Reaktionen der Osterholzer Trainer

Die große Verwirrung

Kurz bevor der allgemeine Lockdown von der Politik verkündet wurde, hat die Sportredaktion vom Osterholzer Kreisblatt und der Wümme-Zeitung die höherklassigen Fußballtrainer zu Wort kommen lassen.
29.10.2020, 08:22
Lesedauer: 6 Min
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Von Dennis Schott und Tobias Dohr

Landkreis Osterholz. Der Landkreis Osterholz ist Risikogebiet. Damit ist er nicht allein. Die steigenden Infektionszahlen halten ganz Deutschland in Atem. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert ist nach wie vor hoch, zu hoch, um tatenlos zuzusehen. Die Einstufung als Risikogebiet hat nun strengere Regelungen zur Folge. Im Wesentlichen betrifft das private Feiern und Zusammenkünfte. Aber eben nicht nur, sondern auch den Sport. Genauer gesagt: den Fußball. Und zwar nur den Fußball. „Im Rahmen einer Allgemeinverfügung hat der Landkreis Osterholz [...] entschieden, den Trainings- und Spielbetrieb des Fußballsports ab sofort zu untersagen“ - so hatte die Verwaltung bereits am vergangenen Freitag entschieden (wir berichteten).

Der Fußball-Kreisverband Osterholz hatte daraufhin sofort reagiert und seine Spiele ab Kreisliga abwärts abgesetzt. Auch durften die in der Bezirksliga Lüneburg beheimateten Osterholzer Mannschaften sowie der SV Blau-Weiß Bornreihe in der Landesliga Lüneburg ihre Heimspiele nicht austragen. Diejenigen Teams, die auswärts antreten mussten, konnten indes antreten – und werden es wohl zumindest auch am kommenden Wochenende können. Die unterschiedliche Handhabung der Landkreise im Umgang mit dem Coronavirus sorgt bei den Trainern für viel Verwirrung, wie die Umfrage der Sportredaktion OSTERHOLZER KREISBLATT/WÜMME-ZEITUNG zeigt.

Thorsten Westphal (VSK Osterholz-Scharmbeck): Das war ja eigentlich ein absoluter Witz, dass wir am Sonntag noch in Hülsen gespielt haben. Es ist einfach sehr unglücklich, erst einmal pauschal den Fußball zu verbieten, Hallensportarten aber erlaubt zu lassen. Ich kann ehrlich gesagt aber auch den Bezirk verstehen, dass er die Spiele nicht pauschal abgesetzt hat. Es ist nun mal erwiesen, dass sich während des Spiels praktisch niemand ansteckt. Und für alles andere sind die Staffelleitungen nicht verantwortlich. Ich finde, Training innerhalb der eigenen Mannschaft müsste eigentlich erlaubt bleiben. Wenn man sich da vorher und nachher an alle Hygiene- und Abstandsregeln hält, spricht da überhaupt nichts gegen.

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Malte Jaskosch (SV Komet Pennigbüttel): Ich rechne schon damit, dass wir zeitnah die Info kriegen werden, dass wir in die Winterpause gehen. Ob das jetzt schon am kommenden Wochenende so sein wird weiß ich nicht. Da wird der Bezirk eventuell versuchen, so viele Spiele wie nur möglich noch durchzuziehen. Aber sollten die Infektionszahlen sich nicht wieder verbessern, wird es wohl auf eine vorzeitige Winterpause hinauslaufen. Damit muss man nicht glücklich sein, aber wichtig ist vor allem, dass es eine ganz klare Ansage gibt. Es ist in Bezug auf Corona ja nun auch nicht mehr alles neu, so wie es im März der Fall war. Man hat mittlerweile ja gewisse Erfahrungswerte, deshalb muss es auch eine klare Linie geben.

Bastian Haskamp (TuSG Ritterhude): Die Gesundheit geht vor, das steht außer Frage. Aber die Situation ist trotzdem natürlich blöd. Die Bezirksliga wurde schon extra in zwei Staffeln aufgeteilt, und nun wird die Saison wieder unterbrochen, vielleicht abgebrochen. Und dann? Wie soll es dann weitergehen? Wie soll die Saison gewertet werden? Und dann die Uneinheitlichkeit: Teams aus Osterholz dürfen in Osterholz nicht spielen und trainieren, dafür aber in anderen Kreisen. Das geht nicht. Es ist einfach schade. Wir hätten liebend gerne gespielt. Bislang gab es auch nicht einen Corona-Fall bei uns, auch weil wir da im Verein sehr streng sind. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir so schnell wieder spielen können.

Julian Gelies (FC Hambergen): Was ist nicht verstehe, ist dieser Mega-Cut. Nach dem Lockdown im Frühjahr haben wir uns Schritt für Schritt wieder angenähert. Erst war Training ohne Zweikämpfe erlaubt, dann mit Zweikämpfen und irgendwann haben wir wieder gespielt. Ich verstehe nicht, warum man nicht daran anknüpft, nur umgekehrt. Spiele ohne Zuschauer, keine Duschen öffnen, anstatt gleich den Spielbetrieb einzustellen. Die Entwicklung bei den Infektionszahlen kommt nicht aus heiterem Himmel, darauf hätte man auch früher reagieren können. Für mich macht es überhaupt keinen Sinn, aktuell nicht trainieren zu dürfen, aber in zwei Wochen theoretisch in Fischerhude spielen zu können.

