Schott the Dohr - der Zeitungspodcast

Wer ist hier der „Mimimi“?

In unserer etwas anderen Rückschau lassen wir den April noch einmal Revue passieren und diskutieren dabei auch über die Dinge, für die im redaktionellen Alltag oftmals kein Platz in der Zeitung ist.
30.04.2021, 11:25
Lesedauer: 6 Min
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Von Tobias Dohr und Dennis Schott
Wer ist hier der „Mimimi“?

Wer macht Beaker aus der Muppetshow mehr Konkurrenz? Herr "Mimimi" Dohr oder Herr "Mimimi" Schott?

FR
Moin Dennis. Sag mal, wie findest Du eigentlich diese unglaubliche Geschichte mit der neuen Spielgemeinschaft? Ist das nicht ein Hammer?

Haben jetzt Bornreihe, Hagen, VSK und Hambergen endlich eine Spielgemeinschaft gegründet?

Eigentlich nur der VSK und Bornreihe. Aber ich merke schon, Aprilscherze funktionieren wohl nicht zum 1. Mai.

(lacht) Nee, Herr Dohr, da sind Sie genau einen Monat zu spät! Unsere „Ente“ vom Worpsweder Dreigestirn mit Michael Rickers, Oliver Schilling und Gerd Buttgereit hat in der Hinsicht wesentlich besser funktioniert.

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Genau darauf wollte ich ja hinaus. War das nicht herrlich? Zum einen die Bereitschaft der Trainer, dabei mitzumachen. Zum anderen die unglaublichen Reaktionen. Selbst Worpswedes Kapitän Mario Bolduan schrieb mir bereits morgens um 8.12 Uhr, und – Achtung – ich zitiere: „Ich hab´s erst geglaubt.“

Ich habe ähnliche Reaktionen bekommen. Und so ein leichtes Misstrauen war da durchaus vorhanden, aber so ganz sicher waren sich die meisten eben doch nicht. „Ist doch ein Aprilscherz, oder?“, schrieb etwa Steffen Dietrich vom SV Bornreihe.

Und was hast du geantwortet?

(lacht) Dass ich keinen Dienst hatte! Und er: „Ach, hör doch auf!“

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Ja, absolut großartig, wie das die Szene in Aufruhr versetzt hat. Das war ein spannender Start in den Monat. Und genau so spannend ging es dann auch weiter. Ich sag nur: Super League. Das hatte ja auch was von einem Aprilscherz, oder?

Man mag den Funktionären und Milliardären und wer da sonst noch so alles mitredet, sagen: Erstickt doch an eurer Gier! Bei mir befördert das nur ein Abwenden vom Profifußball. Sollen die doch ihr eigenes Süppchen kochen. Ich mach da nicht mit! Und zum Glück denke nicht nur ich so.

Es ist befremdlich und nur noch beschämend. Und ehrlich gesagt auch eine absolute Farce, wenn die ebenso raffgierige UEFA sich plötzlich als Moralinstanz aufspielt. Ob da jetzt wirklich aufgrund der europaweiten Fanproteste zurückgerudert wurde, wage ich mal zu bezweifeln. Und auf Gehaltsobergrenzen und eine gerechtere Fernsehgeldverteilung werden wir auch weiterhin warten.

Na, auf Gerechtigkeit im Fußball dürfen wir lange warten. Das mit der EM passt doch da auch wie die Faust aufs Auge. Auf einmal dürfen in München doch Zuschauer zugelassen werden? Was sagen eigentlich Konzertveranstalter dazu? Das ist mir alles viel zu blöd, dieser Blase zu folgen.

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Und trotzdem kann man sich ihr nicht so ganz entziehen. Ich leide weiterhin mit Werder mit. Ich bin gespannt, wer Bundestrainer wird. Und mein Sohn hat vorgestern das Panini-Sammelalbum zur Europameisterschaft mitgebracht. Da kommen durchaus schöne Kindheitserinnerungen zutage. Und irgendwie freue ich mich dann sogar auf die EM.

