„Schott the Dohr“ - Halloween-Ausgabe

Die Geister, die ich rief...

In unserer etwas anderen Monats-Rückschau lassen wir die letzten Wochen Revue passieren. Nicht immer einer Meinung, aber meinungsstark. Nicht immer bierernst, aber mit voller Überzeugung für den Amateursport.
30.10.2020, 15:08
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Dennis Schott und Tobias Dohr

So, Herr Dohr, Sie haben die Wahl: Süßes oder Saures?

Lieber was Süßes, Herr Schott. Saures gab es ja schon genug in den vergangenen Tagen.

Herr Dohr, Sie sind genauso zu durchschauen wie ich beim Schnick-Schnack-Schnuck-Spielen. Habe natürlich gewusst, dass Sie Süßes nehmen. Wobei man ja generell sagen muss: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht. Ist ja eine ziemlich oft gebrauchte Floskel im Fußballjargon, aber passt auch in diesen Tagen. Corona erweist sich als zäher Gegner und hat noch einmal zurückgeschlagen. Die zweite Welle, von vielen vorhergesagt, schwappt uns gerade voll entgegen. Die Geister, die man damals rief, sind pünktlich zu Halloween erschienen.

Oh weia, gleich in seinem zweiten Beitrag offenbart Herr Schott seine poetische Ader. Die Geister, die ich rief, herrje... Du bist mir so ein kleiner Hui Buh. Aber mal im Ernst jetzt. Was ist das für ein unsägliches Hin und Her im Amateursport. Wir müssen das jetzt ja nicht alles wieder aufkochen. Aber die Situation in der Fußball-Bezirksliga ist doch wirklich geradezu lächerlich, oder?

Wahrscheinlich hat Angie das auch nur noch genervt und sie hat nur deshalb ein Machtwort gesprochen (lacht). Aber so ist es doch richtig. Jetzt ist der ganze Amateursport geschlossen worden und nicht nur der Amateurfußball vom Landkreis Osterholz, während in den benachbarten Kreisen weiterhin trainiert und gespielt werden durfte. Alle oder keiner. Jetzt müsste man den Politikern aber noch erklären, dass der Fußball nicht zur Verbreitung des Virus beigetragen hat ...

Lesen Sie auch

Zumindest nicht das Fußballspielen als solches. Leider wird man nicht umhinkommen, festzustellen, dass natürlich gerade am Spielfeldrand und auch nach dem Spiel Situationen entstanden sind, die nicht okay waren. Es gab da ja sogar Bilder im Internet zu sehen, wo Mannschaften Jubelfotos gemacht haben – ohne Masken, ohne jeglichen Abstand. Das ist natürlich eine Vollkatastrophe. Aber ich bleibe dabei: Das Spiel als solches ist weniger gefährlich als die meisten anderen Alltagssituationen. Und deshalb hätte man zwingend andere Maßnahmen ergreifen müssen, als gleich alles komplett zu verbieten. Und gerade für die Kinder wäre es so wichtig gewesen, sich zumindest einmal die Woche zum Kicken zu treffen.

Ich habe eigentlich erwartet, dass Sie noch den Profifußball erwähnen, Herr Dohr. Und wie gemein es ist, dass der ungehindert weiterlaufen darf. Nun zwar komplett ohne Zuschauer, aber der Spielbetrieb bleibt unberührt. Und das, obwohl auch in der Bundesliga Spieler positiv getestet wurden - trotz eines teuren und umfassenden Hygienekonzepts. Aber dieses Fass lassen wir mal an dieser Stelle lieber zu. Was ich ja nicht verstehe: Dass Amateursport erst ab Montag nicht mehr erlaubt ist. Also wenn von den Fußballern eine Gefahr ausgeht, wieso sind die Spiele an diesem Wochenende noch erlaubt? Können Sie mir das erklären, Herr Dohr?

Nein, kann ich definitiv nicht. Und es ist für mich auch absolut unbegreiflich, weil es genau die größte Gefahr befeuert: Verständnis und Bereitschaft in der Bevölkerung sinken, den Weg mit voller Überzeugung mitzugehen. Ist Fußball jetzt gefährlich? Oder nicht? Oder vielleicht an diesem Wochenende noch nicht sooo gefährlich, aber ab Montag dann schon?

Lesen Sie auch

Das ist in der Tat alles ziemlich skurril.