Timo Schneider (FC Hansa Schwanewede): Vom Grundsatz her ist es richtig, die Saison zu unterbrechen. Man muss sich doch nur die steigenden Infektionszahlen anschauen. Deswegen ist es richtig, jetzt einen Cut zu machen, zu beobachten, wie sich die Lage entwickelt und dann neu beurteilen. Den Fußball abzusagen, ist daher richtig. Das „Wie“ ist allerdings unglücklich. Stand jetzt spielen wir Freitag in Oyten, dürfen aber nicht trainieren. Das hätte man einheitlich regeln müssen. Abgesehen davon ist das Spiel ja nicht das Problem, sondern das Drumherum. Die Zuschauer, die Enge in den Kabinen. Prinzipiell finde ich es aber eher schwierig, wenn die Regierung über einen Lockdown diskutiert, auf der anderen Seite aber weiter Amateurfußball gespielt werden soll. Da fehlen einem die Argumente.

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Torsten Kentel (SV Löhnhorst): Bei den stark steigenden Infektionszahlen war klar, dass irgendwann etwas getan werden musste. Ich weiß nur nicht, ob man da am richtigen Hebel ansetzt. Das Problem ist ja nicht das Fußballspielen, sondern die Zuschauer und die Umkleidekabinen. Das sind die Gebiete, wo man sich dauerhaft zu nahe kommen und sich anstecken kann. Ich finde, die Infektionsketten sind da nicht richtig ausgemacht worden. Jetzt ist alles wieder in der Schwebe. Keiner weiß, was kommen wird und womit man planen kann. Trainieren dürfen wir nicht mehr, zu Spielen in anderen Kreisen dürfen wir aber antreten. Das ist völlig absurd. Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie es weitergehen soll.

Patrick Wellbrock (FC Worpswede): Eine Unterbrechung halte ich schon für sinnvoll, weil es ja gerade für uns in der letzten Zeit mit den Corona-Fällen in der Mannschaft ein ziemliches Hin und Her war. Das betrifft vor allem das Organisatorische, das war ein enormer Aufwand und übersteigt eigentlich den Rahmen, was ein Ehrenamtlicher leisten sollte. Wir haben es am eigenen Leib erfahren, wie es laufen kann, wenn mehrere Spieler infiziert sind. Und man muss die Folgen, die sich daraus ergeben, Quarantäne und so weiter, auch mit dem Beruf vereinbaren können. Das kann zum Problem werden, neben dem gesundheitlichen Aspekt natürlich. Deswegen ist es gut, alle Vorkehrungen zu treffen. Das nur auf den Fußball zu reduzieren, ist aber schwierig. Das Problem ist ja auch, dass in den Kreisen Verden und Rotenburg weiterhin trainiert und gespielt werden darf. Das trifft uns besonders, weil wir in der Staffel das einzige Team aus dem Landkreis Osterholz sind. Das heißt, dass wir verpflichtet sind, jeden zweiten Sonntag auswärts anzutreten – und das ganz ohne Training.

Frank Meyer (SV Blau-Weiß Bornreihe): Grundsätzlich spricht nichts gegen die Allgemeinverfügung, wenn es um die Gesundheit aller geht. Es sollten dann aber die für alle die gleichen Regeln geben. Mir kann keiner plausibel erklären, weshalb ich in dem einen Risikogebiet spielen darf und in dem anderen nicht. Stand jetzt müssen wir am Samstag in Elstorf antreten, wir haben auch deshalb mit den Spielern gesprochen und sie gefragt, ob sie unter diesen Umständen überhaupt antreten wollen. Aber da haben sich alle für bereit erklärt. Außerdem: Ich kann mich erinnern, dass der Verband bei der Saisonplanung Wert darauf gelegt hat, dass alles so fair wie möglich ablaufen sollte. Das, finde ich, ist für uns jetzt nicht gegeben. Es ist nicht fair, wenn alle Mannschaften aus der Liga spielen und trainieren dürfen, nur wir nicht.

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Zur Sache

NFV wartet Beschlüsse
der Ministerpräsidenten ab

Noch am Montag hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) seine 33 Kreise angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass aufgrund der unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten hinsichtlich der Corona-Inzidenzwerte zunächst von einer flächendeckenden Aussetzung des Spielbetriebes abgesehen wird. „Diese Position bedarf aufgrund stetig ändernder behördlicher Anordnungen einer täglichen Überprüfung“, so NFV-Präsident Günter Distelrath.
„Aufgrund der extrem steigenden Infektionszahlen müssen wir jetzt zu einer Neubewertung kommen“, sagte Distelrath weiter. „Zunächst einmal werden wir die Beschlüsse der heute tagenden Konferenz der Ministerpräsidenten abwarten. Diese dienen uns dann als Grundlage für eine heute anberaumte außerordentliche Präsidiumssitzung, in der wir beraten werden, wie wir weiter vorgehen.“

Wann genau diese Sitzung stattfinden wird, stand zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

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