Interview mit Osterholzer Spielausschuss

„Doppelrunde nicht mehr möglich“

Wie und wann geht es weiter? Mit diesen Fragen beschaftigen sich auch Ralf Müller vom Spielausschuss des Kreises Osterholz. Für ihn steht schon fest, dass die Doppelrunde in der Kreisliga entfällt.
20.11.2020, 14:00
Lesedauer: 4 Min
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„Doppelrunde nicht mehr möglich“
Von Dennis Schott
„Doppelrunde nicht mehr möglich“

Hofft, dass es im März wieder losgehen kann: Kreisspielausschuss-Vorsitzender Ralf Müller.

Reiner Tienken

Herr Müller, das Trainings- und Spielverbot ist durch den Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) bis Jahresende verlängert worden. Ist das die richtige Entscheidung?

Ralf Müller: Auf jeden Fall. Im Dezember ist nichts möglich, und die Pause musste einfach verlängert werden in meinen Augen.

Sie sind als Vorsitzender des Spielausschusses für die Ansetzungen verantwortlich. Das muss für Sie doch ein ziemlich herausforderndes Jahr sein, oder?

Im Moment ist es nicht besonders schwierig, weil ich die Spiele gerade ja nur absetzen muss. Da macht es mir die EDV einfach. Das sind nur wenige Klicks, also das ist keine große Herausforderung.

Noch keine große Herausforderung, muss man sagen. Denn je länger die Pause dauert, desto schwieriger wird es sein, alle Spiele unter einen Hut zu kriegen, wenn wieder gespielt werden darf.

Das stimmt, die Herausforderung wird kommen. Entscheidend dabei ist, wann es wieder losgehen kann. Und wenn ich das weiß, kann ich erst überblicken, was überhaupt noch machbar ist. Sprich, wie viele Spiele noch stattfinden können. Was für mich jetzt schon feststeht, ist, dass wir in der Kreisliga und 1. Kreisklasse keine Doppelrunde mehr austragen können, wie sie im September geplant war. Wäre nicht dieser neuerliche Rückschlag gekommen, hätten wir das umsetzen können. Aber so wird das nicht mehr funktionieren.

Die aktuelle Hängepartie betrifft ja nicht nur die Vereine und die Aktiven, sondern auch die Funktionäre. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit zurzeit eigentlich vor? Warten Sie bis Fakten geschaffen sind, oder beschäftigen Sie sich auch mit einem „Was-wäre-wenn-Szenario“? Sprich, was wäre, wenn der Spielbetrieb wieder ab Januar oder Februar oder März wieder fortgesetzt werden darf.

Ich mache mir lose Gedanken, wie man es machen könnte. Aber ich habe noch keine große Zeit damit verbracht, schon Pläne aufzustellen, wenn es beispielsweise ab Januar wieder losgehen sollte. Ich denke, dass wir da noch mindestens eine Woche warten müssen. Ich gehe davon aus, dass am kommenden Mittwoch eine weitreichende Entscheidung in Berlin getroffen werden wird. Da wird beschlossen, ob es bei dem aktuellen Verbot bis Ende Dezember bleibt oder ob es darüber hinaus geht, bis Ende Januar etwa. Das würde mir zumindest etwas mehr Planungssicherheit geben. Vorher brauch ich mir eigentlich keine großen Gedanken zu machen. Abgesehen davon sind wir in der Lage, schnell zu handeln. Der DFB ist dabei, die Programme, mit denen man die Spielpläne erstellt, auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Sollte Fußball zum Tag x wieder erlaubt sein, könnte es aber nicht wieder sofort losgehen, oder?

Wir werden, wie es der Bremer Fußball-Verband ja auch schon seinen Vereinen versprochen hat, eine gewisse Vorlaufzeit einhalten müssen. Man kann ja nicht sagen, zum Beispiel: Am 4. Januar fangt ihr wieder an. Man muss den Vereinen die Möglichkeit geben, sich auf die Spiele vorbereiten zu können.

Sie sprechen die 14-Tage-Frist an, die der Bremer Fußball-Verband seinen Vereinen eingeräumt hat.

