Landkreis will die Menge reduzieren Sperrmüll ist nicht gleich Sperrmüll

Bei der Sperrmüllabfuhr wird künftig nicht mehr alles mitgenommen, was an der Straße steht. Ab 2015 will die Politik die überdurchschnittlich hohe Pro-Kopf-Müllmenge im Kreisgebiet reduzieren.
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Sperrmüll ist nicht gleich Sperrmüll
Von Bernhard Komesker

Bei der Sperrmüllabfuhr nimmt das Sammelfahrzeug längst nicht automatisch alles mit, was die Bürger so an die Straße stellen. Fürs nächste Jahr wird die restriktivere Handhabe per Satzungsänderung festgezurrt. Die Politik will damit etwas gegen die überdurchschnittlichen Pro-Kopf-Mengen im Kreisgebiet tun – und dennoch eine Abfuhr jährlich kostenlos halten.

Es könnte alles so schön sein: Stabile Müllgebühren auf relativ niedrigem Niveau, und weit und breit keine Erhöhung in Sicht. Andere Landkreise – die Bremer sowieso – wären wohl neidisch auf die Osterholzer, hieß es jetzt im Kreistagsausschuss für Abfallwirtschaft. Wenn da nur nicht die Sache mit dem Sperrmüll wäre. Da lagen die Mengen der Kreisbewohner zuletzt stets weit über dem Landesdurchschnitt.

Dabei wird seit einiger Zeit schon viel genauer hingeguckt als früher – und vom Sammelfahrzeug auch längst nicht mehr alles mitgenommen, was die Bürger so an die Straße stellen. Erst seit diesem Jahr beginnt das Ganze zu fruchten – flankiert von vermehrter Öffentlichkeitsarbeit sowie von einer neuen Online-Verschenk- und Tauschbörse für gebrauchten Hausrat (http://boerse.aso-ohz.de/). Die Kreisabfallwirtschaft will nun nachlegen.

Pro Kopf 56 Kilogramm im Jahr

Jährlich waren es zuletzt mehr als 6000 Tonnen Sperrmüll, die von der Abfall-Service-Osterholz GmbH (ASO) eingesammelt und entsorgt werden müssen – im Schnitt 56 Kilogramm pro Einwohner. Zum Vergleich: Der Mittelwert in Niedersachsen lag zuletzt bei 34 Kilogramm. So steht es im Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises für die Jahre 2013 bis 2019.

Die Behandlung von 6000 Tonnen Sperrmüll kostet nach Angaben der Verantwortlichen gut und gerne 480 000 Euro. Die Kreispolitik hat daher vor knapp zwei Jahren beschlossen, die Menge nach Möglichkeit auf 46 Kilo je Kreisbewohner zu drücken. Schließlich finanziert jeder Gebührenzahler die Entsorgung mit: Jeder private Haushalt hat nämlich auf Anforderung eine Sperrmüllabfuhr im Jahr gratis, sofern die Menge fünf Kubikmeter nicht überschreitet; erst die zweite Abholung im Jahr geht dann mit 39 Euro ins Geld.

Zahlen müssen zudem seit eh und je schon die Selbstanlieferer unter den privaten Haushalten. Kritiker wie Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) halten das zwar für ungerecht, aber in Pennigbüttel rechnet die ASO bislang direkt mit dem Bürger ab – ohne Folgen für den Gebührenhaushalt. Wäre es anders, müsste die Müllabfuhr insgesamt teurer werden, argumentiert der Kreis-Finanzdezernent Werner Schauer. Daran hat kein Politiker ein Interesse.

Der Druck wird erhöht

Neben aufklärerischen und erzieherischen Maßnahmen zur Abfall-Trennung und -Vermeidung sollen nun die Daumenschrauben vor und bei der Sperrmüllabfuhr weiter angezogen werden: Im Kreishaus wird eine Satzungsänderung vorbereitet, die künftig regelt, ab wann Altholz zu den Baustellenabfällen zählt – und nicht mehr zum Sperrmüll.

Kommt es wie erwartet, dann sind ab 1. Januar 2015 auch demontierte Türen und Türzargen, Fensterrahmen, Dach- und Deckenbalken, Dielenbretter und Paneele kein Fall mehr für die Sperrmüllabfuhr. Sie sind vielmehr gegen Gebühr beim Entsorgungszentrum in Pennigbüttel abzugeben. Gleiches gilt für Dachpappe, Dämmstoffe, Rohre und Leitungen, die als Bauabfall klassifiziert sind.

Aus Sicht der Kreisverwaltung handelt es sich dabei um eine wichtige Klarstellung; der Bündnisgrüne Jürgen Backhaus als Ausschussvorsitzender sagte jetzt, das sehe er auch so. Doch noch scheinen nicht alle Unklarheiten beseitigt zu sein, und darauf wies Annette von Wilcke-Brumund (SPD) hin.

Als Sperrmüll entsorgt würden demnach zwar auch weiterhin massive Altholz-Abfälle, ob aber auch Baumstämme dazu zählen, ist seit ihrer jüngsten Anfrage noch nicht heraus: Der Ausschuss überließ die Entscheidung dem Kreisausschuss, der am 17. Dezember tagen wird. Als Bioabfall gehen Baumstämme übrigens nur durch, wenn sie nicht länger als einen Meter und nicht dicker als 20 Zentimeter sind.

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