Golfsport

Golfclubs Worpswede und Lilienthal freuen sich über Zulauf

Während viele Sportarten extrem unter der Corona-Pandemie leiden, entpuppt sich der Golfsport als Individualsport im Freien als eine Art Profiteur der Krise.
03.12.2020, 12:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Landkreis Osterholz. Während viele Sportarten extrem unter der Corona-Pandemie leiden, entpuppt sich der Golfsport als Individualsport im Freien als eine Art Profiteur der Krise. Zu den Gewinnern gehören auch die beiden im Landkreis Osterholz ansässigen Vereine GC Worpswede und GC Lilienthal. „Wir haben mit mehr als 130 Neuanmeldungen in diesem Jahr einen absoluten Rekord in unserer 20-jährigen Vereinsgeschichte verbucht“, verrät Lilienthals Vorsitzender Claus Kleyboldt.

Dazu habe aber auch der neue Golf-Pro Klaus Maag wesentlich mit seiner Golfschule beigetragen. „Es gibt viele, die nach der Absolvierung seiner Schule mit Begeisterung bei uns weitermachen“, versichert Kleyboldt. Deshalb sei trotz einiger Austritte ein dickes Plus im Hinblick auf die Mitgliederzahl registriert worden, die erstmals über die 600-Personen-Marke gestiegen sei. Um auch im Winter attraktiv für die Mitglieder zu bleiben, führte der Club eine Winterliga ein, an der sich seit Anfang November bis zu 72 Spieler an einem Wochenende beteiligen. „Die Nachfrage ist derart groß, dass wir die Spieltage von einem auf zwei Tage am Wochenende erweitert haben“, informiert Claus Kleyboldt.

Bis Anfang März werden hier Tages- und am Ende auch Gesamtsieger und Platzierte ermittelt. „Hier spielt jeder für sich unter Berücksichtigung seines jeweiligen Handicaps. Die Ranglisten hängen für jeden sichtbar aus“, teilt der 73-Jährige mit. Aber nicht nur dank des Ligabetriebs ist die Anlage an der Landwehrstraße mit dem großen Moorgelände stets gut besucht. „Selbst an den Wochenanfängen ist kurzfristig kaum noch eine Startzeit zu bekommen. In dieser Hinsicht merken wir nichts von der Krise“, lässt Claus Kleyboldt wissen. Aber auch der Golfsport müsse letztlich Einschränkungen im Zuge der Pandemie wie die Begrenzung auf Zweier-Gruppen hinnehmen.

Nachfrage unverändert hoch

Auch der GC Worpswede verzeichnet durch die Corona-Krise zumindest keine Einbußen. „Die Nachfrage nach Schnupper- und Anfängerkursen bei unserem Club war in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren ohne Pandemie nahezu unverändert hoch“, sagt Worpswedes Präsident Thore Meyer. Natürlich sei Golf auch im Winter eine gute Möglichkeit, sich sportlich in der Natur zu bewegen und somit auf andere Gedanken zu kommen. „Diese Möglichkeit wird von vielen Golfern gerne wahrgenommen. Auch im Winter ist die Spiel-Aktivität auf unserem Platz deshalb hoch. Nur ist diese durch die früher eintretende Dunkelheit zeitlich deutlich begrenzter“, erklärt Meyer. Golf ließe sich allerdings glücklicherweise zu jeder Jahreszeit spielen.

„Aber das Spiel verändert sich wie die Natur durch Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder auch Bodenbeschaffenheit. Alles hat Auswirkungen auf den Ballflug oder die Weite der Schläge. Das Spiel verändert sich quasi mit den Jahreszeiten“, gibt Thore Meyer zu bedenken. Und in der Natur habe ja auch jede Jahreszeit ihre Besonderheiten und schönen Seiten. „Durch die Abstandsregeln und Personenbeschränkungen ist das Sport- und Clubleben auch bei uns aktuell doch stark verändert. Die Mitglieder sind jedoch auf und neben dem Platz sehr diszipliniert und freuen sich, dass sie überhaupt Sport treiben dürfen“, versichert Meyer. So würden die Mitglieder nahezu jede Chance nutzen, um rauszukommen und sich zu bewegen. „Dies ist zwar grundsätzlich jeden Herbst und Winter der Fall. Es lässt sich jedoch ablesen, dass die Spielhäufigkeit der Mitglieder auch in der kalten Jahreszeit zugenommen hat“, so Meyer.

Viele Gäste, viel Lob

Ganz ähnliche Beobachtungen macht derzeit Claus Kleyboldt in Lilienthal. „Wir haben besonders seit zwei Monaten auch viele Gäste bei uns auf der Anlage, die uns mit Lob geradezu überschütten“, sagt der frühere Leiter der Bremer Stadthalle sowie des Bremer Musicaltheaters (heute Metropol). Die Erweiterung auf eine 18-Loch-Anlage mit der Eröffnung im Frühjahr des vergangenen Jahres sei allseits hervorragend aufgenommen worden. „Viele Gäste sagen uns, dass eine derartige Anlage mit den ganzen Bunkern ansonsten nur an den Küsten zu finden sei“, teilt Claus Kleyboldt mit. Dieser löste im März des Jahres 2017 die plötzlich und unerwartet verstorbene Gisela Kessler als Clubchef ab, wenngleich er gerade einmal zwei Jahre zuvor mit dem Golfspielen begonnen hatte. „Nie im Leben wollte ich Golf spielen, hatte aber von meiner Frau einen Platzreifekurs geschenkt bekommen“, sagt Kleyboldt. Mittlerweile ärgere er sich, nicht mindestens zehn Jahre früher begonnen zu haben.

Auf beiden Anlagen, also sowohl auf der vor den Toren Lilienthals als auch auf der in Giehlermühlen bei Vollersode, wird noch auf den Sommergrüns gespielt. „Die wollen wir auch so lange wie möglich offen halten“, betont Claus Kleyboldt. Wenn es aber zu nass und feucht werde, müsste zumindest vorübergehend auch mal auf die Wintergrüns umgestellt werden, bei denen sich die Fläche dann verringert. „Die Bälle hinterlassen sonst Marken, wenn sie aufschlagen. Deshalb müssen wir bestimmte Areale im Hinblick auf die neue Sommersaison auch schonen“, begründet Kleyboldt. Grundsätzlich könne aber selbst bei Schnee mit einem roten Ball weitergespielt werden.

„Das habe ich selbst auch schon ein paar Mal gemacht“, berichtet der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann. Irgendwann müsse dann nur darauf geachtet werden, dass keine Golf-Karts und schließlich auch keine Golf-Trolleys mehr benutzt werden dürfen, um die Plätze nicht zu zerstören. Claus Kleyboldt ist gebürtiger Münsteraner und war vor neun Jahren offiziell in Rente gegangen, wenngleich er sich noch bis ins Jahr 2015 um das Musicaltheater kümmerte. „Mein Beruf war auch gleichzeitig Hobby. Ich hatte daher schon viel Glück im Leben“, zeigt sich Kleyboldt dankbar.

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