Ich geb’s ja zu: Auch ich freue mich (und werde mit dem Einschalten des Fernsehers diese betrübliche Entwicklung befeuern). Aber ist halt Fußball, ne. Kannst nicht ohne, aber vielleicht mit ein bisschen weniger als vorher.

Weniger ist mehr betrifft aber nur den Profifußball. Sobald es erlaubt ist, werde ich mir erst mal ein komplettes Wochenende Osterholzer Fußball reinziehen. Aber noch mal kurz zur EM. Da könnte man doch wieder mal unsere tolle und so aktive Leserschaft ins Boot holen.

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Du meinst so wie bei unseren FDSNGWAPDSNGW-Steckbriefen?

Genau, das war ja so ein toller Erfolg. Vielleicht machen wir zur EM einfach mal ein kleines Tippspiel?

Gute Idee, das machen wir! Wie wollen wir es machen? Redaktion gegen Leser oder sollen die Leser unter sich bleiben?

Na, ich denke schon, dass wir Redakteure auch mitmachen sollten, allerdings außerhalb der Konkurrenz. Dann können sich unsere Leserinnen und Leser am Ende beömmeln, wenn wir abgeschlagen auf den hinteren Plätzen zu finden sind. Und der Hauptpreis ist dann ein Tennismatch gegen den Sieger der Partie Schott vs. Dohr.

Hm, ein Tennis-Match als Hauptpreis eines Fußball-Tippspiels ... Herr Dohr, finden Sie den Fehler! Und ob es für unseren Gewinner wirklich ein Gewinn wäre, gegen Sie oder mich anzutreten, muss zumindest hinterfragt werden. Abgesehen davon: Wir müssten erst einmal gegeneinander spielen. Da fängt es doch schon an! Und ich sage Ihnen, Herr Dohr: An mir lag es nicht, dass unser – man muss es ja so sagen – groß angekündigtes Match noch nicht stattgefunden hat. Also ich wäre ja auch barfuß gegen Sie in der Halle angetreten, weil man dort ja Schuhe nur mit glatter Sohle anziehen darf. Und wenn es nach mir gegangenen wäre, hätten wir uns auch auf einem Außenplatz duelliert. Aber Herrn „Mimimi“ Dohr war es ja zu kalt ...

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Herr Schott, darf ich Sie daran erinnern, dass Sie zumindest in diesem Format der Wahrheit verpflichtet sind? Ich kläre unsere Leser mal eben auf, wie es wirklich abgelaufen ist: Herr Schott hat tagelang vor unserem angedachten Match schon in den Ausrede-und-Wein-Modus geschaltet: Oh Gott, ich hab nur ‚ne alte Schlägerkrücke, oh Gott, ich hab keine Schuhe, oh Gott, Hauptsache verliere ich nicht 0:6, 0:6. Oh Gott, hoffentlich sehen das nicht zu viele Zuschauer... Außerdem sind die Außenplätze beim TC Falkenberg soweit ich weiß noch nicht mal fertig. Und außerdem sollen die da ja auch was von haben. Ich hatte deshalb nämlich ja auch vorgeschlagen, davon eine „öffentliche Veranstaltung“ zu machen. Mit Zuschauern, Getränkeausschank und geöffneter Würstchenbude. So ein richtig schönes Zusammenkommen der Osterholzer Sportszene. Aber dann kam Herr Schott: Mimimi, das geht nicht, mimimi, das will ich nicht, mimimi, das trau ich mich nicht.

Sie haben bei Ihrer Aufzählung die Blaskapelle vergessen... Herr Dohr, wer will Ihnen denn beim Tennisspielen zuschauen? Und mir! Ich sehe es sowieso schon kommen: Am Ende schauen uns nur unsere Mütter und Gründerinnen des Schott-the-Dohr-Fanclubs zu ... Aber gut, lassen wir uns überraschen, ob sich das tatsächlich einer (oder sogar mehrere) antun möchte, unsere Tenniskünste live zu erleben.

