Reitsport

„Es werden mehr Turniere stattfinden“

Die zweite Vorsitzende des Kreisreitverbandes, Dörthe Kuhn, äußert sich im großen Interview zur aktuellen Situation im Osterholzer Reitsport.
03.04.2021, 11:37
Lesedauer: 5 Min
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Von Timo Flathmann
„Es werden mehr Turniere stattfinden“

Die Reiter aus dem Landkreis Osterholz (hier Stefan Neumann mit Lord Legendario vom RV Worpswede) freuen sich auf die anstehende Saison - auch wenn diese ganz anders aussehen wird, als normalerweise üblich.

*SANNI!*
Frau Kuhn, war Ihr erster Gedanke, als nach einem Jahr der Coronavirus-Pandemie plötzlich ein Herpes-Ausbruch den Reitsport lahmgelegt hat?

Dörthe Kuhn: Ich dachte nur: Oh Gott, jetzt können wir wieder nicht zum Turnier.

Und dann wurden die Erinnerungen aus dem letzten Jahr geweckt?

Wir hatten ja im letzten Jahr einige Turniere, die wir reiten konnten, da wir ja dem Montagsclub angehören, und der dortige erste Vorsitzende hat es ja tatsächlich hinbekommen, dass wir in Luhmühlen auf einem abgesperrten Gelände reiten konnten.

Der Montagsclub hatte da ja im letzten Jahr auch recht frühzeitig eine Art Modellversuch gestartet.

Genau. Und das hat auch sehr viel Spaß gemacht. Wir konnten also schon los zu Turnieren, und dort war es auch nicht so überfüllt. Es war aber anders. Der Volksfestcharakter mancher Turniere, den zum Beispiel das Pfingstturnier des RFV Pennigbüttel hat, war nicht möglich. So gab es ja beispielsweise nur abgepackte Brötchen oder Flaschengetränke. Das ist aber natürlich auch nicht das, was sportlich im Vordergrund steht. Wir waren einfach froh, dass wir Reiten konnten. Und so konnte beispielsweise der RFV Hüttenbusch im letzten Jahr gleich drei Turniere ausrichten. Dieses Jahr wird es dann sogar etwas mehr. Der RFV Hambergen wird sein Turnier ausrichten, Pennigbüttel auch, Hüttenbusch wird auch das Turnier durchführen, und auch das Kreisturnier wird stattfinden, wobei wir dort noch einmal die Ausschreibung ändern müssen, da Springen und Dressur an separaten Tagen stattfinden sollen. Hinsichtlich des Herpes-Virus müssen die Reiter eine Fiebertabelle anlegen und ein Attest abgeben, dass das teilnehmende Pferd in den letzten 21 Tagen in einem seuchenfreien Stall gestanden hat.

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Inwiefern wurde und wird denn die Herpes-Problematik beim Kreisreiterverband behandelt?

Wir müssen jetzt erst mal sehen, wie es weitergeht. Ich denke, die meisten Turnierpferde sind geimpft. Dann können die Pferde zwar grundsätzlich noch erkranken, aber die Virenlast ist bei vielen geimpften Pferden nicht so hoch, und dann ist das Ansteckungsrisiko auch nicht so hoch. Aber man muss natürlich die Hygienevorschriften beachten, dass man keinen Eimer oder Strick mehr verleiht. Es ist ein bisschen so wie mit dem Coronavirus. Und wenn das gegeben ist, werden auch die Turniere stattfinden.

Wie gefährlich schätzen Sie das Herpesvirus ein, das in Valencia für den Ausbruch gesorgt hat?

Ich möchte es definitiv nicht bei unseren Pferden haben, vor allem wenn man die Bilder aus den Medien gesehen hat. Die Bedingungen in Valencia waren aber wohl auch schlecht, und es waren viele ungeimpfte Pferde da.

Im Zusammenhang mit dem Ausbruch wurde den Veranstaltern ja auch Vertuschung vorgeworfen.

Ja, das habe ich auch gehört.

Vor kurzem hatte ja der Tierarzt Andreas Friedrichsen im Gespräch mit dieser Zeitung für eine Impfpflicht plädiert. Wie stehen Sie dazu?

Bei den Rennpferden ist es ja tatsächlich schon seit Jahren so. Ich kann jedenfalls nicht verstehen, wenn Leute ihre Pferde nicht impfen lassen. Das sind vielleicht 100 Euro im Jahr, und der Reitsport ist ohnehin teuer. Darauf kommt es dann auch nicht mehr an. Die Influenza-Impfung ist ja auch schon lange Pflicht für Turnierpferde. Früher haben einige Pferde gehustet oder Ähnliches, aber seitdem es die Impfpflicht gibt, ist es viel besser geworden.

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Haben sich Vereine aus dem Kreisgebiet bei Ihnen proaktiv gemeldet?