Ja, 14 Tage mindestens. Ich habe da auch entsprechende Rückmeldung von Spielern, die ich treffe. Die sagen: Die Zeit müsst ihr uns geben, damit wir uns vernünftig vorbereiten können. Die meisten machen zwar individuell etwas, aber das ist ja nicht mit dem normalen Training zu vergleichen. Ich denke, 14 Tage sind ein guter Zeitraum. Wenn Vereine aber drei Wochen fordern, dann wäre ich der Letzte, der dem im Wege stehen würde. Eine Vorlaufzeit muss es einfach geben.

Der Bremer Fußball-Verband hat deutlich vor dem von der Politik verhängten Verbot vier Szenarien veröffentlicht, wie die Saison zu einem Ende gebracht werden könnte. Denn auch dort war ziemlich schnell klar, dass die Doppelrunde nicht aufrecht gehalten werden kann. Wäre es für Sie denkbar gewesen, ähnliche Szenarien kundzutun, oder ist für Sie entscheidend, was die Politik macht?

Das ist natürlich ausschlaggebend. Aber wenn wir uns Gedanken machen über mögliche Varianten, dann zählt da nicht nur meine persönliche Meinung, wir würden das Ganze natürlich noch einmal im Kreis-Vorstand beziehungsweise im Spielausschuss besprechen. Anfang Dezember haben wir eine Kreisvorstandssitzung, wo wir auch Entscheidungen treffen müssen. Das mache ich aber nicht alleine. Aber wir müssen auch gucken, dass wir Alternativen haben, wie auch immer die aussehen mögen. Da muss man gucken, ob man das ähnlich wie in Bremen macht oder auch, was der NFV vorgibt. Ich muss da aber warten, was auf anderen Ebenen entschieden wird. Ich selbst habe da wenig Handlungsspielraum.

Die Frage zielte auch ein wenig darauf ab, weil es auch um Transparenz geht, um den Vereinen zumindest eine grobe Vorstellung davon geben zu können, woran sie sind und wie es nun weitergehen könnte und sie nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Sobald wir irgendwelche Entscheidung treffen oder uns irgendwelche Gedanken gemachten haben, was auf der Kreisvorstandssitzung besprochen wurde, wird den Vereinen das auch mitgeteilt. Wir entscheiden nicht im stillen Kämmerlein und geben dann vor: Ihr müsst dies, ihr müsst das. Nein, da wollen wir schon im Dialog mit den Vereinen Mittel und Wege finden, allen so gut es geht gerecht zu werden.

Es ist ganz gewiss viel Kaffeesatzleserei dabei, und trotzdem: Was ist Ihre persönliche Meinung, wie die Saison fortgesetzt werden kann?

Ich habe die Hoffnung, aber das ist wirklich nur eine Hoffnung, dass wir im März irgendwie wieder anfangen können. Zumindest mit dem Fußballspielen selbst, weil da die Ansteckungsgefahr nicht so groß ist. Das Problem ist aber, wenn bei den Spielen 30, 40, 50 Zuschauer sind, die alle auf einem Haufen stehen oder keine Maske aufhaben. Wenn wir wieder spielen dürfen, wird es mit Einschränkungen verbunden sein. Das betrifft vor allem die Kabinen und die Fahrten zu den Spielen. Die Hygienevorschriften machen wir nicht vom Kreis aus, das muss jeder Verein für sich selbst bestimmen, wie er das umsetzt. Ich gehe fest davon aus, dass das Drumherum bei Fußballspielen weiterhin anders sein wird als früher.

Und wenn ab März wieder gespielt werden könnte, wie könnte die Saison auf Kreisebene dann zu einem Ende gebracht werden?

Dann könnte man bis Juni vielleicht die Hinserie noch zu Ende spielen und dann die letzten vier Wochen in Gruppen eine Auf- und Abstiegsrunde spielen lassen. Aber das muss man dann beurteilen, wenn es wirklich so kommen sollte. Es ist nur eine Möglichkeit. Wichtig ist für mich, dass die Hinrunde zu Ende gespielt wird. Vor allem in der Kreisliga und 1. Kreisklasse. Die übrigen Ligen sind ja kleiner, da wird vielleicht noch etwas anderes möglich sein.

Das Interview führte Dennis Schott.

Info

Zur Person

Ralf Müller (54)

arbeitet seit 2000 im Spielausschuss des NFV-Kreises Osterholz, dem er seit drei Jahren vorsitzt. Er ist verantwortlich für die Ansetzungen der Herren und Frauen bis zur Kreisliga Osterholz.

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