Fußballtrainer zu Saisonabbrüchen Ein einziges Für und Wider

Inwiefern ist das Modell aus Hamburg und Schleswig-Holstein für die Fußball-Vereine ab Bezirksliga aufwärts denkbar? Die Sportredaktion des OSTERHOLZER KREISBLATT/WÜMME-ZEITUNG fragte bei den Trainern nach.
16.03.2021, 10:31
Lesedauer: 5 Min
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Von Tobias Dohr und Dennis Schott

Landkreis Osterholz. Hamburg hat vor zwei Wochen den ersten Schritt gemacht. Der Fußball-Verband hat die Saison vorzeitig abgebrochen. Schleswig-Holstein hat vor wenigen Tagen nachgezogen und die aktuelle Spielzeit ebenfalls annulliert. Und Niedersachsen? Hält nach wie vor daran fest, die Saison sportlich zu Ende bringen zu wollen. Präsident Günter Distelrath bekräftige noch einmal diese Absicht. „Wir haben die Hoffnung, dass dies gelingen kann. Unser Vorstand ist mit Blick auf den Wunsch aus den Kreisen gefolgt, einer optionalen Verlängerung des Spieljahres bis an den Beginn der Sommerferien zuzustimmen. Das schafft uns allen mehr Spielraum.“

Der Verband begrüße zudem die auf der vergangenen Bund-Länder-Konferenz Anfang März für den Erwachsenenfußball beschlossene Öffnungsperspektive (siehe beigestellten Text). Sollte der Inzidenzwert stabil zwischen 50 und 100 liegen, wäre Fußballspielen im Freien mit einem zuvor durchgeführten Schnell- oder Selbsttest ab dem 22. März und ohne diesen Test ab dem 5. April wieder möglich. Deswegen hat sich der Verbandsvorstand darauf verständigt, in den Spielklassen, in denen es notwendig ist, eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus bis maximal an den Beginn der Sommerferien am 21. Juli zuzulassen. Der NFV sagt, dass er damit dem Meinungsbild der spieltechnischen Fachausschüsse in den Kreisen folge. Dabei hatten sich über 80 Prozent für die optionale Verlängerung der Spielzeit ausgesprochen. Aber inwiefern ist das Modell aus Hamburg und Schleswig-Holstein für die Fußball-Vereine ab Bezirksliga aufwärts für sie denkbar? Die Sportredaktion des OSTERHOLZER KREISBLATT/WÜMME-ZEITUNG fragte bei den Trainern nach.

Torsten Kentel (SV Löhnhorst): „Ich kann verstehen, dass sich der NFV noch schwertut mit einer Absage. Wenn noch eine sportliche Lösung zustande kommen könnte, wäre ich dafür. Ich war ja von Anfang an für eine sportlich faire Lösung. Fair ist es aber nur dann, wenn man eine gewisse Anzahl von Spielen austragen kann, also mindestens die Hälfte. Und ob das klappen wird, weiß ich nicht. Ich sehe es ehrlich gesagt nicht, dass das auch mit der Verlängerung bis zum 21. Juli klappt. Wenn man sich mal Worpswede anschaut: Die haben erst vier Spiele gemacht. Wann sollen die Spiele nachgeholt werden? Mit jeder Woche, die verstreicht, wird das unrealistischer.

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Frank Meyer (Trainer SV Blau-Weiß Bornreihe): Ich halte das, was in Hamburg und Schleswig-Holstein entschieden wurde, für verfrüht. Man hätte zumindest abwarten können. Es zwingt keiner die Verbände dazu. Und die Alternative, einen Derby-Cup auszurichten? Das würde eine Meisterschaft nicht ersetzen. Warum Derby-Cups spielen? Wenn es wieder erlaubt ist, kann man auch die Meisterschaft weiterspielen.

Benjamin Duray (FC Hagen/Uthlede): Ich finde, man sollte einen Abbruch in jedem Fall in Betracht ziehen. Unter Berücksichtigung der Umstände wäre es eine vernünftige Entscheidung. Dass die Vereine, vor allem die, die oben stehen, unterschiedliche Interessen haben, ist klar. Aber wir betreiben alle Amateursport, die Saison hat bislang keinen sportlichen Mehrwert, und ob sich daran etwas ändern wird, glaub ich kaum. Was in Hamburg und Schleswig-Holstein entschieden wurde, finde ich nicht verkehrt. In unseren Vereinen steht das Vereinsleben im Vordergrund, da geht es um Werte wie Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl.

Timo Schneider (FC Hansa Schwanewede): Wichtig ist nicht, was entschieden wird, sondern, dass etwas entschieden wird. Es ist derzeit unbefriedigend, weil man nicht weiß, wann und wie es weitergehen kann. Ich finde, man sollte einen Stichtag festlegen. Dass man sagt: Bis zu diesem Tag können wir die Saison zu Ende spielen, danach nicht mehr. Damit jeder weiß, wo er dran ist. Aber es geht nicht nur um das Spiel selbst. Sondern auch um Fragen wie: Wie komme ich zum Spiel und wieder weg? Kann ich danach duschen? Wie ist das mit einer Besprechung? Ganz ehrlich: Wenn ich 50 Kilometer zu einem Spiel fahre, es regnet stark und ich darf danach nicht duschen und muss mich nass und dreckig wieder ins Auto setzen, ist das auch nicht so geil. Mal abgesehen davon, dass man nicht mit drei, vier Leuten im Auto sitzen darf. Ein Derby-Cup wäre nicht verkehrt, um wieder was zu machen, a) hat man kurze Anfahrtswege und b) haben die Jungs einen kleinen Anreiz, unter Wettbewerbsbedingungen zu kicken.

