Schießsport

Trotz Individualsportart: Ohne Hallen kein Schießen

Bereits vor der allgemeinen Verfügung hatte sich der Nordwestdeutsche Schützenbund dazu entschieden, die Bogen-Wettbewerbe in der Landesverbandsliga sowie in der Landesliga Ost nicht auszutragen.
11.11.2020, 08:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Trotz Individualsportart: Ohne Hallen kein Schießen

Zur Untätigkeit verdammt: Janina Haar vom SV Wörpedorf. Deren Teammanager Karl-Helmut Krause plädiert mittlerweile für einen Saisonabbruch.

Christian Kosak

Landkreis Osterholz. Der erneute Lockdown legt auch den Schießsport im Landkreis Osterholz lahm. Aber bereits vor der allgemeinen Verfügung hatte sich der Nordwestdeutsche Schützenbund dazu entschieden, die Bogen-Wettbewerbe in der Landesverbandsliga sowie in der Landesliga Ost nicht auszutragen. Auch die Serie in der Regionalliga Nord mit dem SSV Tarmstedt wird nicht angeschossen.

„Wir sind über die Flut der Absagen natürlich nicht glücklich. Bogensport ist zwar ein Individualsport. Aber wenn die Turnhallen geschlossen sind, so wie jetzt laut Verordnung des Landes bis zum 30. November, können wir auch keine Fernwettkämpfe durchführen“, gibt der Spartenleiter der BSG Osterholz-Scharmbeck und Landesliga-Leiter, Volker Dahm, zu bedenken. Da er normalerweise als Wettkampfrichter bundesweit für den Bogensport unterwegs sei, fehle ihm nun vor allem der Kontakt zu den Sportlern. „Es gab ja bereits in der Außensaison keine Meisterschaften. Für uns ist der vorübergehende Verzicht auf unseren Sport nicht existenzgefährdend. Und wenn wir dadurch zur Eindämmung der Pandemie beitragen können, ist das ja eine Selbstverständlichkeit für uns, die Maßnahmen einzuhalten, um Kontakte zu vermeiden“, erklärt Dahm. Der Termin für die Bogen-Landesmeisterschaften am 23. und 24. Januar in Tarmstedt stehe derzeit noch. Abgesagt sind dagegen bereits die Deutschen Meisterschaften. „Der Deutsche Schützenbund will versuchen, dafür eine Ersatzveranstaltung zu organisieren. Hierzu ist aber noch nichts Konkretes bekannt“, teilt Volker Dahm mit. Sein Verein wäre in der Landesverbandsliga und in der Landesliga Ost mit jeweils einem Team vertreten gewesen.

Direkte Duelle bevorzugt

„Wer mit Herz bei diesem Sport dabei ist, den stimmt all das traurig. Aber eindeutig geht die Gesundheit aller an unserem Sport beteiligten Personen vor. Wir akzeptieren daher die getroffenen Entscheidungen, wenngleich sie insgesamt nicht immer nachvollziehbar sind“, sagt der Abteilungsleiter des Landesligisten MTV Lübberstedt, Wolfgang Vogt. In Zeiten, in denen viele Menschen große Probleme hätten, müsse nicht alles daran gesetzt werden, dass einige wenige mit allen Mitteln sich in ihrem Hobby verwirklichen. Von Fernwettkämpfen hält er nicht viel. „Unser Sport bezieht seine Faszination aus der Begegnung und dem Messen mit anderen Sportlern, der gemeinsamen Atmosphäre auf dem Platz oder in der Halle, dem Erleben des sportlichen Wettkampfes Seite an Seite, manchmal auch bei widrigen Infrastruktur- oder Wetterbedingungen“, so Vogt.

