Schießsport

Großes Rätselraten und Unsicherheit

Auch der grundsätzlich selbst während eines Corona-Lockdowns erlaubte Individualsport ist nicht immer ohne Weiteres umsetzbar. So herrscht bei den Schützen derzeit ziemlich große Verwirrung.
01.04.2021, 14:49
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann
Großes Rätselraten und Unsicherheit

Dürfen sie nun auf die Anlage, oder nicht? Auch beim SV Buschhausen (hier der SV-Schütze Benno Böhm) ist man sich da nicht so ganz sicher.

Christian Kosak

Landkreis Osterholz. Auch der grundsätzlich selbst während eines Corona-Lockdowns erlaubte Individualsport ist nicht immer ohne Weiteres umsetzbar. So herrscht derzeit bei den Vereinen des Bezirksschützenverbandes Osterholz teilweise große Ratlosigkeit darüber, was, wann genau überhaupt im Training erlaubt ist. Während einige Vereine komplett ihre Schotten dicht gemacht haben, so öffnen andere unter bestimmten Voraussetzungen ihren Außen- und/oder auch ihren Innenbereich.

„Ich blicke da langsam nicht mehr durch“, sagt stellvertretend für so manchen Vereinsvertreter Tedd Lührsen, der Jugendleiter des SV Buschhausen. Bei den Buschhausern ist seit Weihnachten weitestgehend alles geschlossen. „Theoretisch dürfte man aber wohl zu zweit auf dem Stand schießen“, so Lührsen. Das sieht der Sportleiter des Blumenthaler SV, Michael Nonnewitz, aber ganz anders: „Ich glaube nicht, dass das Schießen im Innenbereich möglich ist.“ In keinem Falle wolle er aber dafür die Verantwortung übernehmen. Der Blumenthaler SV hat seine Anlage Am Rosenbusch in Beckedorf. Somit unterliegt der Verein den Regeln des Landkreises Osterholz beziehungsweise denen Niedersachsens. Daraus resultiert die Frage, ob die Corona-Inzidenzwerte des Landkreises oder die des entsprechenden Bundeslandes maßgeblich sind.

Während ganz Niederachsen bereits seit einigen Tagen über 100 bei der Inzidenz liegen, so hat der Landkreis Osterholz diese Marke noch längst nicht erreicht. „Ich habe von einem Mitarbeiter des Landkreises die Antwort erhalten, dass für uns die Werte von Niedersachsen gelten“, informiert Michael Nonnewitz. Dieser hat gerade wegen der dauerhaft über 100 befindlichen Corona-Inzidenz die Notbremse für seinen Verein gezogen und auch den Außensport für die Bogen- und Speed-Steel-Schützen des Klubs untersagt. Diese hatten ihr Freiluft-Training vor ein paar Wochen mit bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten wieder aufgenommen.

„Man kann sich im Prinzip jeden Tag auf etwas Neues einstellen“, kritisiert Cliff Wedemeyer. Der Sportleiter des SV Hüttenbusch trainiert ab und an alleine oder mit seiner Tochter Kim-Lee-Ann Wedemeyer. „Berechtigte Personen dürfen zur Not auch alleine auf dem Stand schießen, wenn sie sich dort einschließen“, teilt der 54-Jährige mit. Ansonsten solle aber stets eine Aufsichtsperson mit von der Partie sein. „Darüber hinaus ist bei uns aber weiterhin alles zu“, betont Cliff Wedemeyer. Dieser bedauert, dass vor allem das Jugendtraining unter dem Lockdown leide. Wedemeyer bereitet sich derzeit auf die Pistolen-Landesverbandsmeisterschafen vor, die noch für Ende April und Anfang Mai in Bassen terminiert sind. „Planen kann man aber gerade gar nichts“, bedauert Cliff Wedemeyer.