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Malte Jaskosch (SV Komet Pennigbüttel): Es gibt doch gar keine andere sinnvolle Möglichkeit mehr, außer die Saison abzubrechen. Man darf nicht vergessen, dass hier eine Regelung gefunden werden muss, die niedersachsenweit gilt. Und wenn ich in die Bezirksligen im Bereich Weser-Ems schaue, da gibt es mehrere Mannschaften, die haben erst zwei Spiele, manche sogar erst ein einziges Saisonspiel absolviert. Wie soll das am Ende funktionieren? Und außerdem haben wir keinerlei Garantie, dass wir die Spielzeit auch in einem Rutsch zu Ende spielen können. Angesichts der aktuell wieder steigenden Zahlen ist das sogar höchst fraglich. Ich plädiere deshalb ganz klar für einen Saisonabbruch, vor allem auch, um den Druck von den Vereinen zu nehmen. Und wer in der Oberliga für die Regionalliga melden will, spielt dann mit den Konkurrenten eben eine Art Aufstiegsturnier aus. Natürlich möchte auch ich wieder so schnell wie möglich auf den Platz, aber das muss auch Sinn machen. Und gerade nach so einer langen Unterbrechung brauchen wir mehr als zwei Wochen Vorbereitung. Deshalb sollte man lieber im Sommer starten, dann sind die Impfungen weiter und wir haben definitiv eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass wir auch dauerhaft spielen können.

Bastian Haskamp (TuSG Ritterhude): Ich habe das ja schon im Januar ganz deutlich gesagt: Man sollte diese Saison abbrechen. Es steht doch auch jetzt noch alles in den Sternen? Wann können wir endlich wieder richtig trainieren? Wann gehen die Punktspiele los? Und vor allem: Wie lange können wir dann wohl spielen? Ganz ehrlich: Nach so einer langen Pause ist eine zweiwöchige Vorbereitungszeit vor den ersten Punktspielen totaler Quatsch. Da braucht man vier oder fünf Wochen, um die Spieler vernünftig in Form zu bringen – mindestens. Von mir aus kann man ja auch darüber diskutieren, die jetzigen Punkte und gespielten Partien mit in die neue Saison zu nehmen, falls das für einige fairer ist. Aber von mir aus können wir auch bei Null starten. Wichtig ist einfach nur, dass wir endlich eine durchgängige Perspektive haben. Ich bin jetzt bald zwei Jahre Trainer bei der TuSG und habe noch keine Saison durchgespielt.

Julian Gelies (FC Hambergen): Wenn ich es entscheiden müsste, würde ich die Saison abbrechen. Einfach auch, um den Druck von den Vereinen zu nehmen. Wenn wir jetzt wirklich noch wieder anfangen würden, dann bedeutet das ja schließlich auch, dass wir auf jeden Fall zum Ende kommen müssen. Sonst wäre das ja alles völlig unsinnig. Wichtig ist jetzt doch erst einmal, überhaupt wieder regelmäßig trainieren zu können. Wenn dann irgendwann Testspiele dazu kommen, ist das doch prima. So eine Art Derby-Cup wie ihn Schleswig-Holstein in den einzelnen Landkreisen spielen will, ist doch ebenfalls eine attraktive Idee. Allerdings habe ich mir da noch gar nicht allzu viele Gedanken gemacht, weil ich das Gefühl habe, dass der NFV in jedem Fall weiterspielen will. Da haben die Verantwortlichen ja nie einen Hehl draus gemacht, dass das vorrangige Ziel ist. Das hat mich in dieser Vehemenz zum Teil schon überrascht. Ich frage mich halt, warum es so wichtig ist, unbedingt die Serie weiterzuspielen.

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Thorsten Westphal (VSK Osterholz-Scharmbeck): Das Wichtigste ist: Wir wollen auf den Platz. Und wenn wir jetzt ab nächster Woche wirklich trainieren dürfen, werden wir das auch tun. Zehn Leibchen, ein Ball und Spaß haben. Darüber hinaus fände ich es absolut falsch, die Saison jetzt abzubrechen, nur weil Hamburg und Schleswig-Holstein das getan haben. Ich komme ja gebürtig aus Schleswig-Holstein, habe dort noch gute Kontakte hin und weiß deshalb: Dort ist der Frust bei vielen Klubs richtig groß. Kaum jemand kann dort verstehen, wieso die Politik die Lockerungen ausspricht und ein paar Tage später der Verband die Saison beendet. Der NFV sollte deshalb unbedingt bis Ostern warten. Dann kann man sehen, ob die dritte Welle wirklich kommt und gegebenenfalls dann abbrechen. Alles andere fände ich zum jetzigen Zeitpunkt komplett falsch.

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