlen wäre es nicht getan, wie Rüdiger Reinicke, Hauptabteilungsleiter im Rathaus, den Politikern im Schulausschuss erklärte. Bei allen Umbauten sei heute auch die energetische Sanierung Pflicht.

Verwaltung legt Varianten vor

Für die Christdemokraten im Gemeinderat steht fest: Alle sechs Grundschulen müssen erhalten werden. Das stellte die Seebergerin Tanja Ruczynski am Donnerstagabend im Ratssaal klar. Ähnlich sieht das Claus Tietjen; der Landwirt aus Oberende vertritt die Fraktion der Querdenker im Schulausschuss.

Dagegen kann sich Jens Erdmann, schulpolitischer Sprecher der SPD im Rat, nicht vorstellen, dass alle sechs Grundschulen auf Dauer bestehen bleiben. „Versuchen Sie mal, im Internet eine Gemeinde von der Größe Lilienthals mit sechs Grundschulen zu finden“, erklärte Erdmann. Die gebe es nicht. „Andere Gemeinden bauen neu und machen damit gute Erfahrungen.“ Erdmann plädiert für den Neubau einer dreizügigen Schroeterschule und für die Aufgabe der Grundschulen in Worphausen und Seebergen. Sie sollen in einem Neubau der Trupermoorer Grundschule in der Nähe vom Falkenberger Kreuz aufgehen – das ist eine von der Verwaltung vorgelegte Variante. Danach bleiben vier Grundschulen übrig: Trupermoor, Frankenburg, Schroeterschule und die Grundschule Falkenberg. Eine andere Variante geht noch weiter und löst auch Frankenburg auf. Dann blieben drei Grundschulen übrig.

Die Millionen-Investitionen könnten sich langfristig rechnen – durch die drastische Senkung der Unterhaltungskosten der Gebäude. Doch müssten womöglich auch Sporthallen gebaut werden, was die Sache verteuern könnte. Andererseits könnte die Gemeinde mit Erlösen aus dem Verkauf der älteren Schulbauten und Grundstücke rechnen. Der Grüne Peter Gerds präsentierte eine weitere Variante. „Trupermoor und Worphausen sind wegen der hohen Kosten nicht haltbar“, erklärte der Seeberger. Er schlug die Aufgabe des Standorts Worphausen und einen Neubau der Grundschule Trupermoor vor, dazu einen Neubau oder eine Grundsanierung der Schroeterschule.

So weit war Erika Simon, Ratsfrau der Grünen und Vorsitzende des Schulausschusses, noch nicht. Auch sie weiß, dass die Inklusion, der gemeinsame Unterricht von Kindern ohne Handicap und Schülern mit Behinderungen aller Art, eine Herausforderung für die Gemeinde ist. „Wir haben drei Schulen mit enormen Kosten“, betonte Simon. Doch noch gehe es nicht um Umbauten bestehender Gebäude oder Neubauten. Das werde das Thema der nächsten Sitzung sein, einer gemeinsamen Sitzung von Schulausschuss und Finanzausschuss. „Vorrangig ist jetzt zu klären, ob die Schülerzahlen so stark sinken, dass wir schulorganisatorische Maßnahmen ergreifen müssen“, sagte Simon.

Amtsleiter Reinicke legte dazu Tabellen und Zahlenreihen vor. Danach sinkt die Zahl der Erstklässler in Lilienthal von 184 in diesem Jahr auf 160 im Jahr 2020. So eindeutig sei die Entwicklung der Schülerzahlen aber nicht, monierte Erika Simon. Prognostiziert worden seien für dieses Jahr 164 Schüler, tatsächlich seien es 184. „Was Sie für die Neubaugebiete dazurechnen, scheint mir total wenig zu sein.“ Reinicke erklärte die vom Land empfohlene Berechnung der erwarteten Schülerzahlen. Exakt vorherzusagen seien sie nicht, doch sei ein sinkender Trend abzulesen. Bei Neubaugebieten sei die zu erwartende Kinderzahl extrem schwer vorherzusagen. „Das kommt darauf an, wie attraktiv ein Baugebiet für junge Familien ist.“ Die zweite Frage sei, ob und wann sich Eltern für ein Kind entschieden. Es könne aber genauso gut sein, dass ein Bauträger Seniorenwohnungen errichten lasse.

Die Festlegung von Schulbezirken sei ein Instrument, um Schülerströme zu steuern und eine Auslastung möglichst aller Schulen zu sichern, erklärte Reinicke. In diesem Fall würden Veränderungen der Einzugsbereiche der Schulen das Problem jedoch nicht lösen. Es ist die Inklusion, die die Gemeinden als Schulträger zu weitreichenden Entscheidungen zwingt. In Lilienthal gibt es im Prinzip nur zwei Wege: Umbau und Sanierung der drei alten Schulhäuser oder Neubauten um den Preis von Schulschließungen.

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