eFootball

Zocken als Ergänzung

eSport, nicht nur in Zeiten von Corona, ist im Kommen. Der Niedersächsische Fußball-Verband will der steigenden Nachfrage gerecht werden und sieht hierin auch eine Chance für die Vereine.
14.04.2020, 09:26
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Lukas Grundmann

Osterholz-Scharmbeck. Robin Hilker ist bereits mitten im Spiel. FIFA 20, Onlinepartie, 84. Minute, er führt mit 1:0. „Moment, ist gerade etwas brenzlig“, sagt er und bleibt auf den Bildschirm vor ihm fokussiert. Am Ergebnis ändert sich in den verbleibenden sechs Minuten nichts mehr. Robin Hilker ist zufrieden. Sein knappes Resümee: „Das hätte auch anders ausgehen können.“

eFootball – so lautet also die sportliche Antwort auf das Coronavirus und die damit einhergehenden Konsequenzen für jeden einzelnen Fußballer. Der Ball rollt nicht mehr – weder auf der großen Bühne noch auf den Plätzen der Kreise und Kommunen. Auf dem Bildschirm rollt der Ball indes schon – noch mehr, als er es bislang tat. Der Stellenwert des eFootball wächst, und das nicht erst seit der Corona-Krise und nicht mehr nur bei Spielern, sondern auch in den Verbänden.

Während die Umsätze im professionellen eSport sukzessiv steigen, hat der Amateursport lange gebraucht, um sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Im vergangenen Jahr richtete der Niedersächsische Fußballverband (NFV) mit dem NFV-eFootball-Cup erstmalig einen Wettbewerb der besten virtuellen Fußballer in Niedersachsen aus. In Zweierteams traten die Teilnehmer an der Konsole gegeneinander an. Die Meldung über den Ausgang der Spiele erfolgte durch die Vereine, mindestens ein Spieler pro Team muss dabei im meldenden Verein Mitglied und Passinhaber beim NFV sein. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Aufgrund seiner Präsenz und Ausbreitung im Onlinesport wird das Turnier an der Playstation 4 ausgetragen. Die Spielstärken der auszuwählenden Vereine sind identisch, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Was die Frage nach der Anerkennung des virtuellen Fußballs als Sport betrifft, positioniert sich der NFV in seinem „Leitfaden eFootball“ deutlich. So wird Günter Distelrath, Präsident des Regionalverbandes, zitiert: „Ich bin überzeugt, dass eFootball als Ergänzung zum echten Fußball im Verein eine Zukunft hat und für die Amateurvereine eine Chance sein kann, neue Mitglieder anzusprechen und an sich zu binden.“

Im Landkreis Osterholz wurde Mitte November vergangenen Jahres der Grundstein für den virtuellen Sport gelegt. 15 Teams verschiedenster Vereine fanden den Weg ins Vereinsheim des SV Blau-Weiß Bornreihe, das der NFV in Person von Fred Michalsky mit Unterstützung von Bornreihes Spartenleiter Dennis Böschen und Wirt Andre Wulf zum Austragungsort der FIFA-Kreismeisterschaft hergerichtet hatte. Für den Gastgeber zog auch Robin Hilker ins Feld. Zusammen mit Teamkollege Marvin Alter qualifizierte sich der 20-jährige Kicker, der etatmäßig für die zweite Mannschaft der „Moorteufel“ aufläuft, als eine von drei Mannschaften für den eFootball-Cup des NFV. Beide sind sich einig: „Der ‚echte‘ Fußball gehört zwar an erste Stelle, aber der Zweikampf an der Konsole ist eine gute Erweiterung, in der Zeit von Social Distancing auch eine willkommene Alternative.“

