Cedric Grün im Portrait

Ohne Sport geht es nicht

Ohne Sport geht es bei Cedric Grün nicht. Der 17-Jährige kickt für die U19 des SC Borgfeld und ist Leichtathlet beim TV Lilienthal. Priorität hat aber der Fußball, wo er in die Regionalliga aufsteigen will.
24.07.2020, 09:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Ohne Sport geht es nicht

Für Cedric Grün wurde in Lilienthal ein spezielles Leichtathletik-Trainingsprogramm entwickelt unter Berücksichtigung seiner Fußball-Leidenschaft.

Christian Kosak

Lilienthal. Ein Tag ohne Sport ist für Cedric Grün, U 19-Fußballer des SC Borgfeld und Leichtathlet des TV Lilienthal, zwar kein verlorener, aber dafür zumindest ein sehr ungewöhnlicher Tag. „Wenn ich mein Leichtathletik- und mein Fußball-Training abziehe, bleiben noch zwei bis drei Tage in der Woche übrig. Die gehe ich dann ins Fitnessstudio“, erzählt der 17-Jährige.

Oberste Priorität genießt beim Angreifer der Fußball. Bereits im zarten Alter von vier Jahren begann er seine Laufbahn beim SV Lilienthal-Falkenberg. Mit neun Jahren wechselte Cedric Grün dann zum SC Borgfeld, wo er im vergangenen Jahr zunächst zur Regionalliga-Mannschaft des Klubs bei den B-Junioren gehörte. „Dann gab es dort ein paar Komplikationen, sodass ich mich ins zweite Team in der Verbandsliga zurückgezogen habe“, erklärt Grün.

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Mit seinen 13 Toren in der vergangenen Winterrunde trug der schnelle Angreifer erheblich zu Borgfelds drittem Platz bei. In der Sommerrunde wurde seine Formation von der Corona-Pandemie ausgebremst. Die Regionalliga kennt Cedric Grün noch gut aus seiner Zeit bei den C-Junioren des TuSpo Surheide, mit denen er unter Coach Mario Cordes auch den Klassenerhalt schaffte. Später wurde Cordes auch der Übungsleiter von Cedric Grün bei den Borgfelder B-Junioren. „Ich wollte mich weiterentwickeln und hatte deshalb das Angebot von Surheide angenommen. Meine Eltern haben mich bei diesem sehr aufwendigen Projekt mit viel Fahrerei toll unterstützt“, betont der Youngster. Bis vor Kurzem hatte er auch noch den Traum, einmal Fußball-Profi zu werden. Diese Sehnsucht hat er aber nun beiseite geschoben: „Ich kann mich selbst ganz gut einschätzen. Ich bin zwar nicht schlecht. Aber es gibt eben auch noch Fußballer, die es besser können als ich.“

Um Profi zu werden, hätte Grün wohl in eines der Leistungszentren der großen Klubs wie Werder Bremen, Hannover 96 oder VfL Wolfsburg gehen müssen. „Dort gibt es dann doch noch andere Möglichkeiten“, so der Stürmer. Aber immerhin nahm Cedric Grün bereits am Stützpunkttraining des Deutschen Fußballbundes (DFB) teil. „Aber ich gehörte eben noch nie zu einer Nationalmannschaft. Deshalb wird es auch nichts mehr mit einer Profi-Laufbahn“, gibt der 17-Jährige zu bedenken.

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Vor sieben Jahren begann Grün auch noch eine Laufbahn in der Leichtathletik. „Das mache ich aber nur als Ausgleich zum Fußball und um meine Kondition zu halten“, versichert der Allrounder. Sein Trainer beim TV Lilienthal, Jan Petermann, ist voll des Lobes über seinen Schützling: „Cedric ist sehr trainingsfleißig und arbeitet auch im Studio zielgerecht nach Vorgaben.“ Grün weise eine gute Trainingseinteilung und ein gutes Tempogefühl auf. „Cedric ist auch selbstbewusst und weiß, was er kann und aber auch noch nicht kann“, ergänzt Petermann. Sein Schützling sei insgesamt ein ruhiger, freundlicher und ehrgeiziger Sportler, mit dem es Spaß mache zu arbeiten. „Um so leichter fiel es mir, ihm auch ‚Personal‘-Training zu geben“, sagt Jan Petermann. Der Lehrer erarbeitete ein spezielles Trainingsprogramm für Cedric Grün unter Berücksichtigung seiner Fußball-Leidenschaft. Grün gibt die Komplimente gerne zurück: „Jan ist ein super Trainer.“ Grün wechselt zur Belastungssteuerung täglich die Sportart.

Eine große „Waffe“ des Elftklässlers im Fußball ist seine Geschwindigkeit, die er sich nicht zuletzt auch durch sein Leichtathletik-Training erarbeitet. Deshalb setzen ihn seine Übungsleiter auch gerne auf den Flügeln ein. „Zuletzt habe ich aber mehr in der Sturmmitte gespielt“, berichtet der Sportler. Dort kann er auch seinen in vielen Einheiten im Fitnessstudio aufgebauten, sehr athletischen Körper einsetzen. Das sollen auch die Gegner des SC Borgfeld in der kommenden Saison in der Bremer Verbandsliga der A-Junioren zu spüren bekommen. „Unser klares Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga“, sagt Cedric Grün. Deshalb möchte er auch künftig nicht mit Toren geizen. „Ich bin halt sehr schnell und habe einen relativ guten Schuss“, beschreibt der Gymnasiast selbst seine Stärken auf dem grünen Rasen.

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In der Leichtathletik konzentriert sich Cedric Grün inzwischen auf die Sprint-Disziplinen. Das war aber nicht immer so. Vor vier Jahren stellte Grün, damals noch für den TV Eiche Horn startend, in 2:28,49 Minuten einen neuen Bremer Landesrekord bei den Jungen M 13 über die 800 Meter auf. Später verbesserte er seine persönliche Bestzeit über diese Distanz sogar noch um vier Sekunden. Sein letzter Wettkampf in der Leichtathletik liegt aber nun aber auch unabhängig von der Corona-Krise schon einige Monate zurück.

„Ich habe einfach keine Lust darauf, mir eine Medaille zu erkämpfen, wenn ich dabei unter meinen Möglichkeiten bleibe“, sagt Cedric Grün. Seinen sportlichen Weg und den seines vier Jahre jüngeren Bruders und Klubkollegen beim TV Lilienthal, Linus Grün, hat deren Vater Matthias Grün vorgegeben, der vor vielen Jahren beim SV Werder Bremen als Leichtathlet unterwegs war. „Er hat uns zwar nicht gerade zum Sport gezwungen, es aber schon sehr deutlich gewollt“, erklärt der Schüler, dem es am Gymnasium in Lilienthal nicht möglich ist, Sport als Leistungsfach zu wählen. „Der Kurs findet wegen zu weniger Teilnehmer nicht statt“, bedauert der angehende Zwölftklässler. Deshalb ersetzt er nun den Sport durch Deutsch als Prüfungsfach zwei.

Der Werder-Fan ist heilfroh, dass die Grün-Weißen in der Fußball-Bundesliga mit der erfolgreichen Relegation gegen den 1. FC Heidenheim noch so gerade eben die Kurve in Sachen Klassenerhalt bekommen haben. „Dabei hat sich Werder aber nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, räumt Cedric Grün ein. Auch wenn Werders Milot Rashica ihm vom Spielertypen ähnele, habe er keine Vorbilder mehr im Fußball. „Früher war mal Neymar mein Idol. Diese Zeiten sind aber jetzt vorbei“, lässt der Aktive wissen.

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