Amateurfußball

Training im Landkreis Osterholz: Die Ideen der Coaches

Jeden Dienstagabend „treffen“ sich die Pennigbütteler Bezirksliga-Fußballer in der virtuellen Welt, um ein ganz reales Teamtraining durchzuführen. Und nicht nur sie sind in der aktuellen Lage erfinderisch.
05.05.2020, 10:43
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Training im Landkreis Osterholz: Die Ideen der Coaches
Von Tobias Dohr
Training im Landkreis Osterholz: Die Ideen der Coaches

So sieht Teamtraining in Corona-Zeiten aus: Die Bezirksliga-Fußballer des SV Komet Pennigbüttel spulen ihr Fitnessprogramm unter der Anleitung von Stefan Hobbie (Bildmitte in der linken Spalte) ab. Unten rechts sieht Trainer Malte Jaskosch zu.

Fr

Landkreis Osterholz. Stefan Hobbie ist ein ausgewiesener Experte, was das Thema Fitnesstraining angeht. Der 31 Jahre alte Sportwissenschaftler hat an der deutschen Sporthochschule in Köln seinen Master-Abschluss in Rehabilitation und Gesundheitsmanagement gemacht und arbeitet als Sporttherapeut im Neurologischen Rehazentrum Friedehorst. Doch auf das, was momentan in der Realität stattfindet, konnte Hobbie auch das beste Studium, die beste theoretische Ausbildung nicht vorbereiten.

Deshalb war es auch für den Fachmann durchaus ungewohnt, als er sich vor einigen Tagen das erste Mal in seinem Wohnzimmer auf eine Trainingsstunde vorbereitete. Da Stefan Hobbie nämlich auch seit vielen Jahren ein absoluter Leistungsträger bei Fußball-Bezirksligist SV Komet Pennigbüttel ist, ist er auch bei den Lila-Weißen seit einiger Zeit schon der Experte für das Thema Fitnesstraining.

Pennigbüttels Trainer Malte Jaskosch wiederum kennt sich von Berufswegen bestens mit der Videokonferenz-App „Zoom“ aus. So war die Idee schnell geboren. Jeden Dienstagabend „treffen“ sich die Pennigbütteler Fußballer nun in der virtuellen Welt, um ein ganz reales Teamtraining durchzuführen. Eine Stunde lang spult Stefan Hobbie dann sein Pensum ab, die Spieler sehen und hören ihn alle auf ihrem Tablet, Handy oder PC. Hobbie selbst und auch Trainer Malte Jaskosch können als Administratoren sämtliche Spieler ebenfalls beobachten. Einige stehen im Garten, andere im Wohnzimmer – aber alle machen mit. „Genau aus dem Grund ist diese Form des Trainings so wichtig“, erklärt Malte Jaskosch. „Man hat das Gefühl, endlich wieder als Mannschaft gemeinsam zusammen zu trainieren.“

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Über die „Zoom“-App können sich die Spieler im Vorfeld und Nachgang der Trainingseinheit direkt untereinander austauschen, inklusive Frotzeleien und Späßchen. Ein klein wenig kommt so das von vielen so schmerzlich vermisste „Kabinengefühl“ wieder auf. Zudem ist durch die Anwesenheit des Trainers ein erhöhter Leistungswille und Ansporn automatisch gegeben. „Für uns ist das eine richtig gute Art, um in dieser Zeit als Mannschaft zusammenzukommen“, sagt Jaskosch.

Genau diesen Ansatz verfolgen auch viele andere Trainer. Vor allem im Jugendbereich stehen viele Übungsleiter derzeit vor ganz besonders hohen Hürden. Denn während man bei den Erwachsenen relativ problemlos individuelle Trainingspläne erstellen und kontrollieren kann, ist das gerade bei den jüngeren Altersstufen geradezu unmöglich – und ja auch nicht zielführend. Denn gerade in der F- und E-Jugend wollen und sollen die Kinder vor allem eines: spielen, spielen, spielen.

Deshalb sind Jugendtrainer händeringend auf der Suche nach Maßnahmen, um die Kinder auch in Corona-Zeiten zu erreichen und bei der Stange zu halten. Den meisten Coaches bleibt nichts anderes übrig, als den Kontakt zu den Spielerinnen und Spielern per Smartphone zu halten. Drei Paradebeispiele hierfür sind jetzt auf der Homepage des Osterholzer Kreisverbands anzusehen (www.nfv-osterholz.de).

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So haben beispielsweise Max Dittrich und Ole Wohltmann von der JSG Axstedt/Steden für ihre U10-Junioren verschiedenste Trainingsvideos erstellt und dann in der mannschaftsinternen WhatsApp-Gruppe nach und nach verbreitet. „Wir haben 17 kleine Videos bei uns zu Hause im Garten gedreht, die kleine Aufgaben enthalten. Von Kraft, Koordination bis hin zum Technischen ist alles vertreten. Die Übungen können mit allen Haushaltsgegenständen nachgemacht werden. Man braucht nur einen Ball und Fantasie“, erklärt Max Dittrich. Seien es Handtücher als Hütchen, Mülltonnen als Pfosten, Holzscheite als Hürden oder einfach nur eine Wand. „Eine Fensterscheibe war leider auch dabei“, fügt Dittrich augenzwinkernd hinzu.

Jeden zweiten Tag wird jetzt eines der Videos in der WhatsApp-Gruppe gepostet. „Die Aufgabe heißt dann: Macht es nach, übt und schickt euren besten Versuch“, erklärt Max Dittrich. „Das Ziel ist es, dass die Jungs Spaß an der Sache haben und auch trotz der Corona-Pause nicht auf das Fußballtraining verzichten müssen.“

Dieselbe Idee verfolgt auch Marco Nürnberg. Der U15-Trainer der JSG Steden/Hambergen hat es dabei allerdings etwas leichter, kann er doch in den direkten Kontakt zu seinen Spielern treten. „Da die Jungs alle bereits ein Smartphone haben, bin ich wie folgt vorgegangen: Zweimal pro Woche zu festen Trainingszeiten treffen wir uns alle online um 17 Uhr.“ Dann wird zusammen ein Trainingsparcours aufgebaut, der dann mehr oder weniger gemeinsam abgearbeitet wird. „Um manche Übungen zu bewerten, verlange ich hin und wieder nicht nur ein Okay im WhatsApp-Chat, sondern ebenfalls ein Video. In der ersten Trainingsstunde hatte ich mir alles als Video senden lassen. Es ist allerdings für den Trainingsfluss besser, so wenig Videos wie möglich zu verlangen“, berichtet Marco Nürnberg.

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Auf der Homepage des Kreisfußballverbands sind nicht nur Videos von der U10 der JSG Axstedt/Steden und der U15 der JSG Steden/Hambergen zu sehen. Auch Lasse Hagenbeck, Auswahlspieler der U13-Junioren der JSG Meyenburg/Aschwarden, hat dort einige Trainingsanregungen online gestellt. Gemeinsam mit Fördertrainer Volker Hopp sowie der Familie zeigt auch das Beispiel Lasse Hagenbeck eindrucksvoll, wie einfach man den heimischen Garten in eine Trainingsfläche verwandeln kann. Dennoch sind die Fußballer in einem vereint: Nichts ist so schön, wie ein echtes Teamtraining auf einem echten Fußballplatz. Spätestens seit Corona weiß das wohl jeder Kicker zu schätzen – ganz egal wie alt.

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