Der SV Adolphsdorf setzt ohnehin gerade mit dem Training aus, weil der Stand des Vereins mit einer elektronischen Anlage versehen werden soll. „Wir verzichten aber auch aus Sicherheitsgründen auf ein Training“, informiert Adolphsdorfs Damenleiterin Kristin Wichels. Auch die Scheiben für die Bogenschützen im Außenbereich seien noch nicht wieder aufgebaut worden. Kristin Wichels hat zuletzt im Oktober des vergangenen Jahres geschossen. „Wir hatten den ersten Rundenwettkampf im Luftgewehr-Freihandschießen gegen den SV Vollersode noch durchgeführt. Danach war dann Schluss“, lässt die 28-Jährige wissen.

Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, mussten die Aktiven des SV Vollersode nicht nach Adolphsdorf reisen, sondern durften den Wettkampf auf ihrem eigenen Stand absolvieren. Aus Sicht von Kristin Wichels sei es nicht einfach, Aufsichtspersonen für ein Schießen zu zweit zu organisieren. „Es kann ja auch sein, dass da dann eine Aufsichtsperson die ganze Zeit herumsitzt und niemand kommt“, gibt Wichels zu bedenken. Diese habe so ihre Zweifel daran, ob es schon bald zu einem relativ normalen Ablauf im Schießsport kommen wird: „Schließlich sind die für Juni geplanten Schützenfeste des SV Worpswede sowie des SV Heidberg-Falkenberg auch bereits abgesagt worden. Das finde ich sehr schade.“ Weil es sich nur um ein Hobby handele, könne sie aber auch mal für eine gewisse Zeit zurückstecken.

Tedd Lührsen würde sich einheitlichere Regeln bei den einzelnen Bundesländern wünschen. „Die einen testen regelmäßig, die anderen nicht“, stellt der 60-Jährige fest. Bremen sei beim Testen und Impfen zum Beispiel schon weiter als Niedersachsen. „In Bremen sind bereits alle Grundschullehrer geimpft. Sowohl Lehrer als auch Schüler werden in Bremen zweimal in der Woche im Hinblick auf das Corona-Virus getestet“, berichtet der als Berufsschullehrer in Bremen tätige Sportschütze, der wegen gesundheitlicher Probleme zur Corona-Risikogruppe zählt.

Während er selbst derzeit mit dem Training aussetze, so hätten Klubkollegen von ihm bereits zu zweit für Wettbewerbe mit der Freien Pistole trainiert. Von einem Start in einen regulären Trainingsbetrieb könne aber gar nicht die Rede sein. „Eigentlich ist der Laden zu. Unser Vorsitzender Hans-Peter Grimm hat für eine Wiederaufnahme des Trainings auf jeden Fall noch nicht das Go gegeben“, teilt Tedd Lührsen mit. Sich eventuell verschärfende Regeln in Niedersachsen dürften sich unabhängig davon seiner Meinung nach nicht unbedingt direkt auf den Landkreis Osterholz auswirken: „Der Landkreis soll ja erst bei einer Inzidenz von über 100 im eigenen Landkreis reagieren.“

Beim Scharmbecker SV hat seit Dezember des vergangenen Jahres niemand mehr geschossen. „Wir halten uns da ein bisschen zurück, weil wir auch viele Mitglieder aus der Altersgruppe der Risikogruppe dabei haben“, verrät Scharmbecks Vorsitzender Stephan Hecht. Dieser stelle sich deshalb auch nicht die Frage, was gerade in welcher Form im Schießsport erlaubt sei Hecht habe während der Corona-Zeit den Tod von sieben Vereinskollegen betrauert, von denen allerdings niemand an Corona verstorben sei. „Denen konnte ich nicht das letzte Geleit zukommen lassen“, bedauert Hecht. Der 53-Jährige hoffe darauf, Ende Mai oder Anfang Juni wieder seinem Sport nachgehen zu können. Zumindest bis zum 18. April werde sich im Verein nichts tun. „Über Ostern passiert aber ja ansonsten ohnehin nicht viel“, sagt Stephan Hecht. Dieser gehe auch von der Absage der meisten Schützenfeste aus. „Der Sport fehlt uns allen“, versichert Stephan Hecht.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+