Reitsport im Landkreis Osterholz

Allenfalls vage Hoffnung für Osterholzer Reitturniere

Der erste Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Osterholz, Ulrich Greinert, hatte bereits im März eine Vorahnung, die sich bis zum heutigen Tage als vollkommen zutreffend bezeichnen lässt.
25.05.2020, 09:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Timo Flathmann
Allenfalls vage Hoffnung für Osterholzer Reitturniere

Bilder aus vergangenen Tagen: Hier nimmt Vanessa Laas mit Bigi-G die Hürde. Wann die Reiterin des RV Worpswede wieder bei einem Turnier starten kann ...

FOTOS: Sandra Brockmann

Landkreis Osterholz. Der erste Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Osterholz, Ulrich Greinert, hatte bereits im März eine Vorahnung, die sich bis zum heutigen Tage als vollkommen zutreffend bezeichnen lässt. Damals ging Greinert davon aus, dass die Turniersaison aufgrund der Corona-Pandemie höchstens „in Rudimenten“ stattfinden könne. Und so stehen aktuell nur noch einige wenige Turniere im Kalender, deren Durchführung angesichts der aktuellen Situation aber weiterhin mehr als ungewiss ist. „Ich bin da wenig optimistisch“, gibt Greinert zu bedenken. Hinzu komme, dass viele Vereine mittlerweile Planungssicherheit bräuchten, selbst wenn der Ausfall der eigenen Veranstaltung dabei drohte.

War es das aber nun komplett mit der Turniersaison im Landkreis Osterholz? Angesichts der zahlreichen Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen, auch im Breitensport, kann es durchaus sein, dass Reitturniere noch im Rahmen des Möglichen liegen. Diese müssten dann aber nur unter strengen Hygiene- und Abstandsregelungen abgehalten werden – und das ist für Greinert gerade der Knackpunkt: „Von den vielen Helfern haben vermutlich nur wenige wirklich Lust, Hygiene- und Abstandsregeln zu kontrollieren und durchzusetzen. Da kommt keine Freude auf“, findet der Chef des Kreisreiterverbandes. Es seien nach aktuellem Stand keine Zuschauer zugelassen und außerdem müssten die Vereine mit ihren Helfern zahlreiche Auflagen umsetzen, die einen gehörigen Mehraufwand bedeuteten – und das bei wegfallenden Umsätzen durch die fehlenden Besucher. Angesichts dessen sei es fraglich, ob wirklich noch ein Turnier in diesem Jahr im Landkreis stattfindet. So sieht es Greinert: „Da muss man kein Prophet sein.“

Auch der RV Worpswede, der sein eigenes Turnier für das Wochenende vom 18. bis 20. September geplant hatte, hat nun die Reißleine gezogen. Im Mai und Juni sind sowieso alle Turniere im Landkreis abgesagt. Lediglich die Turniere des RV Wörpedorf (4./5. Juli), RFV Hambergen (10.-12. Juli), RFV Hüttenbusch (7.-9. August) sowie die des RV Lilienthal im Springen (29./30. August), Voltigieren sowie nach WBO (24.-27. Oktober) stehen noch im Kalender des Kreisreiterverbandes.

Nach Greinerts Einordnung wird das Pandemie-Jahr immerhin keine nachhaltigen Schäden in der Osterholzer Reitsportszene verursachen: „Die Vereine finanzieren sich zumeist über Mitgliedsbeiträge und Spenden“, so Greinert, der einschätzt, dass die ausbleibenden Einnahmen der abgesagten Turniere keinem Verein ein Standbein wegreißen. Zumindest habe sich noch kein Verein beim Kreisreiterverband gemeldet und solche Sorgen geäußert. Andererseits hätten die Reittrainerinnen und -trainer Einnahmeausfälle zu verzeichnen, denn der Reitunterricht darf erst wieder seit der vergangenen Woche stattfinden und ruhte vorher seit Mitte März.

Auch für die Reiterinnen und Reiter sei es im Training gerade eine ungewohnte Situation. Zwar könne man mit den Pferden an den Grundlagen arbeiten und diese bewegen, es fehlt aber ein wenig die Perspektive. „Man kann im Moment einfach nicht wirklich ernsthaft auf eine Prüfung hinarbeiten, wenn man nicht weiß, wann es weitergeht“, so Greinert.

Es gibt aber auch tatsächlich eine mehr als positive Erscheinung in Zeiten von Corona: Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) habe einen bemerkenswerten Aufwand betrieben, alle Pferdesportlerinnen und –sportler mit den wichtigsten Infos zu versorgen. Dies ist auch Greinert nicht verborgen geblieben, der vom Verband „positiv überrascht“ ist. „Die FN hat sich wirklich von ihrer besten Seite gezeigt und flexible Angebote geschaffen, was unter anderem das Nennwesen angeht“, so Greinert. Was besonders herausstach, sei das Engagement der FN auf politischer Ebene. Immer wieder habe der Verband betont, wie wichtig eine angemessene Versorgung der Pferde, zu der auch eine ausreichende Bewegung gehört, ist – auch während eines nationalen Lockdowns. Und immer wieder habe der Verband darauf aufmerksam gemacht, dass er sich dafür einsetze, Turniere bald wieder stattfinden zu lassen. Und tatsächlich fanden bereits erste „Pilot-Veranstaltungen“ unter Corona-Bedingungen statt. Das Argument der FN, dass sie auf ihrer Internetseite nennt, ist, dass „der sportliche Vergleich auf Turnieren den Reitern, Fahrern und Voltigierern ermöglicht, ihren eigenen Leistungsstand sowie den ihrer Pferde zu überprüfen und weiterzuentwickeln“. Viele andere Sportler in Niedersachsen könnten von solch einem Engagement ihres Verbandes nur träumen, wenn man beispielsweise an die vorschnell abgebrochene Tischtennis-Saison denke, oder an die Fußballer, die im Ungewissen gelassen werden, so Greinert.

Greinert verweist in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die Leitfäden und Handlungsempfehlungen der FN, die auf dem offiziellen Internetauftritt verfügbar sind. „Der Verband hat dort wirklich umfangreiche Handreichungen geleistet“, meint Greinert. Die beträfen unter anderem den Unterrichts- und Trainingsbetrieb und beinhalteten auch einen Leitfaden für die Planung und Durchführung von Turnierveranstaltungen.

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