Dies könne nicht dadurch ersetzt werden, dass man beim heimatlichen Verein seine Pfeile gegen Gegner schieße, die vielleicht zeitversetzt das Gleiche bei ihrem Verein täten. Das direkte Duell fehle. „Unseren Gruppen bleibt derzeit nichts anderes übrig, als das Bogenschießen ruhen zu lassen, sich auf andere Fitnessmaßnahmen zu konzentrieren und zu hoffen, dass es bald wieder losgeht“, lässt Wolfgang Vogt wissen. Für die jugendlichen Sportler kündigt er aber bereits jetzt an, dass sie sich technik- und kräftemäßig auf die Distanzen der Outdoor-Saison mit Bezirksmeisterschaften im Mai 2021 einstellen sollten.

Großer Anteil der Risikogruppe

Auch die Schießstände sind bis Ende November dicht. Der Sportleiter des SV Huxfeld, Thomas Horstmann, hofft aber auf ein schnelles Comeback: „Wenn wir eine Situation erreicht haben, die eine gewisse Stabilität erhoffen lässt, kann meiner Ansicht nach ziemlich schnell wieder mit dem Sport unter Einhaltung seriöser Sicherheitsvorgaben und auf Basis der Freiwilligkeit begonnen beziehungsweise fortgesetzt werden.“ Sein Klub habe ein Konzept erarbeitet, dieses vom Landkreis genehmigen lassen und es dann auch nach Einführung laufend angepasst. Er gibt aber zu bedenken, dass der größte Teil der Schützen der Risikogruppe angehöre. Den Lockdown unterstützt Thomas Horstmann vollends: „Gerade wir deutschen „Jammerer“ und „Angsthasen“ brauchen diese krassen Maßnahmen, um zu reagieren.“

Der Landesverbandsligist SV Wörpedorf hatte seinen Stand bereits vor dem erneuten Lockdown wieder geschlossen. „Wir plädieren mittlerweile auch für einen Abbruch der Saison und einen Neustart im neuen Jahr“, sagt Wörpedorfs Teammanager Karl-Helmut Krause. Vor der Serie hätten sich die Wörpedorfer noch angesichts der niedrigen Corona-Fallzahlen im Sommer sehr auf diese gefreut. „Ohne regelmäßiges Training ist es allerdings kaum möglich, Ergebnisse auf unserem Niveau zu halten“, betont „Karli“ Krause.

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Zur Sache

Fernwettkämpfe sind zugelassen

Vom Lockdown des Vereinssports sind auch die Luftgewehr (LG)-Freihand-Landesverbandsliga mit dem SV Wörpedorf und dem SV Beverstedt sowie die Rundenwettkämpfe des Bezirksschützenverbandes Osterholz in der LG-Auflage, LG-Freihand und mit der Luftpistole betroffen. Diese sind bis Ende November ausgesetzt. „Die Wettkämpfe sollen nach Ende des Lockdowns wieder aufgenommen werden. Ausgefallene Wettkämpfe werden aber nicht nachgeholt“, informiert der Presse-Referent des Bezirksschützenverbandes Osterholz, Georg Veltl.

Etwas anderes gilt für die Landesverbandsliga. Der ausgefallene Wettkampftag vom 8. November soll im Januar über die Bühne gehen. Bezirksklassen-Leiter André Bornemann kündigt an, dass bezüglich ausgefallener Wettkämpfe die Daten aus der vergangenen Saison herangezogen werden sollen. Bei den Rundenwettkämpfen seien grundsätzlich auch Fernwettkämpfe zugelassen, wenn es die örtlichen Gegebenheiten nicht zulassen, einen Wettkampf unter Einhaltung der Bestimmungen durchzuführen. „Es schießt dann jede Mannschaft alleine auf der heimischen Anlage. Die Ergebnisse werden ausgetauscht und zur Tabelle zusammengeführt“, erklärt Georg Veltl. Im Hinblick auf ausfallende Kreismeisterschaften sei vereinbart worden, dass Schützen, die in den Meisterschaften vorankommen wollen, an den Bezirk gemeldet werden können. „Dort will man dann versuchen, die Bezirksmeisterschaften, die für das Frühjahr 2021 geplant sind, mit den Sportlern durchzuführen“, teilt Veltl mit.

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