SG Beverstedt/Wellen auf Aufstiegskurs „Dritter oder Vierter? Das interessiert doch niemanden“

Bereits vor der Saison sprach Coach Ingo Weber vom Aufstieg. Seine Mannschaft, die SG Beverstedt/Wellen, setzt die Vorgabe bislang mit Bravour um. Etwas überraschend kommt der gute Start allerdings schon.
14.01.2021, 10:48
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Beverstedt. Die SG Beverstedt/Wellen führt die Tabelle der 1. Fußball-Kreisklasse Cuxhaven, Staffel II, nach acht Begegnungen etwas überraschend an und befindet sich somit auf Kreisliga-Kurs. „Ich bin ein Trainer, der ein Ziel braucht und gebe deshalb auch nicht aus, Dritter oder Vierter zu werden. So etwas interessiert doch niemanden“, informiert SG-Coach Ingo Weber darüber, dass der Aufstieg auch das erklärte Ziel vor der Saison war.

„Die Mannschaft gibt es aus meiner Sicht auch von der Struktur her“, versichert der 47-Jährige. Dabei hatte die Spielgemeinschaft in der vergangenen Saison „nur“ Rang sechs belegt. „Wenn wir aber nicht völlig unnötig fünf Punkte gegen den Vorletzten Hymendorfer SV und gegen Schlusslicht SG Langenfelde liegen gelassen hätten, wären wir zumindest Dritter gewesen“, rechnet Weber vor. Hymendorf blieb auch in dieser Saison das Schreckgespenst des Titelkandidaten. Nach der 0:3-Schlappe in der vergangenen Serie kassierte dieser beim 3:7 auch in dieser Spielzeit seine einzige Schlappe gegen den Außenseiter.

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Ansonsten lief es aber rund bei den Rot-Schwarzen, obwohl Leistungsträger Leon Corovic verletzungsbedingt nur zu zwei Kurzeinsätzen kam. Der Sohn des Ex-Beverstedters Erol Corovic hatte vor eineinhalb Jahren nach Stationen beim TSV Wehdel und beim TSV Stotel Angebote anderer Klubs ausgeschlagen, um wieder nach Beverstedt zurückzukehren. Ohne Corovic mussten es andere in der Offensive richten. Dabei ging Hauke Kortegast trotz seiner bereits 35 Jahre wieder voran. „Angesichts seiner Technik und seiner Beidfüßigkeit kann ich gar nicht verstehen, weshalb Hauke noch nicht in der 3. Liga oder ähnlich höherklassig gespielt hat“, sagt Ingo Weber. Kortegasts vier Saisontreffer werden aber sogar noch von Luca-Alexander Schuprin mit sechs Toren übertroffen.

Der Klassenprimus kann sich aber auch noch auf zwei weitere Oldies verlassen. Der 38-jährige Dennis Schäfer hält mit seiner enormen Routine die Abwehr zusammen. „Dennis macht den jungen Spielern noch viel vor“, lobt Weber den ehemaligen Kicker des FC Bremerhaven. Seinen Torriecher hat der Abwehrchef aber auch noch nicht verloren. Schäfer weist bereits vier Saisontreffer auf. Zwischen den Pfosten sticht zudem Kim Staschen hervor. Der 35-Jährige war zwar eigentlich nur als Standby-Keeper gedacht, absolvierte aber wegen der Ausbildung von Stammtorhüter Mario Elberling mehr Partien als der Neuzugang vom MTV Bokel. „Kim strahlt sehr viele Ruhe auf seine Vorderleute aus und führt seine Mannschaft von hinten“, schwärmt Ingo Weber. Über diese Ausstrahlung könne Mario Elberling wegen seiner fehlenden Erfahrung noch nicht verfügen, so Weber.