Nein, noch nicht. Wir wollten uns aber demnächst noch einmal treffen, wobei das aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht möglich und dann nur telefonisch machbar ist. Es ist eigentlich immer im Frühjahr so, dass es Herpes-Ausbrüche gab, die aber nicht so gravierend waren und auch nicht so durch die Medien getragen wurden.

Seit dem 29. März sind seitens der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) reiterliche Veranstaltungen wieder erlaubt. Halten Sie das für richtig?

Ich denke, dass das in Ordnung ist. Es ist ja auch mehr oder weniger ein Einzelsport, und wir persönlich sind ja auch in unserer Reitanlage unter uns. Bei uns liegt aber eine Desinfektionsmatte, auf die jeder treten muss, wenn er den Stall betritt. Handdesinfektion und Papiertücher haben wir auch. Und wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden, dann geht das. Und meine Tochter und ich fahren auch wieder zu den Turnieren. Ich bin definitiv dafür.

Das EHV-1 Virus ist weder melde-, noch anzeigepflichtig gegenüber den Behörden. Wären Sie für solche Pflichten?

Ich würde das gut finden, wenn es entsprechende Pflichten geben würde. Dann wäre man auf der sicheren Seite.

Nun beschäftigt aber ja auch das Coronavirus weiterhin den Reitsport. Im letzten Frühjahr hatte der erste Vorsitzende des Kreisreiterverbandes, Ulrich Greinert gesagt, dass die Saison maximal in Ansätzen stattfinden könne. Glücklicherweise konnten dann doch mehr Veranstaltungen als gedacht stattfinden. Blicken Sie optimistisch auf die kommende Reitsaison?

Ja, schon! Es werden Turniere stattfinden, und auch mehr, als im letzten Jahr. Außerdem gewöhnt man sich ja auch langsam an die Hygienevorschriften. Es gibt aber ja auch beispielsweise Startplatzbegrenzungen, und wenn Nennungsschluss ist, glühen die Drähte, und dann sind die Systeme überlastet. Die Leute wollen alle los zum Turnier.

Mit welchen Problemen werden denn die Reitvereine auch weiterhin konfrontiert?

Ein großes Problem sind die Toiletten, da die Räumlichkeiten oft klein sind. Da müsste man dann mit zusätzlichen Toilettenwagen arbeiten, und das wird dann auch wieder teurer. Abstände kann man ansonsten auf dem Gelände ja sehr gut einhalten. Der RFV Hambergen wird in diesem Jahr jeweils aber nur einen Spring- und Dressurplatz herrichten, damit nicht so viele Leute gleichzeitig auf dem Gelände sind. Auch die Startplätze werden begrenzt.

Wie sehen die Rückmeldungen der Vereine hinsichtlich eventueller Mindereinnahmen aus?

Das hält sich bisher noch in Grenzen. Ich weiß aber, dass viele Vereine ihre Einnahmen durch die Küche reinholen, und das fällt jetzt ja flach. Da haben natürlich die Vereine Angst, dass sie ein Minus einfahren. Wir vom Kreisreiterverband haben gesagt, dass wir da sportlich denken müssen und gerne ein Turnier aufziehen möchten. Und wenn wir dort ohne Gewinn rausgehen, dann ist das halt so. Der Sport sollte im Vordergrund stehen. Es sind im letzten Jahr auch viele Turnierreiter zu kurz gekommen, da ja zunächst nur die Berufsreiter losdurften. Erst später wurden die Turniere für die Amateure geöffnet.

Wie schätzen Sie die Situation der Reitschulen aktuell ein?

Das ist nicht einfach. In Hambergen handhaben wir es aber so, dass die Reitschüler für die Bewegung der Schulponys verantwortlich sind. Da ist dann aber natürlich kein Verdienst dran. Einzelunterricht wird aber ja auch wieder erlaubt. Es spricht in meinen Augen aber ja auch nichts dagegen, wir sind ja draußen.

Sind die Vereine ihrer Verantwortung während der Pandemie gerecht geworden?

Ja, das denke ich. Beim RFV Hambergen und auch in Pennigbüttel gibt es beispielsweise eine App, mit der man sich eintragen konnte, wann man in den Stall geht, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig dort sind, und das hat gut geklappt. Andere Anlagen haben es mit Listen, in die man sich einträgt, gemacht.

Viele haben die FN im Gegensatz zu den Verbänden anderer Sportarten als starken Interessenvertreter wahrgenommen. Sie auch?

Das war schon eine Stütze, auch mit den ganzen Informationen. Da gab es jeden Tag etwas Neues zum Coronavirus, aber zuletzt ja auch zum Herpesvirus. Daran konnte man sich als Verein und Reiter sehr gut orientieren. Ich schließe mich dem also an.

Welche Hoffnungen haben Sie für die diesjährige Reitsaison?

Ich bin optimistisch und ich freue mich auf die Saison, auch wenn es nicht ganz so große Turniere werden und man etwas weiter fahren muss. Im Kreisverband haben fast alle Vereine ein Turnier angemeldet.

Das Gespräch führte Timo Flathmann
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