Fußball-Verbot im Landkreis Osterholz

Harte Entscheidung, diskutable Entscheidung

Der Landkreis Osterholz hat den Fußball verboten, andere Sportarten sind weiterhin erlaubt. Begründet wird das mit nachweislichen Infektionen. Dennoch dürfte die Entscheidung für viele Diskussionen sorgen.
23.10.2020, 18:21
Lesedauer: 4 Min
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Harte Entscheidung, diskutable Entscheidung
Von Tobias Dohr

Landkreis Osterholz. Es war ein ziemlich unruhiger Freitag für alle Amateursportler, vor allem die Fußballer. Bereits am Donnerstagnachmittag hatte nämlich hartnäckig das Gerücht die Runde gemacht, dass der Landkreis Osterholz am Freitag eine Allgemeinverfügung erlassen würde, in der der Sportbetrieb großflächig eingestellt wird. Und so war die Gerüchteküche knapp 18 Stunden am Brodeln, ehe Gewissheit herrschte. Wobei das mit der Gewissheit auch dann noch lange nicht so richtig klar war.

Fakt ist: Der Landkreis Osterholz hat in einer am Freitag anberaumten Krisensitzung entschieden, den Sportbetrieb ab sofort und bis auf Weiteres einzustellen. Den Fußballbetrieb wohlgemerkt (siehe nebenstehender Text). Damit steht fest, dass am bevorstehenden Wochenende keinerlei Spiele stattfinden werden. Der Kreisfußballverband reagierte daraufhin umgehend und setzte alle ursprünglich geplanten Partien ab, auch für den Freitag. Die entsprechende Allgemeinverfügung des Landkreises sollte zeitnah veröffentlicht werden, war schließlich auch ab 16.30 Uhr online nachzulesen.

So blieb aber trotzdem ausreichend Zeit, um weiter zu spekulieren. Gilt das Verbot wirklich für alle Sportarten? Betrifft es nur gewisse Ligen, beispielsweise ab Kreisliga abwärts. So hatte der Kreisverband Verden ja bereits am Donnerstagabend entschieden, dass dort ab Kreisliga abwärts alle Spiele abgesetzt werden.

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Die Bezirks- und Landesligen waren von dieser Regelung zunächst noch ausgenommen. Und was ist denn jetzt mit dem Trainingsbetrieb? Ist der auch eingestellt? Ab sofort? Wie lange? Fragen über Fragen, die am Freitag die Handys der Amateursportler zum Glühen brachten. Auslöser für die Entscheidung des Landkreises waren die aktuellen Zahlen, die das Land Niedersachsen am Vormittag verbreitet hatte. Demnach war die Sieben-Tages-Inzidenz für den Kreis Osterholz auf nunmehr 55,3 Fällen/100.000 Einwohner geklettert – und der Landkreis somit nun offiziell als Risikogebiet eingestuft.

Ralf Müller vom Spielausschuss des Osterholzer Kreisfußballverbandes bestätigte die Generalabsage für das anstehende Wochenende unmittelbar, nachdem die Vorabinfo über den Erlass der Allgemeinverfügung im Umlauf war. Demnach sollte die Verfügung eigentlich erst ab Sonnabend offiziell greifen, doch auch sämtliche Fußballspiele am Freitag wurden kurzerhand abgesagt. „Das wäre ja sonst nicht wirklich sinnvoll gewesen“, begründet Ralf Müller, der den jüngsten Schritt ebenso wie alle anderen Funktionäre bedauert, den Schritt des Landkreises aber absolut nachvollziehen kann: „Angesichts der jüngsten Entwicklung muss natürlich irgendwas unternommen werden.“

Gleichwohl sagte Müller auch, dass der Kreisfußballverband von alleine (noch) keinen Spielstopp ausgesprochen hätte. Die Gefahr einer Ansteckung beim Spiel selbst ist minimal, die eigentliche Gefahr bestehe eher vor und nach dem Spiel. Im Gegensatz zu Bremen, wo der Bremer Fußballverband bereits am Mittwoch erst einmal die Notbremse gezogen hatte, hat es im Landkreis Osterholz bis zuletzt auch kaum Mannschaften in Quarantäne gegeben. Die zweite Mannschaft des FC Hansa Schwanewede hätte an diesem Wochenende ein letztes Mal pausieren müssen. Hinzu kamen jüngst die Teams von der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf II und die dritte Mannschaft des VSK Osterholz-Scharmbeck, die am vergangenen Sonntag gegeneinander gespielt hatten und wo es im Nachgang einen positiven Fall gab. Beide Teams befinden sich deshalb derzeit komplett in Quarantäne.