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Neben Mario Elberling war mit Kevin Grossmann noch ein zweiter Akteur vom MTV Bokel zum Nachbarn gestoßen. „Beides gute Leute“, frohlockt Ingo Weber. Außerdem hob der Heilpädagoge, der als Teamleiter in einer Einrichtung für psychisch Kranke tätig ist, noch die Leistungen von Alexander Boos und David Rosenbrock hervor. „Die beiden treten sehr dominant im Mittelfeld auf und waren vor allem in den Spielen gegen den FC Lune, TSV Wehdel, TV Langen und gegen die SG Blau-Weiß Stubben wichtige Bausteine für unsere souveränen Siege“, betont Weber. Leichtathlet David Rosenbrock überzeugt auch durch sein riesiges Laufpensum. „David rennt jedes Mal wie ein Bekloppter“, drückt es Weber etwas salopp aus.

„Für uns hängt der Erfolg auch immer von der Qualität des Trainings ab. Wir haben viele Schichtarbeiter im Team. Wenn aber alle da sind, haben wir eine gute und motivierte Mannschaft“, lässt Weber wissen. Immer wieder mussten die Beverstedter wegen Verletzungen improvisieren. „Deshalb verlangen Jörn Schuprin und ich auch eine hohe Flexibilität von den Spielern. Es geht einfach nicht, wenn einer kommt und sagt, er könne nur als Rechtsaußen auflaufen“, sagt Weber. Durch die variable Einsetzbarkeit der Spieler vermochte der Erste sogar den Ausfall des gelbgesperrten Hauke Kortegast zu kompensieren. Auch ohne Kortegast gelang dem Aufstiegskandidaten ein ungefährdeter 5:0-Erfolg über den Lokalrivalen und Mitfavoriten FC Lune. Das war Ende Oktober des vergangenen Jahres. Danach kam der zweite Corona-Lockdown.

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Ingo Weber traut seinen Schützlingen den Aufstieg in die Kreisliga zu. „Ich bin in dieser Hinsicht optimistisch. Es wäre aber auch die falsche Herangehensweise, nicht daran zu glauben“, erklärt Weber. Der 47-Jährige glaubt auch, dass seine Mannschaft in der Kreisliga Cuxhaven mithalten könnte: „In Testspielen konnte man sehen, dass der Unterschied zwischen den Ligen nicht so groß ist.“ Bei Neuzugängen wollen er und Teammanager Dennis Schäfer darauf achten, dass diese auch einen Bezug zur Spielgemeinschaft haben. „Wir wollen keine Söldner holen, die Geld verdienen wollen. Das gibt es bei uns schließlich nicht“, versichert der Schiffdorfer.

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Zur Sache

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Für Ingo Weber ist es schon das zweite Mal, dass er die SG Beverstedt/Wellen trainiert. Bereits vor viereinhalb Jahren hatte er das Team in der 2. Kreisklasse als Vorjahreselfter übernommen, mit dem er dann nach einem sechsten Platz im ersten Jahr in seiner zweiten Saison als Meister in die 1. Kreisklasse Cuxhaven, Staffel II, aufstieg.

„Ich hatte vor viereinhalb Jahren eine Mannschaft mit lauter 18-Jährigen übernommen, in der ich aber durchaus Potenzial entdeckte. Es fehlten nur das Selbstvertrauen und ein gewisses Spielverständnis“, sagt Ingo Weber. Doch nach zwei Spielzeiten trat er aus privaten Gründen von seinem Amt zurück. „Ich wollte eine Pause einlegen, weil ich Vater von Zwillingen wurde“, berichtet der Coach. Thomas Homann löste diesen deshalb ab, war aber noch vor Ende der Hinserie schon wieder Geschichte.

Jörn Schuprin und Dennis Schäfer sprangen in der zweiten Saisonhälfte als Übungsleiter ein. Ingo Weber kehrte dabei als Spieler zurück. Im Alter von 45 Jahren half dieser im Sturm aus. „Ich hatte den Kontakt zur Mannschaft nie verloren und auch bei den Spielen zugeschaut“, verrät Ingo Weber. Zur Saison 2019/2020 nahm dieser dann auch das Traineramt wieder selbst in die Hand. Jörn Schuprin steht ihm seitdem als Co-Trainer zur Seite.

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