Beim eFootball-Cup des NFV handelte es sich bis vor Kurzem um das einzig überregionale Ereignis, das der Verband in der virtuellen Welt bislang veranstaltet hat. Nahezu jeder niedersächsische Kreisverband hat in Vorbereitung auf diesen Wettbewerb einen regionalen Titelkampf durchgeführt. Und das Angebot wächst. So wurde Anfang April die eFootball-Oberliga ins Leben gerufen (siehe unten stehende Artikel). Befürworter finden sich unter den Teilnehmern der bereits bestehenden Wettbewerbe allemal: „Der eFootball hat schon eine relativ große Bedeutung für mich“, spricht sich der Bornreiher Marvin Alter für die Erweiterung des bisherigen Angebots aus. „Ein Ligasystem, das einen virtuellen Vergleich auf Kreisebene ermöglicht, könnte ich mir daher gut vorstellen.“

Im Verband hat man die Zeichen der Zeit derweil erkannt. „eFootball kann Teilhabe ermöglichen und aus Vereinsheimen (wieder) gesellige Treffpunkte machen. Perspektivisch geht es uns darum, dass wir – an der Seite des DFB sowie unserer Kreise und Bezirke – für die Vereine einen nachhaltigen eFootball-Spielbetrieb ab Kreisebene konzipieren“, äußert sich NFV-Präsident Günter Distelrath auf der Internetseite des Verbands.

Bei allem Bemühen um den Ausbau der virtuellen Fußball-Variante stößt der Verband auch auf Widerstände. Denn nach der aktuellen Rechtslage stellt eFootball den für Vereine wichtigen Aspekt des gemeinnützigen Zwecks (angeblich noch) nicht dar, wie der Verband in seinem Leitfaden festhält. Investitionen dürften zum heutigen Zeitpunkt nicht aus gemeinnützigen Mitteln der Sportvereine getätigt werden. Auch das mag ein Grund für die Zurückhaltung der Osterholzer Fußballvereine gegenüber der virtuellen Sportart beim letztjährigen Staffeltag sein. „Die Zielgruppe ist zwar Turnieren gegenüber aufgeschlossen, gespielt wird aber für gewöhnlich zu Hause“, bleibt Fred Michalsky vom NFV-Kreis Osterholz skeptisch, ob sich der eFootball – wie angedacht – in den Vereinsheimen etablieren wird.

Robin Hilker jedenfalls war unter anderem von der Professionalität beim eFootball-Cup begeistert: „Wir hatten das Glück, ein Duell in Hannover in der Halle auf Leinwand und kommentiert auf der Streaming-Plattform 'Twitch' erleben zu dürfen. Die Gruppe der eSportler ist sehr homogen, man trifft vornehmlich Fußballer im Alter zwischen 18 und Ende 20“, stellt er klar, um nicht zuletzt auch die „gesellige Stimmung“ hervorzuheben.

Info

Zur Sache

Die virtuelle Oberliga ist gestartet

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach der Absage des Testspiels der A-Nationalmannschaft gegen Spanien Mitte März vorgelegt und die Partie nachträglich virtuell ausgetragen, nun hat der Niedersächsische Fußballverband nachgezogen: Die eFootball-Oberliga ist Anfang April gestartet. Noch im März hatte der Vorschlag eines Ligensystems als Erweiterung auf Amateurebene im Raum gestanden, nun ist dieser, bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, bereits Realität geworden.

„In dieser schwierigen Zeit, in denen der Spiel- und Trainingsbetrieb ausgesetzt werden muss, kann die niedersächsische Fußballfamilie ihren Zusammenhalt dokumentieren, und eFootball gibt uns die Möglichkeit, wenigstens nicht ganz auf Fußball verzichten zu müssen“, erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath via Pressemitteilung.

17 der 18 Vereine haben sich diesem Pilotprojekt angeschlossen - unter anderem auch der FC Hagen/Uthlede. Jeder Verein schickt an den insgesamt 16 Spieltagen mindestens zwei Vertreter ins Rennen. Jedes Duell besteht aus zwei Einzelspielen, in denen die Spieler im Eins-gegen-eins-Modus gegeneinander antreten. Die Summe der beiden Einzelspiele ergibt schließlich das Gesamtergebnis. Schon am 26. April soll der erste eFootball-Oberliga-Meister ermittelt sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+