Fußball-Kreis Osterholz Alles anders als im Bezirk

Im Gegensatz zu Bezirks- und Landesliga wird im Osterholzer Fußball im Frühjahr alles auf Null gesetzt. Dadurch gibt es unter anderem mehr Spiele - aber ein Klub wird dadurch ordentlich ausgebremst.
13.10.2021, 15:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Dohr Thorin Mentrup

Landkreis Osterholz. Die Fußballer des SV Lilienthal-Falkenberg haben sich als erstes Team der Kreisliga Osterholz für die Meisterrunde qualifiziert – nach nur neun Spielen. Bereits 16 Punkte beträgt das Polster auf den SV Barisspor, der als Fünfter der Staffel B nach aktuellem Stand den Gang in die Abstiegsrunde antreten müsste. Für den Aufstiegsfavoriten Lilienthal war die Qualifikation eine Pflicht. Dass sie auf so beeindruckende Art und Weise gelungen ist, ist bald jedoch wohl nur noch auf dem Papier interessant, denn im Frühjahr geht es nach den Planungen des Kreisspielausschusses wieder von vorne los. Die Ergebnisse aus dem Herbst sollen dann keine Rolle mehr spielen.

Der zuständige Staffelleiter, Ralf Müller, bestätigt die kursierenden Gerüchte in der hiesigen Fußballszene: „Es ist tatsächlich so, dass wir es auf Kreisebene anders machen wollen als im Bezirk oder auf Landesebene.“ Soll heißen: Sofern es die pandemische Situation – und natürlich auch die meteorologische Lage – im Frühjahr zulässt, wird sowohl in der Auf- als auch in der Abstiegsrunde alles auf Null gesetzt. Die jeweils acht Teams spielen dann noch einmal eine komplette Hin- und Rückrunde, bestreiten also insgesamt 14 Partien und ermitteln damit den Bezirksliga-Aufsteiger sowie die Absteiger. „Sollten wir wie geplant Ende Februar anfangen können, dann ist das überhaupt kein Problem“, erklärt Müller. Das hieße aber: Lilienthals Super-Serie ist keine Punkte und Tore mehr wert. Ist sie damit auch bedeutungslos für Trainer Hassan Jaber? Seine Antwort ist vielsagend: „Es wäre sehr komisch, wenn wir nichts mitnehmen. Das hätte für mich mit Fußball nichts zu tun.“ Der Plan des Spielausschusses überrascht ihn.

Schließlich habe er seine Mannschaft damit motiviert, schon jetzt jede Menge Punkte für die Meisterrunde zu holen, sagt Jaber. Und in der Tat könnte kaum ein Team Schritt halten, wenn die gleiche Regelung wie im Bezirk gälte. Lediglich der VSK Osterholz-Scharmbeck II wäre nach aktuellem Stand noch in Schlagdistanz. Lilienthal-Falkenberg würde die Meisterrunde mit zwölf Zählern vor den Kreisstädtern (9) anführen. Letztere müssten für den Aufstieg allerdings darauf hoffen, dass die Erste den Sprung in die Landesliga schafft. Die Jaber-Elf hätte ein recht ordentliches Polster und könnte es in den kommenden Partien weiter vergrößern. Auch für seine Spieler sei es deshalb nicht einfach zu akzeptieren, wenn alles auf Null gesetzt würde, findet Jaber. Zwischen 18 Punkten, die sein SV Lilienthal-Falkenberg mitnehmen könnte, oder keinem liegt eben doch eine ganze (Fußball-)Welt.