Geradezu bizarr. Und wenn man vier Wochen in den sportlichen Lockdown gehen will, dann muss man es doch auch sofort machen. Und ich sag es jetzt mal ganz direkt: Ich fürchte, dass es da einige geben wird, die am Wochenende ganz bewusst sagen: Jetzt treten wir noch einmal richtig einen durch den Tisch, bevor in den kommenden Wochen eh nichts mehr erlaubt ist. Und das betrifft sicherlich alle Lebensbereiche, nicht nur den Sport. So etwas ist absolut kontraproduktiv und gefährlich. Deshalb hätte nach der Entscheidung der Politik sofort alles abgesagt werden müssen.

Also wenn ich noch Fußballer wäre, dann müsste ich ja denken, dass ich potenzieller Super-Spreader bin. Bin ich aber gar nicht, oder nicht mehr als jeder andere auch. Und zum Thema „Ansteckungsgefahr im Fußball“ haben sich ja Fachleute zu Wort gemeldet, die sagen, dass die Gefahr auf dem Platz ziemlich gering ist. Einerseits. Andererseits: Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, Herr Dohr, dass in diesem Punkt vornehmlich Prof. Dr. Tim Meyer zitiert wird. Und der ist Vorsitzender der Medizinischen Kommission im DFB...

Oh nein, jetzt wird der Schott auch noch zum Verschwörungstheoretiker!

Lesen Sie auch

Naja, heutzutage wird doch alles und jeder hinterfragt. Selbst die anerkanntesten Virologen werden hinterfragt, teilweise widerspricht der eine dem anderen. Was soll man da noch glauben? Und wenn dann ein Arzt des DFB sagt „Fußball ist nicht gefährlich“, dann könnte der eine oder andere vielleicht denken, dass da auch ein Stück Lobbyismus hinter steckt.

Das könnte der eine oder andere tun. Ich hoffe und glaube aber ganz fest, Du gehörst da nicht ernsthaft dazu. Und am Ende führt das ohnehin alles nur dazu, dass die Gemeinschaft bröckelt. Ich habe in den vergangenen Tagen mit so vielen vernünftigen, intelligenten, reflektierten Menschen gesprochen – und dabei immer auch wieder Zweifel und Unsicherheit gespürt. Die meisten wissen gar nicht mehr, was sie denken sollen, weil es so viele unterschiedliche Ansätze gibt.

Was denkst Du denn?

Ich persönlich hätte einen Komplett-Lockdown für sinnvoller erachtet. Zwei Wochen lang alles runterfahren so weit es geht, dann ist die Welle ganz bestimmt so stark gebrochen, um die nächsten sechs Wochen wieder halbwegs in Normalität zu leben – und auch Sport machen zu können. So müsste man sich vielleicht durch den Winter hangeln. Ich fürchte halt, dass dieser Teil-Lockdown mit den jetzt verkündeten Maßnahmen am Ende die Zahlen einfach nicht genug drücken wird – und es Monate keinen Sport geben wird. Aber ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Das hoffe ich natürlich auch. Aber siehst Du? Du bist für einen kurzzeitigen Komplett-Lockdown, der andere empfindet die Light-Version schon als Zumutung, und dann gibt es diejenigen, die alles infrage stellen. Du hast es schon gesagt: die Gemeinschaft bröckelt. Umso wichtiger war nun die klare Ansage der Kanzlerin. Und die war ja gleichzeitig ein Appell an die Gemeinschaft. Jetzt liegt es an uns.

Absolut richtig. Das sind wir uns auch wirklich komplett einig. Niemand sollte für sich reklamieren, die beste Lösung zu kennen. Vorwürfe waren und sind diesbezüglich fehl am Platze. Gleichwohl trage ich große Sorge in mir, was drei oder vier Monate in der dunklen Jahreszeit ohne Sport mit uns allen machen. Vor allem mit Ihnen, Herr Schott.

Wir mutieren zu Zombies – und damit fangen wir an diesem Wochenende schon mal an (lacht).

Info

Zur Person

Die Sportredaktion

schließt den Oktober ab. In unserer etwas anderen Monats-Rückschau lassen wir die vergangenen Wochen Revue passieren und diskutieren dabei auch über die Dinge, für die im redaktionellen Alltag oftmals kein Platz in der Zeitung ist. Nicht immer einer Meinung, aber meinungsstark. Nicht immer bierernst, aber mit voller Überzeugung für den hiesigen Amateursport. „Schott the Dohr“ – die Redakteure Tobias Dohr (oben) und Dennis Schott schließen die Tür.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+