Jedenfalls wird es zeitnah über die Bühne gehen, dieses Duell der Anti-Giganten. Und egal, ob mit oder ohne Zuschauer, ich freue mich drauf. Apropos freuen. Wir müssen noch kurz über unsere Vereinsserie sprechen. Die erfreut sich ja auch großer Beliebtheit. Wobei wir da ja jetzt gerade etwas Erstaunliches erlebt haben, oder?

Das sagst du was, Tobi. Die „Kultfigur“, die wir in unserer Vereinsserie hervorstellen, entpuppt sich zu einem echten Phänomen. Die Vereine tun sich zum Teil doch ziemlich schwer, eine zu benennen. Wahrscheinlich, weil denen das Wort zu hochtrabend ist, oder was meinst Du?

Nee, glaub ich gar nicht mal. Ich vermute, dass da niemand vereinsintern anecken will. Im Prinzip gibt es ja in jeder Sparte eine Kultfigur, ich verstehe das schon, dass das manchmal schwerfällt, sich da festzulegen. Aber am Ende können wir da auch immer verschiedenen Namen nennen, nur eine Person muss halt im Fokus stehen. Und ohne Kultfigur, keine Vereinsseite. Oder, Dennis?

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Wir hätten die Kultfigur auch „gute Seele“ nennen können. Aber wir haben uns ja dabei etwas gedacht, denn es gibt in jedem Verein den einen oder die eine, oder mehrere, die den Verein einfach ausmachen. Und die wollen wir ebenso vorstellen wie den Verein selbst. Leider hat es ja auch dazu geführt, dass wir einem Verein, der partout keine Kultfigur benennen wollte, absagen mussten. Schade.

Ja, wirklich schade. Und hoffentlich überlegt es sich besagter Verein noch einmal und meldet sich dann bei uns. Das würde uns sehr freuen, denn am liebsten möchten wir in den kommenden Monaten ja jeden Osterholzer Verein einmal vorstellen. Und ein paar sportfreie Monate müssen wir ja noch überbrücken.

Das schaffen wir auch noch! Das Licht am Ende des Tunnels wird größer werden. Und wer weiß? Vielleicht ereignen sich in den kommenden Wochen ja genauso spannende Geschichten wie in den vergangenen Wochen. Und wenn wir da ein bisschen nachhelfen müssen – Stichwort Aprilscherz –, ist das auch nicht weiter schlimm (lacht).

In diesem Sinne. Gibt es sonst noch was Wichtiges zu vermelden?

Glaub es oder glaub es nicht, und das ist wirklich kein Aprilscherz: Mich hat eben ein arabisch klingender Mann angerufen, den Namen habe ich schon wieder vergessen. Jedenfalls erzählte er, dass er großer Fan der Osterholzer Fußballszene ist und eine eigene Liga gründen will. Der faselte irgendwas von einer Mega-Liga, oder so. Und Geld, viel Geld für die teilnehmenden Vereine. Wir sollen das bekanntmachen. Ich habe ihm gesagt, dass wir schon den Derby-Cup haben und die Volksbank schneller war. Dann habe ich aufgelegt. Ich denke, das war auch in Deinem Sinne.

Guter Mann, der Herr Schott!

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Zur Person

Die Sportredaktion

schließt den Monat April ab. In unserer etwas anderen Rückschau lassen wir den vergangenen Monat Revue passieren und diskutieren dabei auch über die Dinge, für die im redaktionellen Alltag oftmals kein Platz in der Zeitung ist. Nicht immer einer Meinung, aber meinungsstark. Nicht immer bierernst, aber mit voller Überzeugung für den hiesigen Amateursport. „Schott the Dohr“ – die Redakteure Tobias Dohr (oben) und Dennis Schott schließen die Tür.

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