Partien ohne Mehrwert

„Das würde schon wehtun“, sagt Jaber. Im Frühjahr könne die Situation bei seiner Elf ja auch ganz anders aussehen: „Vielleicht haben wir da drei, vier Verletzte“, sagt er. „Oder einfach eine schlechte Phase.“ Dann könnten andere Teams, die dem SV LiFa nun hinterherhinken, auf einmal davonziehen – und der Titelfavorit könnte am Ende mit leeren Händen dastehen. Generell hält es Jaber für am besten, alle Punkte aus der Qualifikation mitzunehmen. Schon jetzt seien manche Spiele seiner Elf gegen Teams, deren Teilnahme an der Abstiegsrunde quasi besiegelt ist, für die Zuschauer nicht mehr interessant. Allerdings ist der SV LiFa ein Extrem-Beispiel: Für die breite Masse der Kreisligisten geht es in den letzten fünf Spielen der Qualifikation noch um sehr viel. Lilienthal-Falkenberg ist mit seiner Top-Saison mit neun Siegen aus neun Spielen und 39:2 Toren eine absolute Ausnahme.

Nur acht Spiele im Frühjahr?

Ihm sei es wichtig gewesen, den Teams auch im Frühjahr die Möglichkeit zu geben, möglichst viel zu spielen, erklärt derweil Müller seine Gedankengänge. Denn wenn die Teams die Punkte aus der Herbstserie gegen die jeweiligen Konkurrenten mitgenommen hätten, dann wären es bei den Achterligen tatsächlich nur noch acht zusätzliche Punktspiele im Frühjahr gewesen.

Eine ähnliche Situation wird es in der Landesliga Lüneburg geben, wo der SV Blau-Weiß Bornreihe dann nur noch genau diese acht Partien bestreitet und deshalb wohl von November bis Mitte März spielfrei haben wird. Genau solch ein Szenario wollte Ralf Müller auf Kreisebene nicht, zumal er bei ausgefallenen Spielen im Gegensatz zum Bezirk Nachholspiele problemlos unter der Woche ansetzen kann. Dasselbe Modell wird im Kreis übrigens auch in der zweigeteilten 1. und 3. Kreisklasse angewendet.

„Vielleicht ist es etwas unglücklich, dass man im Frühjahr dann noch mal gegen die Teams spielt, gegen die man schon im Herbst gespielt hat“, gibt Müller zu. Auf der anderen Seite sei es nach der langen coronabedingten Pause sicherlich schöner, dass überhaupt wieder gespielt werden könne.

Jaber kann Müllers Argumente nur bedingt nachvollziehen. Acht Spiele im Frühjahr seien okay, dazu komme ja für vier Kreisligisten auch noch der Kreispokal, in dem es mit den Halbfinals weitergeht. „Und vielleicht lassen das Wetter und Corona auch gar nichts anderes zu und wir können erst im April starten“, ergänzt er. Diese Hintertür hält sich Ralf Müller deshalb auch offen: „Wenn absehbar ist, dass es eng wird, dann werden die Punkte eben doch mitgenommen.“ Das wäre zumindest in Jabers Sinne. Doch auch wenn das nicht der Fall sein sollte, ändere sich nichts. „Wir wollen trotzdem alle Spiele gewinnen und aufsteigen“, kündigt der LiFa-Coach an. Das Wissen um die eigene Stärke ist seiner Elf – anders als die Punkte – schließlich nicht zu nehmen.

Trotzdem könne man jetzt darüber nachdenken, die zweite Mannschaft in der 1. Kreisklasse zu stärken, überlegt der Trainer. Deren Qualifikation für die Meisterrunde ist alles andere als sicher. Das würde sicherlich den Gegner der LiFa-Zweiten nicht schmecken und für weitere Diskussionen im Kreis sorgen.

Info

So sehen die Meister- und die Abstiegsrunde aktuell aus

Meisterrunde: SV Lilienthal-Falkenberg, SV Aschwarden, TSV Wallhöfen, TSV Neu Sankt Jürgen, TSV Dannenberg, SG Platjenwerbe, SV Blau-Weiß Bornreihe II, VSK Osterholz-Scharmbeck II

Abstiegsrunde: SV Barisspor, TuSG Ritterhude II, TSV Worphausen, FC Hambergen II, TSG Wörpedorf-Grasberg, Eickedorf, VfR Seebergen-Rautendorf, SV Nordsode, 1. FC Osterholz-Scharmbeck

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