Kommentar zu Corona bedingten Spielausfällen

Verheerende Zwickmühle

Für den Amateurfußball wird die Lage mit jeder coronabedingten Absage bedrohlicher. Und es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Vereine derzeit bewegen. Denn die Gerüchteküche beginnt zu brodeln...
27.09.2020, 20:05
Lesedauer: 2 Min
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Verheerende Zwickmühle
Von Tobias Dohr
Verheerende Zwickmühle

Corona-Schild am Spielfeld.

FOCKE STRANGMANN

Zwei Absagen in der Oberliga, zwei in der Landes- und zwei in der Bezirksliga – so lautet die Bilanz des Wochenendes. Der Herbst kommt, die zweite Corona-Welle vielleicht auch, und deshalb steigt die Sorge vor der Pandemie wieder an. So weit, so nachvollziehbar. Für den Amateursport wird die Lage allerdings mit jeder Absage bedrohlicher. Und es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Vereine derzeit bewegen.

Denn die Gefahr, dass eine Absage mehr Fragen als Antworten aufwirft, wird von Fall zu Fall größer. Wie auch bei der kurzfristigen Absage des VfL Güldenstern Stade. Wie aus internen Kreise zu hören war, handelt es sich um einen Verdachtsfall im Umfeld der Mannschaft, nicht im Team direkt. Dass dann auch noch zwei wichtige Akteure gesperrt gefehlt hätten, gibt der Thematik zusätzliche Brisanz. Unter diesen Vorzeichen ist es gar nicht zu verhindern, dass in der Fußballszene diskutiert wird.

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Um es klarzustellen: Es ist den Stadern nur zu wünschen, dass sich der Verdachtsfall nicht bestätigt, dass alle gesund bleiben – egal ob im Team oder im Umfeld des Vereins. Dennoch steht diese Absage in gewisser Weise exemplarisch für ein Problem, das in den kommenden Wochen sicher vermehrt auf den Amateurfußball zukommen wird: Denn Spielabsagen, die im Moment ihres Zustandekommens weder für den Gegner, noch für die Verbände einwandfrei nachvollziehbar sind, öffnen nun einmal unschönen Spekulationen Tür und Tor. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch konstatieren: Wer will die Verantwortung übernehmen, bei einem geäußerten Verdachtsfall anzuordnen: Ihr spielt trotzdem!

Es war von vornherein klar, dass diese Spielzeit ein Ritt auf der Rasierklinge werden würde. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Vereine die Corona-Pandemie nicht als Vorwand nehmen, um Spiele aus purem Eigennutz abzusagen. Natürlich, das ist eine ziemlich abstrus und geradezu asozial klingende Theorie.

Doch wer sich im Amateurfußball etwas auskennt, weiß nur zu gut, wie sensibel das Thema Spielverlegungen schon in Zeiten ohne Corona war. Im Herbst und Frühjahr gibt es immer wieder Diskussionen um bespielbare oder unbespielbare Plätze. Gerade in der Rückrunde wird diese Karte gezogen, wenn einem eine Spielabsage ohnehin viel besser in den Kram passt.

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Die Zwickmühle ist deshalb geradezu verheerend – weil es eben in Einzelfällen schwer nachvollziehbar sein wird, warum eine Partie wirklich abgesagt werden wusste. Eines jedenfalls steht fest: Wer Corona als Vorwand benutzt, um ein Punktspiel ausfallen zu lassen, der gehört ohnehin aus dem Sportbetrieb entfernt.

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