Reiterin Pia Gerding im Interview

„Das ist ein riesiger Entwicklungssprung“

Pia Gerding arbeitet Vollzeit im Bereich Kommunikation und reitet nebenbei ihre eigenen sowie ein paar Pferde aus der Zuchtgemeinschaft Fuhlrott-Kuhn.
17.10.2019, 12:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Inga Albrecht
„Das ist ein riesiger Entwicklungssprung“

Mit minimalen Erwartungen in die Saison gestartet, wurde Pia Gerding vom RFV Pennigbüttel, hier auf Care for Life, maximal überrascht. 2019 war für die Reiterin ein extrem erfolgreiches Jahr.

Brockmann

Frau Gerding, nachdem Care for Life in der vergangenen Saison verletzungsbedingt lange hatte aussetzen müssen, war 2019 für Sie ein Neustart in den höheren Springprüfungen. Auch Goldfinch Giulietta kam erst im Oktober 2018 zu Ihnen. Mit welcher Einstellung sind Sie in die Saison gestartet?

Pia Gerding: Im Winter hatte ich so einige Schwierigkeiten mit Care for Life, sodass ich teilweise wirklich niedergeschlagen war. Im Grunde habe ich daran geglaubt, dass es funktionieren kann, weil ich es unbedingt wollte, aber ab und zu kamen mir Zweifel. Auch mit Goldfinch Giulietta war es nicht einfach, da sie beim Springen immer so losstürmte, sodass es sehr unkontrolliert wurde. Ich habe mir kleine Ziele gesteckt und wollte einfach wieder in den L- und M-Springen Fuß fassen. Ich hätte nie damit gerechnet, dass es 2019 schon so gut läuft.

Wer hat Sie in dieser Zeit unterstützt?

Meine Freunde, vor allem meine Reitermädels, haben mich in dieser Zeit immer wieder aufgebaut. Aber natürlich auch meine Mutter Dörte, die selbst bis zur Klasse S springt, unterstützt mich immens. Ohne sie wäre der Sport in diesem Ausmaß neben meinem Vollzeitberuf unmöglich.

Bei dem Hintergrund bietet es sich an, auch zu Hause zu trainieren. Funktioniert das?

Natürlich ist es nicht immer einfach, mit meiner Mutter auch zusammen zu trainieren. Aber das klappt mittlerweile ganz gut. Im Training überlegen wir dann gemeinsam, wie wir etwas verbessern können und sprechen ganz sachlich darüber. Ich fahre zum Springtraining allerdings auch ab und zu Richtung Hamburg.

Mittlerweile liegt die Saison 2019 hinter Ihnen. Was war für Sie besonders?

Mein größter Erfolg war es, dass ich mit der erst sechsjährigen Care for Life in Worpswede das erste Mal eine Springprüfung der Klasse M* gewinnen konnte. Zu Anfang der Saison habe ich davon geträumt, mit ihr eine Springpferdeprüfung Klasse L zu gewinnen. Jetzt hat sie gegen viel erfahrenere Pferde das M*-Springen für sich entschieden. Das war ein riesiger Entwicklungssprung für uns. Wir haben 2019 mit Springen der Klasse A* angefangen und letztendlich mit einem M-Sieg aufgehört. Rückblickend war insgesamt die Entwicklung der beiden Pferde, die ja auch noch jung sind, einfach toll.

Und was lief nicht so gut?

Ich mache mir oft zu viele Gedanken über mein Reiten im Parcours. Ich überlege dann eine Sekunde zu lange, wenn die Entscheidung schon hätte fallen müssen und handele nicht impulsiv. Ich denke, vielen Reitern geht es so, dass man immer denkt, man hätte etwas besser machen können.

Wie würden Sie ihre zwei Pferde beschreiben?

Sie sind beide ganz unterschiedlich. Goldfinch Giulietta ist sehr lieb und ehrlich. Sie hat mich im Parcours schon oft gerettet, wenn ich sie als Reiterin nicht ausreichend unterstützt habe. Da ist sie wirklich eine Kämpferin. Carly ist manchmal etwas stürmisch und kann auch mal losbocken. Da ich sie aber schon als Vierjährige bekommen habe, ist jeder Erfolg mit ihr etwas ganz Besonderes. Mit ihr habe ich mir viel mehr selbst erarbeitet.

Nachdem die Saison 2019 nun abgeschlossen ist, welche Ziele stecken Sie sich für 2020?

Wenn es gut läuft und wir an die diesjährigen Ergebnisse anknüpfen können, wollen wir natürlich einen Schritt weitergehen und in der nächsthöheren Klasse, also M**, starten.

Und langfristig?

Langfristig wäre es natürlich schön, auch in S-Springen starten zu können. Ich denke da aber erst mal nur Schritt für Schritt und versuche, die Ziele für das kommende Jahr umzusetzen.

Das Gespräch führte Inga Albrecht.

Info

Zur Person

Pia Gerding

arbeitet Vollzeit im Bereich Kommunikation und reitet nebenbei ihre eigenen sowie ein paar Pferde aus der Zuchtgemeinschaft Fuhlrott-Kuhn. Sie startet für den RFV Pennigbüttel und übertraf in der vergangenen Reitsport-Saison ihre eigenen Erwartungen. Nachdem Gerding ihre ehemaligen Springpferde aus dem Sport genommen hatte, arbeitete sie zwei Jahre lang mit der mittlerweile sechsjährigen Stute Care for Life, um wieder ein Pferd für die höheren Prüfungen zu haben. 2019 startete „Carly“ erstmalig außerhalb der Jungpferdeprüfungen. Die siebenjährige Stute Goldfinch Giulietta kam erst im vergangenen Herbst zu der jungen Reiterin in den Stall. Beide Tiere gehören Dr. Michaela Fuhlrott. Trotz neuer Strukturen gingen in diesem Jahr insgesamt 13 Siege und etliche Platzierungen auf Gerdings Konto.

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