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Genau diese Quarantänen würden laut Müller zeitnah zu einem großen Problem werden. „Da sitzen jetzt ungefähr 50 bis 60 Spieler und Trainer in Quarantäne und können nicht arbeiten. Das kann ja auch zu ernsthaften Problemen mit den Arbeitgebern führen“, erläutert Müller. Warum es allerdings ein derartiges Hin- und Her in Bezug auf die Ansetzungen in Bezirks- und Landesliga gegeben hätte, konnte Müller auch nicht sagen. Für ihn stand von Anfang an fest: „Es macht ja wenig Sinn, dass der Kreisfußballverband Verden sämtliche Spiele ab Kreisliga abwärts absagt und der Landkreis Osterholz den Spielbetrieb komplett untersagt, dann aber der VSK Osterholz-Scharmbeck nach Hülsen fährt, um dort ein Bezirksligaspiel zu absolvieren.“

Genau darauf stellte sich VSK-Trainer Thorsten Westphal aber am späten Freitagnachmittag ein, denn eine offizielle Absage der Partie in Hülsen gab es bis dahin nicht. Dem Gerücht, dass die Bezirks- und Landesligapartien auf Osterholzer Boden ebenfalls stattfinden würden, erteilte Müller jedoch eine klare Absage: „Es wird kein Fußball gespielt an diesem Wochenende im Landkreis Osterholz.“

Andere Sportarten hingegen – auch Hallensportarten, wo die Gefahr einer Ansteckung nachweislich deutlich höher ist – sind von der Verfügung zunächst ausgenommen. Was natürlich durchaus Anlass zu kontroversen Diskussionen gibt. Doch da die Gerüchteküche – wie gesagt – lange Zeit zum Brodeln hatte, gab es auch beim Tischtennis oder Handball viele Irritationen. Dort bleibt aber alles so, wie es zuletzt war. Das könnte sich allerdings in der kommenden Woche schon wieder komplett ändern.

Info

Zur Sache

Auszüge aus der aktuellen Pressemitteilung des Landkreises Osterholz

Der Inzidenzwert des Landkreises Osterholz ist auf über 50 angestiegen. Aktuell weist das Kreisgebiet einen Wert von 55,3 auf. Gestern Abend (Donnerstag, Anm. d. Red.) hat das Land Niedersachsen die Änderung der Corona-Verordnung bekannt gegeben. Damit gelten für den Landkreis Osterholz durch den Status als „Risikogebiet“ ab sofort strengere Regelungen. Dies betrifft insbesondere private Feiern und Zusammenkünfte. Im Rahmen einer Allgemeinverfügung hat der Landkreis Osterholz zudem entschieden, den Trainings- und Spielbetrieb des Fußballsports ab sofort zu untersagen.

„Einige der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen standen im Zusammenhang mit dem Fußballsport im Landkreis Osterholz“, berichtet Landrat Bernd Lütjen. „Da hierdurch unweigerlich eine Vielzahl an Kontaktpersonen entstanden sind, ist es aufgrund des derzeitig hohen Infektionsgeschehens unvermeidbar, hier Einschränkungen vorzunehmen.“ Daher habe der Landkreis gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kreis-Fußball-Verbandes, Eckhardt Schütt, abgestimmt, den Trainings- und Spielbetrieb bis auf Weiteres einzustellen.

„Wir müssen jetzt alles unternehmen, um Infektionen zu vermeiden“, sind sich Kreis-Fußball-Verband und Landkreis einig. Der Landkreis werde in der kommenden Woche prüfen, ob weitere Sportarten von der Untersagung umfasst werden müssen. „Hier muss eine genaue Risikobewertung im Hinblick auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens vorgenommen werden.“

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